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Naturschutz in Ebersberg:Rückblick 2020: Ein Baum beschäftigt den ganzen Landkreis

Ein Hauch von Hambacher Forst im Landkreis Ebersberg: Hunderte Menschen protestieren für den Erhalt einer alten Eiche bei Seeschneid.

(Foto: Christian Endt)

Ende Juli beschließen die Kreisräte Änderungen am bereits laufenden Ausbau der Kreisstraße EBE 8, um so eine gut 300 Jahre alte Eiche zu retten.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Umplanungen kommen auch bei schon laufenden Bauprojekten gelegentlich vor, jene, die der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages am 20. Juli beschließt ist indes höchst bemerkenswert. Konkret geht es zwar nur um einen kleinen Schwenker für die neue Kreisstraße EBE 8, doch um diesen war zuvor wochenlang gerungen worden. Denn in der ursprünglichen Planung hätte für den Straßenbau ein etwa 300 Jahre alter Baum gefällt werden sollen.

Gut zwei Monate zuvor hatte der Ausbau der Kreisstraße begonnen, ein Projekt, das in den Gremien nicht nur unumstritten, sondern grundsätzlich von allen Fraktionen befürwortet wird. Schließlich ist in den Plänen für alle etwas dabei: Eine breitere Straße für die Autos und ein parallel laufender Fuß- und Radweg. Allerdings wird das neue Tiefbauprojekt dadurch so breit, dass der alte Baum mit seinen gut eineinhalb Metern Durchmesser im Weg steht. Im Ausschuss wird deshalb mit dem Baubeginn auch die Baumfällung angekündigt, was nicht nur dort auf heftige Kritik stößt.

In den kommenden Wochen formiert sich im Landkreis und darüber hinaus Unterstützung für den Erhalt des alten Baumes. Bei einer Petition im Internet forderten mehr als 3300 Personen, dass der Baum erhalten werden solle. Bereits am 12. Juni organisiert die Grüne Jugend eine Protestaktion rund um und für die alte Eiche. Als Anspielung auf Baumbesetzungen etwa im Hambacher Forst, klettern einige der jungen Leute ins Geäst des Baumes und hissen Transparente.

Diese sind auch zwei Wochen später wieder zu sehen und ein paar mehr, denn am 27. Juni gibt es eine weitere und größere Demonstration, etwa 200 Personen versammeln sich an der Eiche. Zahlreiche Redner, vom altgedienten Naturschützer bis zur Grundschülerin fordern eine Umplanung der Straße, anschließend bilden die Teilnehmer eine Menschenkette Richtung Nettelkofen.

Was die Politik durchaus beeindruckt, in der nächsten Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses geht es um die Frage, wie sich die bereits im Bau befindliche Straße doch noch an der Eiche vorbeiführen lässt - zunächst indes ergebnislos. Denn eine Verschmälerung der Straße hätte den Landkreis unter Umständen Fördergeld gekostet, da dieses - etwa 650 000 von insgesamt 2,2 Millionen Euro - nur fließt, wenn bestimmte Größenvorgaben eingehalten werden.

Mitte Juli kann Landrat Robert Niedergesäß (CSU) dann Erfolg vermelden. Es ist gelungen, ein weiteres Grundstück zu kaufen, damit kann die Straße um den alten Baum herumgeführt werden. Auf die Fördermittel hat dies keinen Einfluss, etwas teurer wird es aber für den Landkreis, da er von den Mehrkosten 130 000 Euro tragen muss. Trotzdem gibt es im Ausschuss keine einzige Gegenstimme zur Umplanung. Ebensowenig dafür, dass die Eiche offiziell ein Naturdenkmal werden soll. Am 15. Dezember wird das neue Teilstück der EBE 8 für den Verkehr freigegeben.

© SZ vom 30.12.2020/aju
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