Nachruf:Girma Fisseha gestorben

Nachruf: Über viele Jahre war Girma Fisseha im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Vaterstetten und dem äthiopischen Alem Katema als Koordinator aktiv.

Über viele Jahre war Girma Fisseha im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Vaterstetten und dem äthiopischen Alem Katema als Koordinator aktiv.

(Foto: privat)

"Ich habe keine Angst" - mit diesen Worten beendete Girma Fisseha in den vergangenen Jahren regelmäßig Diskussionen zum Thema Tod. Mut hat Girma Fisseha in seinem Leben oft bewiesen. Bereits 1976 war er aus seiner Heimat Äthiopien nach Deutschland gekommen und hier zum Leiter der Äthiopien-Abteilung des Völkerkundemuseums in München aufgestiegen. Es folgten viele, gut besuchte Ausstellungen und in Fachkreisen sehr geschätzte Publikationen. 2008 erhielt Girma Fisseha das Bundesverdienstkreuz.

1996, kurz nach der Gründung der Partnerschaft mit Alem Katema, stellte er sich beim Vaterstettener Partnerschaftsverein vor. Seitdem beriet er den Verein in seiner Arbeit und koordinierte auch präsent vor Ort in der Partnerstadt, was bis vor wenigen Jahren, ohne funktionierendes Internet und stabile Telefonverbindung, extrem wichtig war. Seit 2014 kümmerte sich Girma Fisseha dann vor allem in Addis Abeba bei Institutionen und Behörden um die Angelegenheiten des Vereins. Seit 2018 war er auch Landesrepräsentant für die NGO "Die Ofenmacher", die ihre Entwicklungsarbeit auch in Alem Katema begonnen hatte.

Sein Meisterwerk für die Partnerschaft ist und bleibt aber das "People's Museum" in Alem Katema. Sepp Klement, der langjährige Vorsitzende der Partnerschaft, erinnert sich: "Er hat ,Museum' gelebt. Ein Glücksfall für die Partnerschaft, denn sein Vorschlag für ein Heimatmuseum in Alem Katema war schon vor 20 Jahren in die Diskussion geraten." Nach der Eröffnung der neuen Bücherei 2013 stand das Gebäude der alten Bücherei dafür zur Verfügung. Im Inneren wurde sie, auch unter Mitarbeit von Volunteers aus Deutschland, in ein traditionelles Tukul verwandelt. Die Exponate sammelte Girma vor Ort. Traditionelle Gegenstände, über hunderte von Jahren im Gebrauch in äthiopischen Haushalten, wurden ihm überlassen: "Girma hat mit dem Museum den Gegenständen und Gebräuchen seiner Heimat einen Ort der Erinnerung geschaffen. Und den Menschen eine Identität, die sie erst in vielen Jahren zu schätzen wissen werden." Das Museum wurde anlässlich einer Reise zum 20. Jubiläum der Partnerschaft 2014 eingeweiht. 2015 bekam Girma von Bürgermeister Georg Reitsberger den Wappenlöwen als Auszeichnung für seine Verdienste.

Wegen seiner Familie verlegte Girma seinen Wohnsitz wieder zurück nach Äthiopien, wo er mit seiner Frau Sara zusammen in einer Mietwohnung im Außenbereich von Addis Abeba lebte. 2017 hätte er seiner Familie noch gerne sein Deutschland gezeigt - was ihm allerdings verwehrt blieb, da seine Frau kein Visum für Deutschland erhielt. Nach einer Operation im Oktober 2020 in München, kehrte er wieder zurück in seine Heimat und ist dort nun am 20. Dezember im Alter von 79 Jahren gestorben.

© SZ vom 12.01.2021 / SZ
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