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Mobilität in Poing:Das Fahrrad hat noch Potenzial

Reportage Radlständer Bhf. Poing

Eine Parkgarage für Fahrräder gibt es schon in Poing. Aber die Infrastruktur müsste nach Ansicht der Experten weiter ausgebaut werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Eine Haushalts- und Mitarbeiterbefragung in Poing zum Verkehrsverhalten zeigt: Am meisten genutzt wird immer noch das Auto. Die Ergebnisse werden Teil eines umfassenden Mobilitätskonzepts der Gemeinde

Knapp ein halbes, nachdem alle Poinger Haushalte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ortsansässigen Unternehmen über ihr Mobilitätsverhalten befragt wurden, liegen die Ergebnisse nun vor. Bereits Anfang März hatten die zuständigen Planer sie auch im Gemeinderat vorgestellt. Ziel der Befragung waren Erkenntnisse darüber, welche Wege die Verkehrsteilnehmer zurücklegen und welche Verkehrsmittel sie dabei wählen. Das Ergebnis: Das Auto liegt bei der Wahl des Fortbewegungsmittels auf Platz eins, am meisten Potenzial sehen die Planer beim Ausbau der Fahrradinfrastruktur, da viele Fahrten innerhalb von Poing oder in Nachbargemeinden stattfinden.

Bei der Haushaltsbefragung wurden Fragebögen über das Ortsnachrichtenblatt an alle Poinger Haushalte verteilt. Zirka 1770 Haushalte schickten verwertbare Fragebögen zurück, was 26 Prozent entspricht und damit laut Robert Ulzhöfer von der Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr, die mit der Befragung beauftragt war, einer recht hohen Rücklaufquote entspricht. Mit mehr als 30 Prozent sind Familien die am meisten vertretene Gruppe. Im Durchschnitt leben 2,46 Personen in einem Haushalt. Knapp 30 Prozent der Befragten sind zwischen 46 und 64 Jahre alt. Fast die Hälfte aller Haushalte besitzt ein Auto, knapp 40 Prozent sogar zwei.

Im Durchschnitt sind 1,06 Fahrräder pro Kopf und 2,4 Räder je Haushalt vorhanden. Von den etwa 4000 durch die Befragung erfassten Poingern besitzen zirka 1020 eine Zeitkarte für den öffentlichen Personennahverkehr. Ein Drittel davon ist berufstätig, fast 40 Prozent sind Schüler oder Auszubildende, jeder Siebte ist im Ruhestand.

Per Hochrechnung kommen die Planer auf 91 500 Wege und Fahrten, die alle Poinger pro 24 Stunden zurücklegen. Den größten Anteil macht der Binnenverkehr aus, also Fahrten innerhalb von Poing. 44 Prozent aller Fahrten entfallen auf Auto-Selbstfahrer (im Gegensatz zu Auto-Mitfahrern), 18 Prozent auf Radler.

Bei der Mitarbeiterbefragung wurde bei etwa 120 ortsansässigen Betrieben mit mindestens fünf Mitarbeitern Fragebögen verteilt. Theoretisch seien dadurch etwa 7500 Mitarbeiter erreichbar gewesen, sagt Anna Nägele von der Planungsgesellschaft. Demnach wurden 1990 auswertbare Fragebögen zurückgeschickt, was einer Rücklaufquote von 27 Prozent entspricht.

Mit 58 Prozent haben sich mehr Mitarbeiter an der Befragung beteiligt als Mitarbeiterinnen, die Altersgruppe zwischen 31 und 45 Jahren war die am stärksten vertretene. Mit einem Anteil von beinahe 60 Prozent kommen die meisten mit dem Auto zur Arbeit - und zwar in fast 90 Prozent der Fälle alleine. Dabei pendeln 28 Prozent der Befragten von München nach Poing, 15 Prozent und damit die zweitstärkste Gruppe kommt aus Poing selbst. Bei der Frage, weshalb auf das Auto nicht verzichtet werden kann, antworteten 43 Prozent, dass sie mit dem eigenen Wagen flexibler sind, und 25 Prozent, dass der Arbeitsweg mit dem eigenen Fahrzeug bequemer ist.

Trotz eines direkten S-Bahn-Anschlusses nutzen knapp 70 Prozent der Pendler aus Erding das eigene Auto, um zu ihrem Arbeitsplatz in Poing zu gelangen, gleiches gilt für Wörth; bei Markt Schwaben, Kirchheim, Feldkirchen und Dachau sind es zwischen 55 und 60 Prozent. Den öffentlichen Nahverkehr nutzen die zwischen 18- und 30-Jährigen am meisten.

Das meiste Potenzial sehen die Verkehrsexperten in Poing beim Fahrrad. "Wir haben ja gesehen, dass fast jeder hier ein eigenes Fahrrad hat", antwortete Ulzhöfer. "Darauf würde ich setzen." Dem Fachmann zufolge hätte die Gemeinde in diesem Bereich die größten Erfolgschancen, durch das Schaffen einer entsprechenden Infrastruktur selbst etwas zu bewegen - ganz im Gegensatz zur S-Bahn, wo die Gemeinde zwar Druck ausüben, letztlich aber nichts aktiv entscheiden könne.

Konkret bedeutet das, dass sich Betriebe für ausreichend ansprechende und sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder einsetzen müssten, aber auch für eine weiterführende Infrastruktur für Radler, wie etwa Duschen. In der Gemeinde sollte ein lückenloses Radwegnetz, auch abseits der Hauptrouten, vorhanden sein. Daneben sehen die Planer auch Potenzial in Radwegen zu angrenzenden Gemeinden. Die Experten empfehlen daher, die angedachte Radschnellverbindung von Markt Schwaben über Poing nach München zu fördern und deren möglichst schnelle Umsetzung voranzutreiben.

Die Gemeinde plant, die Gewerbetreibenden über die Ergebnisse der Befragung zu informieren, wie Rathauschef Hingerl in der Sitzung Anfang März erklärte. Außerdem ist - wenn dies wieder möglich ist - eine öffentliche Veranstaltung vorgesehen, um die Poinger über die Resultate der Haushaltsbefragung in Kenntnis zu setzen. Die aus der Befragung gewonnenen Erkenntnisse werden in die weitere Bearbeitung des Mobilitätskonzepts einfließen.

© SZ vom 31.03.2020

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