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Mitten in Vaterstetten:Ganz schön prominent

Bei der "Kanzlei Berger" im ZDF dürften etliche Vaterstettener Bekanntes entdeckt haben. Nicht immer sind Location-Scouts in der Gemeinde aber erfolgreich

Glosse von Wieland Bögel

Mit der Prominenz, also dem Konzept, ist das ja so eine Sache. Wann und wieso gilt jemand oder etwas als prominent? Muss man dazu besondere Leistungen vollbracht haben oder wenigstens zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen sein? Vielleicht reicht es auch, prominent in der Öffentlichkeit vertreten zu sein, etwa, wie der legendäre Herbert Görgens, einen Auftritt im Fernsehen zu ergattern. Falls Letzteres zutrifft, ist die Gemeinde Vaterstetten um eine Prominente reicher: Die neue Grund- und Mittelschule ist seit Mittwochabend offiziell ein TV-Star.

Da lief im Zweiten Deutschen Fernsehen eine Folge der Anwaltsserie "Kanzlei Berger", und gleich 90 Sekunden nach Beginn kommt sie ins Bild: die Karlheinz-Böhm-Grund- und Mittelschule, der Name ist in einer Einstellung sogar kurz an einer Pinnwand im Hintergrund zu lesen. Dass die Serie in Landsberg spielt und offenbar in Vaterstetten gedreht wurde, ist nicht ungewöhnlich, die Mondlandung wurde ja bekanntlich auch nicht auf dem Erdtrabanten, sondern in Hollywood aufgenommen. Ein Anruf beim Bürgermeister wegen der plötzlichen TV-Präsenz der Schule fördert indes Erstaunliches zutage: Weder Leonhard Spitzauer noch sein Büroleiter Georg Kast wussten offenbar von der Filmerei dort. Durchaus mysteriös, nicht zuletzt, weil es in der fraglichen Folge - so viel kann verraten werden, ohne die Spannung zu verderben - auch um heimlich in einer Schule gedrehte Filmaufnahmen geht. Die Auflösung des Rätsels ist dann leider nicht ganz so spektakulär, wie erhofft: Das Filmteam hatte die Szenen in der Schule ganz legal, aber unter einem Arbeitstitel gedreht.

Aber möglicherweise bietet sich ein völlig neues Geschäftsmodell an. Immerhin verfügt Vaterstetten über das ganze stilistische Spektrum von der Nachkriegsarchitektur bis heute, und das in einer Vielzahl unterschiedlicher Erhaltungszustände. Der Bürgermeister wäre zusätzlichen Einnahmen nicht abgeneigt: "Vielleicht können wir so die Gemeindekasse etwas sanieren." Nur übertreiben sollte man es bei den Gebühren nicht. Laut Spitzauer wollte im Winter ein Filmteam eine Werbung am Schlittenberg drehen, nachdem die Gemeinde ihre Rechnung präsentierte, "haben wie nie wieder etwas von denen gehört", sagt der Bürgermeister. Vielleicht melden sie sich ja wieder, wenn ihnen klar ist, mit welchem prominenten Drehort sie es zu tun haben.

© SZ vom 26.02.2021
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