Mitten im Landkreis:Der Wert der Demokratie

Auch mit Politik lässt sich ehrliches Geld verdienen - als Wahlhelfer. Allerdings rentiert sich dieses Ehrenamt in manchen Kommunen mehr als in anderen

Kolumne von Andreas Junkmann

Der Grundgedanke von Politik ist ja bekanntlich nicht, damit das große Geld zu verdienen. Freilich muss heutzutage aber auch kein Volksvertreter mehr am Hungertod nagen. Ganz im Gegenteil: Vielmehr scheint es so, dass Geld inzwischen zur Voraussetzung dafür geworden ist, überhaupt in der ganz oberen Liga mitmischen zu dürfen.

Da geht es auf kommunaler Ebene doch noch deutlich entspannter zu. Hier wird niemand Bürgermeister, nur weil er daheim ein paar Millionen unterm Kopfkissen liegen hat. Stattdessen lässt sich im Landkreis mit Politik sogar Geld verdienen - und dafür muss man nicht mal größere Verantwortung übernehmen. Als Wahlhelfer bei der Europawahl zum Beispiel, kann man die Haushaltskasse durchaus ein bisschen aufbessern. Aber nicht in allen Gemeinden lässt sich gleichermaßen absahnen. Wer das eherne Ziel verfolgt, seine kostbare Freizeit für die Politik zu opfern, der muss nach Ebersberg gehen. Für 30 Euro darf man sich dort in den ganzen Tag in den stickigen Wahlräume die Zeit vertreiben - Schlusslicht im Landkreis! Da lohnt schon eher der Gang nach Poing, Forstinning oder seit diesem Jahr auch Kirchseeon. Hier gibts zumindest 40 Euro auf die Helfershand. Richtig süß schmeckt die Demokratie aber erst in Vaterstetten, Pliening oder Glonn. Satte 50 Euro lassen sich dort als sogenanntes Erfrischungsgeld abkassieren!

Ja klar, die große Politkarriere nach Trumpschen Vorbild lässt sich mit dieser einmaligen Finanzspritze nicht starten. Da heißt es schon dranbleiben, wenn nach der Europawahl im nächsten Jahr die Kommunalwahl und 2021 die Bundestagswahl folgen.

© SZ vom 20.04.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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