Meta-Theater Tragödie in Bild und Ton

Musik wie ein Aufschrei: Bassist Dine Doneff, Trompeter Julian Hesse und Saxofonist Matthieu Bordenave spielen im Meta-Theater.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

"Balkan-Volksoper" thematisiert Unterdrückung

Von Peter Kees, Moosach

Auf dunkler Bühne steht ein Kontrabassist, regungslos. Auf die Wand hinter ihm werden alte Schwarz-Weiß-Fotografien projiziert. Sie zeigen vormalige Bewohner einst slawischer Dörfer im Nordwesten Griechenlands, verfallene Häuser, Ruinen, von der Natur zurückeroberte Zivilisation. Schmerzliche Erinnerungsbilder. Denn die mazedonische Minderheit wurde und wird in Griechenland unterdrückt. Den Bewohnern dieser Dörfer verbot man, ihre Muttersprache zu sprechen, ihre Kultur zu pflegen.

Der Komponist und Musiker Dine Doneff ist in einem dieser Dörfer, in Rousilvo, aufgewachsen. Auf Griechisch heißt der heute verfallene Ort Xanthogeia, der mazedonische Name ist tabu. Nach der Veröffentlichung seines Albums "Rousilvo" 2014, in dem Doneff sich mit der Geschichte seiner Herkunft auseinandersetzt, emigrierte er nach Deutschland, weil er Schwierigkeiten mit griechischen Neo-Nazis und staatlichen Sicherheitskräften bekam. Sein "Requiem über das Verschwinden", die Balkan-Volksoper "Rousilvo", wurde nun im Moosacher Meta-Theater aufgeführt: eine Collage aus Livemusik, historischen Tonaufnahmen und Fotos.

Der Bassist Dine Doneff steht also zunächst bewegungslos auf der Bühne, zu den Fotos erklingt Musik vom Band: Lieder der mazedonischen Minorität. Doneff nämlich hat Melodien aus der Gegend um sein Dorf gesammelt, hat Aufnahmen gemacht, mehr als 250 Lieder zusammengetragen. Davon sind einige im Lauf des Abends zu hören. Als die Einspielung zu Ende geht, gesellen sich ein Flügelhorn (Julian Hesse) und ein Tenorsaxofon (Matthieu Bordenave) zum Kontrabass. Die drei Musiker intonieren eine Art Jazz, vermischt mit der Musik des Balkans: Über einem rhythmisch komplexen Bass erklingen getragene Bläser, wehmütige, Tonfolgen, sanft und weich, lang gezogene Noten. Dann entwickelt sich aus diesem auskomponierten Teil eine Improvisation, die mitunter fast an Freejazz erinnert, später geht es zurück zum melodischen Ausgangspunkt.

Abermals ist eine Singstimme vom Band zu hören. Nach kurzer Zeit beginnt der Bassist, der sein Instrument auch als Schlagzeug einsetzt, zum Gesang dazu zu spielen, zaghaft und doch bestimmt. Später steigen auch die beiden Bläser mit ein. Wieder geht die Performance über in Livemusik aus Balkanklängen vermischt mit Jazz. Wehmütig klingt das, melancholisch. Ist es ein Abgesang? Es ist ein musikalischer Kommentar zur Situation der mazedonischen Minderheit in Griechenland. Wie Aufschreie wirken die wilden Improvisationen in den Mittelteilen dieser Nummern, die stets elegisch beginnen und enden. Die Verzahnung von historischen Tonaufnahmen mit Livemusik spiegelt Geschehenes wider und drückt den Schmerz aus, der jener Unterdrückung erwachsen ist. Hier geht es um das Herz, um die Seele eines Menschen, der einer Tragödie ausgesetzt ist.

Die Balkan-Volksoper "Rousilvo" ist 2004 entstanden, veröffentlich hat sie ihr Schöpfer aber erst später, aus Sorge vor "feindlichen Reaktionen". Im Original ist sie für sieben Sänger und sieben Instrumentalisten komponiert, in Moosach wurde eine Bearbeitung für drei Instrumente aufgeführt. Der Botschaft des Werkes tut dies indes keinen Abbruch. Später zeigt Doneff Ausschnitte eines Theaterabends mit slawischen Gesängen. Der mazedonische Grieche erzählt, dass das Stück nur einmal aufgeführt werden konnte, 2009 in Thessaloniki, danach gab es zu viele Probleme - und er wollte weder seine Mitstreiter noch sein Publikum gefährden.

Große Melancholie prägt den Abend im Meta-Theater, inhaltlich wie musikalisch. Und doch verströmt dieses Requiem mit seinen komplexen Rhythmen und Harmonien einen großen Zauber. Die drei Musiker haben übrigens äußerst beeindruckend musiziert.