Markt Schwabener Rekord Wie eine Reise nach Madrid

Helmut Nebel radelte in drei Wochen knapp 3000 Kilometer weit - bis nach Spanien kam er aber nicht.

(Foto: privat)

Helmut Nebel legte beim Stadtradeln die längste Strecke zurück

Interview von Johanna Feckl, Markt Schwaben

Der Markt Schwabener Helmut Nebel radelte innerhalb von drei Wochen, von 1. bis 21. Juli, 2818 Kilometer. Nicht einfach so, sondern im Rahmen der Aktion "Stadtradeln". Das ist eine bundesweite Kampagne des Klima-Bündnisses, einem großen Netzwerk bestehend aus Städten, Gemeinden und Landkreisen, die sich für den Schutz des Weltklimas einsetzen. Es geht dabei darum, das Auto so oft wie möglich stehen zu lassen und sich stattdessen auf den Sattel zu schwingen. Der Landkreis Ebersberg nahm dieses Jahr zum zweiten Mal an der Aktion teil. Mit seinem knapp 3000 Kilometern hat der 50-jährige Helmut Nebel die längste Strecke von allen Radlern im Landkreis zurückgelegt - der Nächstbeste hinter ihm radelte 1930 Kilometer. Im September wurde Nebel dafür ausgezeichnet.

SZ: Herr Nebel, 2818 Kilometer, das ist die Strecke von München nach Madrid und von dort fast wieder zurück bis in die Landeshauptstadt. Waren Sie tatsächlich in Madrid, oder wo sind Sie hingeradelt?

Helmut Nebel: Da muss ich Sie enttäuschen, ich war weder in Madrid noch habe ich eine andere Rundfahrt oder ähnliches gemacht (lacht). Ich hatte während der drei Wochen auch keinen Urlaub, sondern habe halbwegs normal gearbeitet und war lediglich im Großraum München unterwegs.

Radeln Sie immer so viel oder haben Sie sich für das Stadtradeln besonders ins Zeug gelegt?

Beides: Normalerweise komme ich pro Woche auf 500 bis 600 Kilometer mit dem Radl, im Sommer auch manchmal auf 800. Ich wohne in Markt Schwaben und radel jeden Tag in meine Arbeit nach Neubiberg, das sind pro Tag insgesamt 60 Kilometer. Während des Stadtradelns bin ich zudem meistens ein paar Umwege gefahren, habe zum Beispiel meine Frau von ihrer Arbeit in Ismaning abgeholt. Das waren dann einfach schonmal um die 60 Kilometer. Am Wochenende fahre ich gerne vor dem Frühstück eine Runde, um die 20 bis 40 Kilometer. Auch diese Routen waren während der drei Wochen dann meistens eben etwas länger.

Das klingt, als ob Sie das Auto vermeiden, so oft es geht.

Ja, das stimmt. Einkäufe zum Beispiel erledige ich grundsätzlich mit dem Radl. Ich habe zwei Satteltaschen, da passt viel hinein. Und für größere Besorgungen hänge ich zusätzlich einen Lastenhänger an. Zur Not fahre ich einfach zwei Mal - ist ja alles nicht weit.

Aber wenn es regnet, steigen Sie doch für die Fahrt zur Arbeit auch aufs Auto um?

Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage. Wobei, das stimmt nicht ganz: Im vergangenen Jahr bin ich tatsächlich zweimal mit dem Auto gefahren. Das ist aber die Ausnahme: Beide Male sind meine Frau und ich danach gleich weiter in die Berge. 2017 haben wir unser Auto etwa 4000 Kilometer bewegt. Meine Frau ist 7000 Kilometer geradelt und ich selbst 27 000 Kilometer.

Wie viel Stunden pro Woche müssen Sie denn durchschnittlich auf dem Radlsattel verbringen, um das zu erreichen?

Ich denke, das dürften so um die 25 Wochenstunden sein. Beim Stadtradeln waren es vielleicht noch einmal zwei Stunden mehr.

Woher nehmen Sie denn die Zeit dafür?

Das ist ja gerade das Schöne: Es kostet gar nicht so viel Zeit. Früher habe ich zwei Stunden pro Tag ferngesehen, jetzt verbringe ich diese Zeit eben auf dem Radl. Mit der S-Bahn dauert es insgesamt zwei Stunden, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Mit dem Radl nur eine Stunde mehr - zeitlich gesehen macht es also gar nicht so viel Unterschied.

Eine letzte Frage drängt sich bei so viel Radlfahren natürlich auf: Wie viele Zentimeter misst denn der Umfang ihrer Oberschenkel?

Ach, der ist überhaupt nicht groß. Radlfahren ist ja eher eine Frage der Ausdauer und das kann man in Muskelmasse nicht richtig messen. Ich bin sogar jemand, der für einen Vielfahrer sehr langsam fährt - ein paar Kollegen von mir lästern darüber immer. Aber ich möchte nicht hetzen, wenn ich auf dem Radl unterwegs bin, sondern lieber die Ruhe genießen und mir ganz gemütlich den Alltagsstress runterradeln.