Markt Schwaben Weniger kann mehr sein

Um Liebe geht es beim ersten Konzert der Reihe "Markt Schwaben Unplugged". Die männlichen Kollegen hören der Singer-Songwriterin Saitenfeder zu.

(Foto: Christian Endt)

Das erste "Markt Schwaben Unplugged"-Konzert

Von Victor Sattler, Markt Schwaben

Mitten im Song riss dem Blues-Sänger B. B. King 1985 bei einem Auftritt eine Gitarrensaite. Legendär ist bis heute, wie er sie lässig auswechselte, während er sang. Am Freitagabend passierte dem Gitarristen Manuel Winhart im Markt Schwabener Theater das Gleiche. In Ermangelung eines Ersatzes spielte er den Song jedoch auf fünf Saiten, aber nicht minder cool zu Ende. Ganz so spartanisch sollten die Künstler allerdings nicht arbeiten müssen, selbst wenn das erklärte Ziel bei "Markt Schwaben Unplugged" der Minimalismus war: Mit nur einem Instrument auf der Bühne, ohne Schnickschnack.

Trotz Reduktion kam die musikalische Vielfalt nicht zu kurz, denn die Interpreten brachten verschiedenste musikalische Einflüsse und Wege zur Musik mit. Die Singer-Songwriterin Saitenfeder hat erst mit 40 zur Gitarre gefunden ("40 Jahr' geh'n dahin, doch wo ist der Sinn?"), während Franz Hermannsgabner bereits seit Jahrzehnten als Cover-Sänger auf Parties und Hochzeiten unterwegs ist. Das Lieblingsthema des gefühls- und textbetonten Abends war das andere Geschlecht. Saitenfeder, die über ihren Traummann nachdachte, zeigte, dass das in der Musik nicht bloß der Männer erklärte Macke ist.

Manuel Winhart erinnerte sich an eine blonde Schwedin, die er im Flieger nach Bali getroffen hatte - "wie alle Songs, die ich heute dabei hab', ein Love-Song", verriet er vorab. Da er sein Instrument, die Gitarre, auch hauptberuflich studiert, beeindruckte er mit technisch glatten Griffen, als Ausgleich zu borkig-rauer Stimme und lockigem Grunge-Haar. Singer-Songwriter Flonoton hingegen brachte eine Theorie mit: "Ich hab' gehört, süße Mädchen weinen oft", lautete deren erste Prämisse zum Mitwippen, "und hab geseh'n, dass du grade weinst", die zweite Prämisse, zum Mitdenken. Flonoton leitete eine Konklusion aus beiden ab: "Klar, die ist süß und flennt/ das muss so sein, wer kennt/diese Regel nicht?" Eine Zäsur mitten in der Zeile, wie hier, fügte er mit einem Luftschnappen in den Text, das ihn Laune versprühend durch den Rest des schneller gereimten als gerappten Popsongs trug. Seine Songauswahl an so einem Abend habe Methode, erklärte Flonoton. In dem von ihm getauften "Balladen-Sandwich" komme zuverlässig nach einem lockeren Lied in der Mitte eine nachdenkliche Scheibe obendrauf.

Ludwig Stadlers Protagonistin war eine Verwandte, aus deren Perspektive er über ihr Leben singt, das sich dem Ende neigte. So ließ er sich am Klavier nieder, sichtlich zu Hause fühlend auf der Markt Schwabener Bühne, und führte mit seiner Anekdote in die Stimmung des Liedes ein. "Ich singe zwar in der Ich-Perspektive, aber nicht dass ihr denkt, da kommt so'n 20-jähriger Hansl und will was vom Leben erzählen", warnt Stadler. Dabei wollte er genau das: Vom Leben erzählen und gleichzeitig eine ernstere Seite von sich, alias "Elles", präsentieren, die in seiner Band Shots vielleicht zu kurz kam; nun zwar "arg theatralisch", wie er sagte, aber dafür persönlich.

Persönlich wurde es zum Schluss auch bei Franz Hermannsgabner, dabei hat der gar nicht selbst getextet, sondern covert Songs. Als Hausmeister des Theaters am Burgerfeld braucht er keinen Künstlernamen wie Elles, Flonoton oder Saitenfeder, um als Charakter im Gedächtnis zu bleiben. Die vielen Anlässe, zu denen er dem Desperado bereits gesteckt hat, dass dieser nicht jünger werde, klangen aus seiner Interpretation des Songs heraus: Mit geerdeter Routine, sauber-englischer Rauchfarbe in der Stimme und mit Begleitung von Thomas Steinbrunner, zwischen Gitarre und Klavier hin- und herflitzend, drückte er einem Song, der im Radio rauf und runter gespielt wurde, seinen eigenen emotionalen Stempel auf.

Steinbrunner war die Kopfplatte, die die Saiten des Abends zusammenhielt. Er gab sich Mühe, Input für Diskussionen zu liefern und hakte nach, ob das Künstlerleben in München und Umgebung nicht hart sei, zum Beispiel im Vergleich zu Berlin? Die Künstler waren sich einig, "mit Berlin kann man es nicht vergleichen", dort würde Kultur ja im Wochenzyklus stattfinden, in München sei es hingegen ein Monatszyklus. Saitenfeder lobte das Markt Schwabener Publikum dafür, wie sehr es seine Künstler unterstützt. Einen "Zyklus" soll es deshalb bald auch hier geben: Das "Markt Schwaben Unplugged" will nach erfolgreichem Start halbjährlich auf die Bühne zurückkehren.