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Markt Schwaben:Platz für Flüchtlinge - vielleicht

Zwischen 100 und 130 Wohnungen sollen gegenüber dem Parkhaus am S-Bahnhof gebaut werden und voll möbliert vermietet werden. Planungsentwurf: Delius Immobilien AG

Der Gemeinderat will ein Boardinghaus am Bahnhof ermöglichen. Darin könnten rund 400 Asylbewerber einziehen

Im Burgerfeld sollen gegenüber dem Parkhaus am Markt Schwabener Bahnhof rund 130 Wohnungen entstehen, in denen auf begrenzte Zeit Firmenmitarbeiter oder Studenten unterkommen können - oder möglicherweise Asylbewerber. Der Gemeinderat hat sich in nicht-öffentlicher Sitzung dafür ausgesprochen, für das 4000 Quadratmeter große Grundstück einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufstellen zu wollen. Bisher ist dort nur der Bau eines Hotels erlaubt.

Die Wohnungen sollen allesamt voll möbliert vermietet werden und der Großteil, voraussichtlich etwa 100 Appartements, kleiner als 50 Quadratmeter sein. Der Aschheimer Investor Adam Delius möchte dort - falls rechtlich möglich - Flüchtlinge unterbringen; er spricht von 400 Personen, die hier Platz finden könnten. "Ich habe für diese Aufgabe einen idealen Standort", sagt er. "Das wäre eine langfristige Einrichtung, in der Leute vorbildlich untergebracht werden könnten." Bei der Ausstattung plane er "keinen Dreier- und keinen Siebener-BMW, sondern einen Fünfer". Soll heißen: Die Wohnungen sollen nicht luxuriös, aber auch nicht zu einfach ausgestattet sein. Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) tritt auf Nachfrage allerdings auf die Euphoriebremse: "Ein Flüchtlingswohnheim lässt der Bebauungsplan heute nicht zu." Bisher sei auf dem Grundstück nur ein Hotel genehmigt. Der Gemeinderat, auch er selbst, habe mit großer Mehrheit dafür gestimmt, das Projekt mit dem Arbeitstitel "Wohnen auf Zeit" auf den Weg bringen zu wollen. Ob dann, wenn die Gebäude erst einmal gebaut sind, eine Unterbringung von Asylbewerbern in den Gebäuden möglich ist, "ist eine andere Sache", sagt Hohmann: "Das muss am Ende auch im Einvernehmen mit der Gemeinde erfolgen."

Ein reines Wohngebiet im Burgerfeld möchte der Gemeinderat nicht. Denn das hätte Folgen für die Infrastruktur, zum Beispiel bei der Zahl der Krippen- und Schulplätze. Darauf hatte auch der Gemeinderat hingewiesen, als Delius seine Pläne in der Sitzung Mitte September präsentierte. In welcher Rechtsform man das Projekt realisieren kann, will die Gemeinde nun mit Delius und anwaltlicher Hilfe erarbeiten. Denkbar wäre ein sogenanntes Boardinghaus. Der Investor möchte nach eigenen Angaben mit dem Bau im Frühjahr 2016 beginnen. Dem Landratsamt habe er das Projekt am Mittwoch vorgestellt, dort stehe man der Idee wohlwollend gegenüber. In der Kreisbehörde hält man derzeit ohnehin Ausschau nach Immobilien, in denen Asylbewerber für längere Zeit untergebracht werden können. Momentan nimmt der Landkreis 41 Flüchtlinge pro Woche auf, bis Ende des Jahres könnten nach derzeitigen Prognosen noch 757 Flüchtlinge zugewiesen werden. Und schon jetzt leben zahlreiche Asylbewerber im Landkreis in Notunterkünften in Turnhallen oder Containern.

In Markt Schwaben sind derzeit etwa 60 Flüchtlinge in Containern am Feuerwehrhaus am Erlberg untergebracht. Weitere vier Frauen sind in einem Wohnhaus untergebracht, auch leben derzeit vier unbegleitete Flüchtlinge in der Gemeinde. In Kürze wird auch die Dreifachturnhalle am Franz-Marc-Gymnasium zu einer Notunterkunft umfunktioniert: Bis zu 180 Menschen können hier dann eine vorübergehende Bleibe finden. Am Dienstag, 6. Oktober, soll um 19.30 Uhr hierzu eine Informationsveranstaltung in der Aula des Gymnasiums stattfinden.

© SZ vom 02.10.2015
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