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Markt Schwaben:Die Hoffnung liegt in der Tiefe

In einigen Bereichen - wie hier an der Herzog-Ludwig-Straße, Ecke Alte Bräuhausgasse - hat die Gemeinde die Fernwärmeleitungen bereits verlegt.

(Foto: Christian Endt)

Viele Möglichkeiten, auf regenerative Energien zu setzen, hat die flächenmäßig kleinste Gemeinde im Landkreis nicht. Derzeit wird mit den Bayernwerken über eine gemeinsame Geothermie-Bohrung verhandelt

Von Isabel Meixner, Markt Schwaben

Das Rathaus ist nun also auch angeschlossen. Neben dem Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt ist es das letzte große Gebäude in diesem Jahr, in das die Fernwärmeleitungen der Gemeinde verlegt worden sind. Wie das Netz in Zukunft beheizt wird, ist noch offen: Derzeit prüft die Gemeinde, ob eine Kooperation mit der Bayernwerk Natur GmbH sinnvoll ist. Gemeinsam könnte eine dritte Geothermie-Bohrung in Poing verwirklicht werden, anstatt dass Markt Schwaben auf eigenes Risiko und eigene Kosten ein solches Projekt ein paar Kilometer weiter östlich alleine stemmt.

Derzeit lässt die Gemeinde Fachgutachten und Wirtschaftlichkeitsberechnungen erstellen und prüft Fördermöglichkeiten. Wenn das geklärt ist, wird der Gemeinderat die endgültige Entscheidung über die Energiequelle treffen. Alternative zur Erdwärme wäre ein Hackschnitzelwerk, das Markt Schwaben zwar nicht so teuer käme, aber auch weniger Gewinn pro Jahr brächte. Bernhard Wagner, Vorstand des Kommunalunternehmens Markt Schwaben (KUMS), rechnet Anfang nächsten Jahres mit einem Votum. Die Geothermie ist für Markt Schwaben nicht nur eine Möglichkeit, auf Dauer eine Einnahmequelle für die Gemeinde zu generieren; sie ist auch eine der wenigen Möglichkeiten, im Ort auf regenerative Energien zurückzugreifen. Rund 15 000 Megawattstunden pro Jahr bei der Wärme kommen in Markt Schwaben aus alternativen Quellen, größtenteils aus Biomasse. Das entspricht knapp neun Prozent des gesamten Verbrauchs, wie aus dem Energienutzungsplan hervorgeht.

Beim Strom sieht es schlechter aus, hier liegt die Gemeinde im Landkreisvergleich auf einem hinteren Platz. Lediglich Oberpframmern, Zorneding und Egmating liegen hinter ihr. Hans Gröbmayr, Klimaschutzmanager im Landratsamt Ebersberg, zeigte sich über diese Zahlen bei der Präsentation in der jüngsten Gemeinderatssitzung aber nicht überrascht: Im Gegensatz etwa zum benachbarten Poing sei Markt Schwaben keine Flächengemeinde, habe also deutlich weniger Möglichkeiten, im großen Stil auf Sonnenenergie oder auf Biomasse zu setzen. Auch Windkraft ist in einer Gemeinde wie Markt Schwaben, die über kaum freie Wiesen verfügt, allein aus Abstandsgründen kein Thema.

Wie aus den Zahlen des Energienutzungsplans hervorgeht, verbrauchen die Gewerbebetriebe 70 Prozent des Stroms und knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Wärme. Für Markt Schwaben heißt das: Dort, wo es bei Betrieben einen hohen Wärmebedarf gibt, könnte es sich lohnen, das Fernwärmenetz auszubauen. Er legte eine Karte vor, die neben den bereits erschlossenen Gebieten rund um das Schulzentrum Flächen im Gewerbegebiet im Westen und nahe dem Bahnhof rot einfärbt. Eine Investition, sagt Gröbmayr, "würde sich hier auf jeden Fall rechnen". Zumindest im Fall des Gewerbegebiets kann die Gemeinde allerdings nicht tätig werden: Nördlich der Bahnlinie ist das Nahwärmenetz von Bayernwerke in Betrieb.

Hans Gröbmayr träumt davon, die Stromnetze wieder in die Hand der Kommunen zu bringen. Sein Ziel ist es, den regenerativen Strom über ein regionales Energieversorgungsunternehmen zu handeln. Auf die mögliche Kooperation Markt Schwabens mit den Bayernwerken bei der Geothermie dürfte das voraussichtlich keine Auswirkungen haben: Zwar stehe das Thema Wärmevertrieb irgendwann einmal auch an, doch "wir denken momentan eher an Strom", räumte Gröbmayr auf Nachfrage von Heinrich Schmitt (CSU) ein. Dieser hatte sich nach einer Kooperation mit der Energieagentur anstelle der Bayernwerke erkundigt.

Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) wies bei der Präsentation des Energienutzungsplans darauf hin, dass das Thema Energiewende im Rathaus derzeit noch ein wenig stiefmütterlich behandelt werden müsse. Es gebe in der Gemeinde niemanden, der sich hauptberuflich um dieses Thema kümmern könne. "Wenn es bis 2030 klappen soll, braucht es einen Energiemanager." In Ebersberg, Kirchseeon, Poing und Vaterstetten gibt es bereits einen hauptamtlichen Energiebeauftragten, Grafing überlegt derzeit, eine solche Stelle einzurichten. "Energiewende nebenbei geht nicht", findet Hohmann. Die Frage nach einer zusätzlichen Stelle wird in den Haushaltsverhandlungen für das kommende Jahr debattiert werden müssen.

© SZ vom 24.11.2015
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