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Laubholzbockkäfer:Kahlschlag in der Quarantänezone

Feldkirchen lässt im Kampf gegen Laubholzbockkäfer Bäume fällen. Auch Weißenfeld ist Teil der Quarantänezone.

Von Markus Hensel und Isabel Meixner

Die Gemeinde Feldkirchen wird mehr als 50 Ahornbäume und Birken auf dem Friedhof fällen, um eine Ausbreitung des asiatischen Laubholzbockkäfers zu verhindern. Bereits in dieser Woche soll eine Firma mit den Fällungen beginnen. Um sicherzugehen, dass wirklich alle Käfer und deren Larven sterben, werden die Bäume anschließend gehäckselt und verbrannt. Feldkirchen ist Teil der Quarantänezone im Münchner Osten, aus der kein Holz mehr geschafft werden darf. Die Zone umfasst auch Weißenfeld, das zur Gemeinde Vaterstetten gehört. Im Landkreis Ebersberg ist der Schädling, dessen Larven über Verpackungsholz aus China eingeführt worden war, allerdings noch nicht nachgewiesen worden.

Bereits Ende März war in der Friedensstraße ein Ahornbaum gefunden worden, der von dem Käfer befallen war. Daraufhin ordnete die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) an, alle Hauptwirtsbaumarten im Umkreis von 100 Metern zu fällen, darunter auch jene Ahornbäume und Birken auf dem Friedhof, unter dessen Rinde der Laubholzbockkäfer bevorzugt nistet. Die Gemeinde wehrte sich gegen den Beschluss und zog vor das Verwaltungsgericht München, die Klage wurde jedoch abgewiesen.

"In Europa sind alle Wissenschaftler der Meinung, dass das Fällen und anschließende Vernichten der Bäume die einzige sichere Methode ist, den Käfer auszurotten", sagte Rechtsanwalt Ulrich Steffen, der die Gemeinde vor dem Verwaltungsgericht vertrat. Würde die Gemeinde Beschwerde gegen den Gerichtsbeschluss einlegen, könnten Geldbußen in Höhe von bis zu 100 000 Euro auf sie zukommen. "Die LfL hat schon jetzt gedroht, ein Zwangsgeld anzuordnen, wenn die Gemeinde weiterhin gegen die Baumfällungen vorgeht", sagte Steffen.

Ein paar Bäume zu schlagen und anschließend auf Käferbefall zu untersuchen, würde nicht reichen, erklärte Klaus Pitterle, Umweltbeauftragter der Gemeinde: "Selbst wenn diese Bäume schädlingsfrei sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die anderen Bäume befallen sind." Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) erklärte, dass man bereits Expertenmeinungen eingeholt habe, immer mit dem selben Ergebnis: "Die verweisen alle auf die Forschung des Julius-Kühn-Instituts." Pitterle fügte hinzu: Es gäbe die Möglichkeit, den Laubholzbockkäfer mit Pheromonfallen zu fange, damit könne man aber nur Weibchen anlocken. "So können wir nur verhindern, dass sich Käfer im gesamten Gemeindegebiet ausbreitet. Ausrotten können wir sie nicht", sagte Pitterle.

© SZ vom 19.05.2014

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