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Kultureinrichtung in Ebersberg:Altes Kino geht neue Wege

Markus Bachmeier will virtuelle Veranstaltungen mit Niveau bieten

Im 28. Jahr seines Bestehens steht das Alte Kino Ebersberg vor der Aufgabe, sich neu zu erfinden. Das Team des Vereins um Geschäftsführer Markus Bachmeier, das die Kleinkunstbühne Altes Kino und den Veranstaltungssaal Alter Speicher betreibt, macht gerade erste Schritte in eine neue Kulturetappe. Diese baut auf den beiden Häusern, ihrer Geschichte, ihren Gästen und Freunden und dem Live-Programm mit Kabarettisten, Kino und Konzerten auf - und muss sich gleichzeitig in den virtuellen Raum verlegen. "Unser Ziel ist der Aufbau eines neuen Standbeins, auch wenn das noch ein weiter Weg ist", sagt Bachmeier. Ihm geht es um mehr als um die Überbrückung der aktuellen Zwangspause, die bisher zur Verlegung oder Absage von mehr als drei Dutzend Veranstaltungen führte. "An Ideen mangelt es nicht", sagt er.

Am Samstag legt Andreas Matuszczyk alias DJ Matu auf.

(Foto: Veranstalter)

Ein erster Versuchsballon wurde am 1. April gestartet. Der Mittwoch ist dem Kino vorbehalten, und das sollte auch im virtuellen Ebersberger Kulturraum so bleiben. Der Kurzfilm "Die Badewanne" war von 19.30 Uhr an von zu Hause aus zu sehen. Für den zweiten Auftritt mit "Ten Meter Tower" sollte dann auch die Einbindung in die Homepage und die Integration einer eilig und eigens produzierten Ansage gelingen. "Die Reaktionen unserer Gäste sind ermutigend", sagt Barbara Lux, die das Kinoprogramm im Alten Kino und auf www.kultur-in-ebersberg.de verantwortet. Perspektivisch soll das virtuelle Kinoprogramm auch Langfilme zeigen. Beim Kino alleine soll es natürlich nicht bleiben. "Wir möchten uns langsam steigern", sagt Geschäftsführer Bachmeier. Als Kabarettist tingelte er mit der hochdekorierten, inzwischen aufgelösten Ebersberger Gruppe Valtorta, nach der die Gasse am Ebersberger Rathaus benannt ist, mit Programmen wie "Dichtheit und Wartung", "Hirnmitte", "Mörd" und "Oberwasser" jahrelang über deutschsprachige Bühnen. Aus dieser Zeit finden sich einige unveröffentlichte Perlen in seinem Archiv. Eine davon will er am Gründonnerstag, 9. April, 19.30 Uhr, unter dem ironischen Titel "Altes Zeugs" live auf der Homepage zeigen. Die Stammgäste aus dem Alten Kino dürfen dann in Erinnerungen an die Valtorta-Premieren im Alten Kino schwelgen, die Jungen das absurd-dadaistische Theaterformat von Alexander Liegl, Martin Pölcher, Marlen Reichert und Markus Bachmeier erstmals kennen lernen.

Ein Wiedersehen mit der Kult-Kabaretttruppe "Valtorta" gibt es an diesem Donnerstag.

(Foto: Veranstalter)

Nach einem Ausflug in die Geschichte der Kleinkunstbühne steht am Karsamstag, 11. April, von 21 Uhr an Spaß für Augen und Ohren auf dem Programm, der alle Ausgangsbeschränkungen vergessen machen soll. Andreas Matuszczyk alias DJ Matu, den viele von Clubabenden im Alten Kino oder Silvesterfesten im Alten Speicher kennen, legt an diesem Abend im Alten Kino auf und bringt in den Wohnzimmern mit seinem Mix aus Elektroswing, Balkanrhythmen, Psychodelic, Hardrock und weichen Melodien faul gewordene Beine zum Tanzen. Ganz ausnahmsweise wird er bei diesem ersten virtuellen Ebersberger Clubabend auch Liedwünsche annehmen - über eine hoffentlich bis dahin installierte Chatfunktion. "Die technische Umsetzung ist kein Problem", sagt Haustechniker Daniel Hitzke, der auch für das Bühnenbild des Abends und die Lichtshow verantwortlich zeichnet. Mit unvorhergesehenen Herausforderungen muss trotzdem immer gerechnet werden - und sei diese auch die Bandbreite des Internetanschlusses. Ein IT-Spezialist arbeitet außerdem an der Erweiterung der Webseite.

Mittwochskino, "Altes Zeugs", Clubabende, Kinderprogramme und Eigenproduktionen - Markus Bachmeier möchte von sofort an wöchentlich virtuelle Veranstaltungen mit Niveau anbieten. Der Eintritt ist frei und soll es vorerst auch bleiben. "Gleichzeitig muss das alles finanzierbar sein", erklärt er. "Wir arbeiten daran, Spenden unkompliziert zu ermöglichen." Nicht nur der Fortbestand der eigenen Häuser, auch die Künstler sind ihm ein Anliegen: "Die sollen für ihre Arbeit ja auch bezahlt werden."

© SZ vom 09.04.2020 / SZ

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