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Kreisklinik Ebersberg:Das Risiko erkennen

Kardiologie Ebersberg, Herzinfarkt, Herz, Infarkt

Das Team der Kardiologie in der Kreisklinik Ebersberg.

(Foto: Alexander Zettl/oh)

Kardiologe Martin Schmidt über Vorsorge gegen und Erstversorgung bei Herzstillstand

Von Sybille Föll, Ebersberg

In Deutschland sterben rund 66 000 Menschen pro Jahr an einem plötzlichen Herztod. Im Interview erklärt Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie in der Kreisklinik Ebersberg, wie man das Risiken erkennen und Maßnahmen dagegen ergreifen kann.

SZ: Herr Schmidt, wie kann es zu einem plötzlichen Herztod kommen?

Martin Schmidt: Die häufigste Ursache sind Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern und die Kammertachykardie. Die Kontraktion des Herzmuskels wird über ein "herzeigenes" Reizleitungssystem gesteuert. Ist das System gestört, etwa durch Narbenbildung nach Schädigung des Herzmuskels, kann sich ein Herzkammereigener Rhythmus mit sehr schnellen Schlägen entwickeln. Die Herzkammer kann nur noch wenig oder gar kein Blut mehr in den Blutkreislauf auswerfen. Wird dies nicht umgehend behandelt, kommt es zum Kammerflimmern und in Folge zum Herzstillstand.

Heißt das, dem Kammerflimmern liegen andere Herzerkrankungen zugrunde?

Ja, meistens. Neben dem Herzinfarkt und der koronaren Herzkrankheit können das auch Erkrankungen des Herzmuskels sein, sogenannte Kardiomyopathien, die zu Veränderungen der Herzmuskelstruktur führen. Bindegewebe wächst ein, es kommt zu einer Herzvergrößerung und Abnahme der Leistungsfähigkeit des Herzens. Erhöhter Blutdruck über viele Jahre kann ebenfalls zu einer Schwächung des Herzmuskels führen. Daneben gibt es jedoch auch bestimmte genetische Erbanlagen, die gefährliche Herzrhythmusstörungen begünstigen.

Wie merken Betroffene, dass ihr Herz nicht in Ordnung ist?

Deutliche Symptome sind Druck in der Brust, Schwindel, Abgeschlagenheit. Bei solchen Anzeichen sollte man sofort den Hausarzt aufsuchen, der dann gegebenenfalls zum kardiologischen Facharzt überweist. In der Kreisklinik können weitere, detaillierte Untersuchungen vorgenommen werden, etwa eine Kernspintomografie, eine Herzkatheteruntersuchung oder auch Biopsien aus der Herzkammer.

Welche Therapie erfolgt bei Kammerflimmern oder-flattern?

Bei nachgewiesen erhöhtem Risiko ist ein implantierter Cardioverter Defibrillator (ICD) der beste Schutz vor einem plötzlichen Herztod. Er erkennt die Rhythmusstörung und beseitigt sie sofort durch einen kleinen Elektroschock, der das Herz wieder in Takt bringt.

Was kann man tun, wenn jemand plötzlich auf der Straße zusammenbricht und keinen Herzschlag mehr hat?

Sofort eine Herzdruckmassage durchführen. Heute wissen wir, dass der Erhalt der Blutzirkulation entscheidend ist. Eine Mund-zu-Mund-Beatmung hingegen wird nicht mehr empfohlen, denn das Blut hat zunächst noch genug Sauerstoff. Ist ein zweiter Helfer vor Ort, muss dieser umgehend über die Notrufnummer 112 einen Notarzt rufen. Befindet sich ein halbautomatischer Defibrillator in der Nähe sollte er durch Dritte so schnell wie möglich aktiviert werden. Grundsätzlich sind die Defibrillatoren leicht anzuwenden, man muss nur genau die Anweisungen befolgen.

Es gibt immer wieder Fälle eines plötzlichen Herztodes beim Sport. Sollten Risikopatienten auf Sport verzichten?

Nein, im Gegenteil! Aktuelle Studien bestätigen, dass moderate Bewegung das Risiko für Herzerkrankungen senkt. Moderat heißt, regelmäßig Ausdauersport treiben, etwa Radfahren, Schwimmen, Joggen oder Walken, ohne hohe Belastung. Lieber fünf Mal pro Woche 20 Minuten als einmal drei Stunden. Wer sicher gehen will, sollte sich vor Beginn des Trainings vom Kardiologen untersuchen lassen. Er misst auf einem Ergometer Herzfrequenz und Blutdruck und kann dann eine Empfehlung für die Dauer und Intensität des Trainings geben.

© SZ vom 21.02.2020
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