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Kommunalwahl in Grafing:Einstimmig für Christian Bauer

"Zwischen Tradition und Fortschritt" solle sich Grafing entwickeln, sagt der CSU-Bürgermeisterkandidat.

(Foto: Christian Endt)

Der Bürgermeisterkandidat der CSU Grafing nennt als Hauptthemen Klimaschutz, Kinderbetreuung und Gewerbeansiedlung

Eine wirkliche Überraschung ist das Ergebnis am späten Freitagabend im "Kastenwirt" nicht: Mit der hundertprozentigen Zustimmung der 77 anwesenden CSU-Mitglieder aus Grafing wird Christian Bauer bei der Bürgermeister-Wahl im März 2020 unter anderem gegen seine jetzige Dienstvorgesetzte und aktuelle Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) antreten.

Das während der Auszählung aufgestellte Plakat verkündet: "Christian wählen. Bürgernah, kompetent, sympathisch", ein Slogan, der am vergangenen Freitag weniger Überzeugungsarbeit leisten muss als vermutlich bei der kommenden Wahl. Denn Unterstützung wird ihm von allen Seiten der Grafinger CSU ausgesprochen. Neben Elli Huber von der Frauen-Union, Johann Gschwendtner von der Jungen Union und Rainer Poßmann stellvertretend für die Seniorenunion zeigt nicht zuletzt der Grafinger CSU-Vorsitzende Florian Wieser in einer kurzen Ansprache hellauf Begeisterung für den Beamten. Und der stellvertretende Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz verkündet: "Wir brauchen jetzt ein klares Signal." Es sei längst nicht mehr selbstverständlich, dass ein CSU-Kandidat zum Bürgermeister gewählt werde: "Wir müssen klar machen, dass die CSU die besten Konzepte für Grafing hat."

Auf seine Vorstellungen für Grafing in der Zukunft und seine eigene Rolle dabei geht Bauer an diesem Abend noch einmal ausführlich ein. "Zwischen Tradition und Fortschritt" solle Grafing sich entwickeln, und diese Aufgabe wolle er als "Kandidat aus der Verwaltung heraus" bewältigen. Als Paradebeispiel führt er den anstehenden Wahlkampf zwischen Kristina Frank von der Münchner CSU und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) an. Auch sie arbeite in der Verwaltung. Die Kandidatur zum Bürgermeister sehe er "als weiteren Schritt", der dank "größter Kenntnis in vielen Bereichen" und langjähriger Erfahrung zu meistern sei.

Neben seinen politischen Fähigkeiten und Engagement gibt der als "bürgernah" gepriesene Kandidat auch Einblicke in sein Privatleben, das sich "vom Süden zum Studium ganz in den Norden von Bayern" zieht und von sportlicher Begeisterung für Fußball und Radeln geprägt ist. So sei das Radeln neben dem Beruf eine Gemeinsamkeit mit dem ehemaligen Stadtkämmerer und seinem Vorgänger Paul Brandlmeier. Spannt man den Bogen zum Klimaschutz weiter, so landet man bei einem zentralen Anliegen auf Bauers Agenda. Sowohl der Vertrag, 100 Prozent Ökostrom zu beziehen, als auch die Bemühungen, Gebäude CO2-neutral mit Wärme zu versorgen, seien auch auf sein Engagement zurückzuführen, sagt der Kandidat. Zudem betreue er die Photovoltaik-Anlagen auf dem Bauhof sowie auf der Kläranlage. Anders als Teile des Münchner Umlands solle der Landkreis Ebersberg und somit auch Grafing weiterhin naturnah bleiben, unterstreicht er.

Ein weiteres Anliegen ist Bauer nach eigenen Angaben die Kinderbetreuung, mit der es für seinen Geschmack schneller vorangehen müsste. Insbesondere das Kinderhaus in der Forellenstraße sei hier kein positives Beispiel: "Jetzt haben wir das Jahr 2019 und gerade eben haben wir die Planungsleistungen vergeben", merkt er an. Dieser zeitliche Rückstand beweise, dass Themen wie diese "nicht auf die lange Bank" geschoben werden dürften. So konnten rund 100 Kinder nicht untergebracht werden und Container für die Betreuung müssten dauerhaft in Anspruch genommen werden.

Eng damit verknüpft ist Thema Nummer drei, der bezahlbare Wohnraum, eine Herausforderung, die nicht nur Grafing interessieren dürfte. Mittlerweile befänden sich nur noch 50 Wohnungen im städtischen Bestand, wobei ansässige Familie zum Teil außen vor blieben. Aus diesem Grund fordert Bauer: "Die Grafinger, die in Grafing bleiben wollen, sollen auch die Möglichkeiten dazu haben." Um die zahlreichen weiteren Anliegen wie die Sicherung der Tragfähigkeit des Eishallendachs, den Nachholbedarf bei Fahrradwegen und Barrierefreiheit und die Sanierung der Stadthalle als "identitätsstiftende Einrichtung" zu bewältigen, gilt bei ihm folgende Strategie: "Erst die Pflichtaufgaben." So soll vermieden werden "Projekte anzufangen und nicht zu Ende zu bringen".

Weiter will Bauer hinsichtlich der Überschreitung der 30-Millionen-Schuldenmarke in Grafing auf langfristiges Planen setzen und Gewerbe ansiedeln, um "Einnahmen zu verbessern und die Infrastruktur ausbauen zu können". Dies sei dringlich, sagt er: "Wir müssen uns jetzt um neue Gewerbeflächen kümmern, sonst laufen wir immer hinterher." Gleichzeitig will er "Wachstum in vernünftigem Maß", die bisherigen 0,5 Prozent Zuwachs pro Jahr sollte nicht überschritten werden.

Seinen Streifzug durch sein durchaus ehrgeiziges Programm beendet Bauer mit einem Ausspruch von John F. Kennedy: "Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir?" Ein Zitat, das mit Blick auf die letzte Frage spannend werden könnte.

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