bedeckt München

Kommentar:Erfolgreich schwimmen

Einfach nur ein Gründerzentrum hinzustellen, damit ist es nicht getan. Wichtig ist die Vernetzung der Co-Worker mit der Wirtschaft drumherum. Dabei kommt auch der Politik eine Rolle zu

Von Thorsten Rienth

Gründerzentren und Schwimmbad-Beckenränder haben mehr gemeinsam, als es scheint: Beide sind ein guter Ort zum Losschwimmen und, wenn es denn mal sein muss, um sich daran festzuhalten. Aber ins kalte Wasser muss schon jeder selbst springen. Wenn man so will, dann haben die Grafingerinnen Lisa Lohoff und Gaby Köhler gerade die Zeichnung für das Schwimmbecken erstellt, den Business-Plan für ein Grafinger Gründer-Co-Working-Zentrum.

In den Zeitgeist passt das. Großstädte sind voll von Acceleratoren und Inkubatoren, von Gründer-Communities und Clustern, von Hubs und Hotspots. Auch, weil selbst zu gründen zunehmend zur Karriereoption wird. Laptop und 5G, "Teams" und "Zoom" bringen Angebot und Nachfrage zusammen, weltweit, rund um die Uhr. Für junge Leute mit Hummeln im Hintern und ausreichend Selbstbewusstsein ist das eine echte Alternative zu so manch verkrusteter Konzernstruktur oder dem öffentlichen Dienst.

Leute, die schon längst im Co-Working-hippen Berlin, Stockholm oder Basel sind, wird die "Zam working"-Initiative kaum zurückholen. Selbst München hat damit seine Schwierigkeiten. Im Gegenzug haben die Grafinger aber die Chance, ein lokales Co-Working auf lokale Bedarfe hin auszurichten - und so womöglich eine Blaupause zu erarbeiten, an denen sich andere Mittelzentren orientieren können.

Einfach nur ein Gründerzentrum hinzustellen, damit ist es nicht getan. Wichtig ist die Vernetzung der Gründer, Co-Worker und Teams mit der Wirtschaft drumherum und ein guter Draht zu den lokalen und regionalen Bildungseinrichtungen. Beides sind Punkte, an dem die Lokalpolitik ins Spiel kommt. Als Gesellschafter einer Betreiber-GmbH. Als jemand, der vielleicht ein Gebäude beisteuert, das halb leer steht. Als jemand, der Kontakte in die lokale Wirtschaft herstellt. Vom Operativen möge die Politik aber die Finger lassen. Um im Bild zu bleiben: Mitzuschwimmen braucht sie nicht. Aber als Bademeister ist sie wichtig.

© SZ vom 14.11.2020
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