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Klimaschutz-Manager:Nachhaltige Arbeit

Vaterstettens Gemeinderat will die befristete Stelle von Klimaschutz-Manager Tobias Aschwer verlängern. Sonst würde das Arbeitsverhältnis nach insgesamt drei Jahren im Februar 2018 enden

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Eigentlich ist Tobias Aschwers Zeit in Vaterstetten schon halb vorbei. Anfang 2015 trat er seine Stelle als Klimaschutzmanager der Großgemeinde an, da die Fördermittel dafür nur drei Jahre laufen, wäre im Februar 2018 Schluss. Wenn es nach dem Umweltausschuss des Gemeinderates geht, soll Aschwer Vaterstetten aber auch darüber hinaus erhalten bleiben. Die Fraktionen von CSU, SPD und Grünen beantragten nun gemeinsam eine Verlängerung der Stelle. Dazu soll im Finanzausschuss geklärt werden, welche Möglichkeiten der Anschluss-Förderung die Gemeinde Vaterstetten dazu bekommen kann.

"Wir haben einen sehr guten Klimaschutzmanager", lobte Sepp Mittermeier (SPD) die von Aschwer in den vergangenen eineinhalb Jahren geleistete Arbeit. Die bevorstehenden Aufgaben seien aber sicher nicht in einer dreijährigen Amtszeit zu erledigen, so Mittermeier weiter, weshalb sich die drei größten Gemeinderatsfraktionen für eine Verlängerung ausgesprochen hätten. Eine Idee, die auch bei Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) Anklang fand: Der Klimaschutz sei "ein sehr breites Betätigungsfeld", dem sich Aschwer sehr gut widme und es nach Möglichkeit auch weiter tun solle, "da kann man nicht so einfach darauf verzichten." Die einzige Gegenstimme zu dem Antrag kam von Manfred Schmidt (FBU/AfD), allerdings, wie dieser betonte, nicht aus inhaltlichen, sondern aus formalen Gründen: Er sei von dem Antrag überrascht worden und hätte gerne noch etwas mehr Zeit für die Entscheidung gehabt. Einer Vertagung, wie von Schmidt angeregt, wollte das Gremium aber nicht zustimmen. Denn, wie Umweltamtsleiter Wolfgang Kuhn erklärte, solle man die neuen Fördermittel möglichst ein Jahr vor Auslaufen der derzeitigen beantragen. Die nächste Sitzung des Umweltausschusses findet allerdings erst wieder in einem halben Jahr, und damit zu spät, statt.

Aschwer gab den Gemeinderäten auch einen Überblick, was im Bereich Klimaschutz in den vergangenen 18 Monaten passiert ist und was noch alles auf der Agenda steht. So will man möglichst noch Anfang kommenden Jahres mit dem Energiemanagement der kommunalen Liegenschaften beginnen. Dabei geht es um den Einbau so genannter "Smart-Meter", die in Echtzeit den Strom- und Wärmeverbrauch aufzeichnen und analysieren. Die Idee dahinter ist es, den Energiebedarf möglichst genau zu ermitteln, die Anlagen daran anzupassen und so Heiz- und Stromkosten zu sparen. Zusammen mit der Energieagentur des Landkreises hat man nun einen Anbieter für dieses System gefunden. In drei kommunale Gebäude - die Parsdorfer Grundschule, den Luise-Bayerlein-Kindergarten und das Sportzentrum - sollen im Frühjahr 2017 die ersten Smart-Meter installiert werden.

Bereits begonnen wurde mit dem Ausbau des Nahwärmenetzes durch das Kommunalunternehmen, die neue Heizzentrale am Sportplatz ist weitgehend fertig, eine Biogasanlage speist seit Kurzem ihre Abwärme ins Netz ein. Dieses soll in den kommenden Jahren weiter wachsen, nächste Schritte sind etwa der Anschluss des Sportzentrums und des Offenen Hauses der Awo an das Nahwärmenetz. Aber auch Privatleute sollen als Kunden geworben werden, dazu berät Aschwer Hausbesitzer über das Angebot und den Zeitpunkt wann die Nahwärme bei ihnen zur Verfügung steht, dieses werde gut angenommen.

Auch die Informationsarbeit ist Teil der Aufgaben des Klimaschutzmanagers. So gibt es im Gemeindeblatt regelmäßige Artikel zum Thema Energiewende, Hinweise auf Veranstaltungen oder auch zu Förderprogrammen. Seit dem vergangenen Jahr steht die Energiewende auch auf dem Stundenplan der Schulen in Parsdorf und an der Wendelsteinstraße. Im kommenden Jahr soll dieses Angebot ausgebaut werden, auch eine "Energiestunde" im Kindergarten soll es bald geben.

Natürlich stehen auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien und das Energiesparen auf der Vaterstettener Agenda. So berät Aschwer Bürger, die sich über den Einbau von Photovoltaikanlagen in ihre Häuser oder über Fördermittel bei Wärmedämmung informieren wollen. Zudem gibt es Gespräche mit der Autobahndirektion über eine Bestückung der Lärmschutzwände und -wälle mit Solarmodulen. Die Gemeinde wird außerdem in den kommenden Jahren ihre Straßenbeleuchtung nach und nach auf energiesparende LED-Technik umstellen.

Ein weiteres Projekt der kommenden Jahre ist der Ausbau des Car-Sharing-Angebotes. Aktuell gebe es Überlegungen für ein gemeinsames Projekt der Autoteiler mit den Bauträgern im geplanten Wohngebiet Nord und Nordwest. Letztere könnten den Autoteilern neue Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Deren Standort wäre natürlich im neuen Ortsteil, etwa an einer "Mobilitätsstation", einer Kombination aus Autoteiler-Parkplatz, Bushaltestelle und Fahrradstellplatz.

© SZ vom 26.10.2016

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