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Kirchseeon:Entscheidung über Ganztagsschule

Gemeinderat stimmt über Pilotprojekt ab, das nicht allen Eltern gelegen kommt

Was Bürgermeister Udo Ockel (CSU) in dieser Woche verkündete, dürfte viele Eltern freuen: Jeder, der einen Betreuungsplatz für sein Kind an der Grundschule Kirchseeon beantragt hat, werde diesen auch bekommen. "Am ersten Schultag wird jedes Kind einen Platz haben", versprach der Bürgermeister. Bisher war diese Frage offen. Was Ockel außerdem ankündigte, spaltet jedoch die Gemüter der Eltern. Die Grundschule in Kirchseeon soll zu einer offenen Ganztagsschule umgewandelt werden. Ein Teil der Eltern findet das gut. Andere würden lieber alles beim Alten lassen.

Wie so oft dreht es sich vor allem ums Geld. Denn würde die Grundschule in eine offene Ganztagsschule umgewandelt werden, würde die darin enthaltene Betreuung der Kinder die Eltern nichts mehr kosten. Bezahlen müsste die Betreuung dann die Gemeinde und der Freistaat. Und sollte es dazu kommen, sei die Mittagsbetreuung, wie es sie bisher gab, Geschichte, sagte Ockel. Lediglich der Träger, die Nachbarschafthilfe Kirchseeon, würde beibehalten werden. Was aber einige Eltern stört, ist, dass die Kinder in der Betreuungszeit verpflichtend anwesend sein müssten. Vereinfacht gesagt: Den Eltern steht es bei der offenen Ganztagsgrundschule frei, ihre Kinder für eine Betreuung am Nachmittag anzumelden. Nur wenn sie es tun, muss das Kind zur Betreuungszeit erscheinen und bis zum Ende bleiben. Eine berufstätige Mutter, die anonym bleiben möchte, moniert, dass es vor allem die wohlhabenden Eltern wären, die die Ganztagsschule ablehnen. Ihr Argument sei, dass sie ihre Flexibilität verlieren würden. Anders ausgedrückt, dass sie an feste Zeiten gebunden seien. Die Mehrheit der Eltern sei aus Sicht der Mutter für das neue Konzept. Und weiter: Einige Mütter würden nicht oder nur halbtags arbeiten und anderen Familien, in denen beide Elternteile Vollzeit arbeiten, den Betreuungsplatz wegnehmen.

"Bisher war die Betreuung sehr flexibel", bestätigte Udo Ockel. Man habe die Kinder bis zu diesem Schuljahr zu jeder Zeit aus der Betreuung abholen können. Würde die offene Ganztagsschule kommen, "geht diese Flexibilität verloren". Die Eltern hätten aber die Möglichkeit, die Betreuungszeit zu bestimmen, beispielsweise ob die Sprösslinge bis 14 oder 16 Uhr fest in der Ganztagsschule sind. Bis zu dieser Zeit "müssen" sie jedoch auch in der Betreuung anwesend sein. Zusätzlich, und das könnte wiederum besorgte Eltern beruhigen, gibt es die Option, für die Kinder nach 14 oder 16 Uhr eine erneute und zusätzliche Betreuung zu buchen. In dieser Zeit kann dann, so wie früher, das Kind jederzeit abholt werden. Diese Zusatzbetreuung müssen die Eltern jedoch wiederum selbst bezahlen.

Noch ist die Umwandlung der Grundschule in eine Ganztagsschule nicht beschlossen. Das Pilotprojekt des Freistaats liegt seit einigen Jahren auf dem Tisch und die Gemeinde Kirchseeon hat sich für das Projekt beworben. Jetzt kam der Zuschlag. "Leider erst kurz vor Pfingsten", wie Udo Ockel sagte. "Das war sehr überraschend". Man habe wenig Zeit gehabt, um auf die Zusage des Kultusministeriums zu reagieren und die mögliche Umstellung zu planen. Die Eltern erfuhren am vergangenen Donnerstag bei einer Informationsveranstaltung von dem Vorhaben. Ob das Politprojekt Ganztagsschule eingeführt wird, wird der Gemeinderat am Montag in seiner Sitzung entscheiden. Udo Ockel hat bereits eine klare Meinung: "Ich bin für die Einführung der Ganztagsschule." Denn der Nachteil der verlorenen Flexibilität der Eltern wiege weniger, als der Vorteil der Finanzierung, ist der CSU-Politiker überzeugt. Die Eltern würden sich mit dem neuen Schulkonzept im Jahr 150 000 Euro sparen, die sie für die Betreuung ihres Nachwuchses bisher zahlen mussten. Die Gemeinde indes müsste draufzahlen: Rund 30 000 Euro würde die Ganztagsschule die Gemeinde im Jahr mehr kosten. Ockel sagte, dass es eine Entlastung für die Eltern sei und deshalb gerne in Kauf genommen werde.

So manchen Eltern passt das Vorhaben der Gemeinde jedoch keineswegs, sie appellieren, dass alles beim Alten bleiben solle. Lieber wollten sie die wöchentliche Betreuungszeit selber zahlen und könnten im Gegenzug ihr Kind jederzeit und flexibel abholen. Für andere Eltern sind die Kosten kaum zu schultern. Bis zu 95 Euro kann die Betreuung im Monat kosten. Deshalb seien auch einige Anmeldungen für die Betreuung im kommenden Schuljahr nur eingegangen, weil diese ab Herbst vielleicht kostenlos sein könnte, sagte Udo Ockel.

Dass es in den vergangen Wochen zu Unstimmigkeiten zwischen der Gemeinde und einigen Eltern kam, hatte jedoch nicht nur mit der geplanten Ganztagsschule zu tun. Für miese Stimmung sorgte auch, dass einige Kinder generell keinen Betreuungsplatz für das kommende Schuljahr erhalten hätten. Laut Informationen von Bürgermeister Udo Ockel seien es bis zu acht Kinder gewesen. Das Kernargument für die Ablehnung sei, "dass wir einfach keinen Platz haben", sagte Ockel. Doch arbeiten Nachbarschaftshilfe und Schule mittlerweile gemeinsam an einer Lösung. Maria Wollny, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe bestätigte zwar, dass wohl alles gut ausgehen würde. Aber noch sei die Raumfrage für eine zusätzliche Gruppe zu klären. Erst dann könnten die restlichen, bisher abgelehnten Kinder, aufgenommen werden. "Bisher sind aber immer alle untergekommen", sagte sie.

Schwierig sei es natürlich für die Eltern zu planen, wenn sie nicht wissen, ob ihr Kind in Zukunft einen Platz bekommt, gesteht Ockel ein. Er betont aber auch: "Wir sind kein Lego-Land. Wir können nicht einfach einen Raum her zaubern." Natürlich wolle man es jedem Recht machen, aber die Kapazitäten seien nun einmal begrenzt. Zudem sei die Mittagsbetreuung ein freiwilliges Entgegenkommen der Gemeinde. Wie es mit der Grundschule und der Schülerbetreuung letztendlich weitergeht, wird am Montagabend im Rathaus beschlossen.