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Kirchenkonzert in Vaterstetten:Zu Ehren Gottes und der Polyfonie

A Capella Petrikirche

Eckhard Meißner, Jens Nave, Yukiko Nave und Gabriele Meißner singen zum Auftakt der Konzertreihe "Cantate domino" in Baldham.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das Ensemble "voicensation!" verneigt sich vor der Kunst des vielstimmigen Gesangs

"Cantate Domino" hat das Vokalensemble voicensation! seine kleine Reihe von Konzerten überschrieben, die es nach der Premiere am Samstag in der Petrikirche in Baldham demnächst auch nach Kirchheim und Grafing führen wird. "Cantate Domino" ist auch der Titel eines Liedes von Leonhard Lechner, der, wie die meisten Komponisten des Abends, im 16. und 17. Jahrhundert gewirkt hat. Sie alle zeichnet eine Begeisterung für die Polyfonie aus - und eine beeindruckende Könnerschaft in der Umsetzung der anspruchsvollen Klangraum-Architektur. Das Quartett aus Gabriele Meißner (Sopran), Yukiko Nave (Alt), Jens Nave (Tenor) und Eckhard Meißner (Bass) hat schon in der Vergangenheit immer wieder erkennen lassen, dass es diese Begeisterung teilt, nicht zuletzt bei Konzerten ihrer musikalischen Heimat, des a capella!-Chores.

Mit einem sehr originellen Programm-Aufbau gelingt es dem Ensemble, die unterschiedlichen Charaktere der Komponisten und ihrer Werke herauszuarbeiten, die sie vortragen. Das Gerüst des Konzerts bilden die fünf Gesänge aus der Missa "l'homme armé" von Giovanni Palestrina: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei. In den Hör-Raum, den sie bereiten, fügt voicensation! einzelne Lieder ein, die Brücken bauen zwischen den Themen und Epochen. Zwei englische Stücke zunächst, dann ein doppelter Heinrich Schütz, gefolgt von einer spannenden Kombination dreier sehr melodiebetonter Weisen: Lechners Titelmusik, dann das moderne "Ubi Caritas" von Ola Gjeilo und das ebenfalls zeitgenössische, eindringliche "Nôtre Père" von Maurice Duruflé. Dann folgt wieder ein doppelter Schütz und abschließend zwei unaufgeregte Spirituals aus dem 20. Jahrhundert.

Eine sehr farbenfrohe Mischung, die dem Können der Sängerinnen und Sänger und ihrer Wandlungsfähigkeit auf den Zahn fühlt. Sie meistern die Herausforderung gut - und dies, obwohl die Palestrina-Melodien ihnen zeitweise auch Grenzen aufzeigen. Zweimal müssen sie neu ansetzen, weil ihnen winzige Momente der Unachtsamkeit unterlaufen sind, weil das engverflochtene Miteinander der Stimmen es nicht verzeiht, wenn einer mal einen Gedanken lang zu sehr bei sich ist und zuwenig bei den anderen. Dass sich das Quartett dadurch nicht irritieren lässt und gekonnt das Begonnene fortsetzt, spricht für seine Qualität.

Die vier Schütz-Lieder sind einer besonderen Erwähnung wert, fügen sie sich doch wie Kirchenfenster in den Vokalbau dieses Abends ein. In wechselnden Kombinationen finden sich hier die Ensemblemitglieder zusammen, um in reduzierter Polyfonie, dafür aber mit mehr Gewicht auf die einzelnen Stimmen den "Gesang zur Ehre Gottes" erklingen zu lassen. Nicht nur wegen des Kontrasts zu den umgebenden Programmpunkten wirken diese Lieder noch eindringlicher auf die Gefühle des Publikums, sondern auch dank einer sehr einfühlsamen und unaufdringlichen Begleitung durch Knut Meißner an der Orgel.

Mit einer Telemann-Sonate für Orgel und Altblockflöte, konzertiert in eleganter, fast tänzerischer Leichtigkeit, erhielt das Konzert in seiner Mitte eine Verdauungshilfe. Ähnlich wie die Ingwerblättchen zwischen verschiedenen Sushi-Sorten den Gaumen reinigen, machten die drei Sätze den Gehörgang und die Aufnahmefähigkeit des Publikums wieder frei für die anspruchsvollen filigranen Polyfonien im folgenden Gesang. Eckhard Meißner erweist sich tonangebend auch auf der Flöte, ohne zu dominieren, eher wie ein zusätzliches Register der Orgel, das Weißer wiederum behutsam und feingliedrig in sein Spiel einbettet.

Nicht unumstritten kann die Artikulation des Ensembles sein. Die vier haben sich weitgehend für die italienisierte Aussprache lateinischer Worte entschieden, die - ausgehend von der englischsprachigen Welt - rund um den Globus grassiert. Da bekommt man dann ein "Gloria atschimus" zu hören, ein "Hosanna in ektschelsis" oder ein "dona nobis pahtschem". Das mag beim Singen geschmeidiger daherkommen als die harten Konsonanten von "agimus", "excelsis" und "pacem", beim Zuhören jedoch führt es zu lästigen Brüchen in der geradlinigen Architektur von Sprache und Melodie.

Es wäre sicher die Mühe wert, daran zu arbeiten. Das Publikum im leider nur zu einem Drittel gefüllten Gotteshaus hat sich dadurch indes nicht von einem großzügigen und beherzten Applaus abhalten lassen.

Weitere Auftritte von voicensation! mit dem Programm "Cantate Domino" gibt es am 25. Januar in der Cantatekirche in Kirchheim und am 8. Februar in der Auferstehungskirche Grafing. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

© SZ vom 20.01.2020
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