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Kinderbetreuung in Grafing:Erziehung unter Bäumen

Bau von Grafinger Waldhort bei Neudichau beschlossen

Von Thorsten Rienth, Grafing

Der zweite Grafinger Hort ist seit der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses beschlossene Sache. Entstehen soll er jedoch nicht mehr zwischen Grafing und Nettelkofen. Sondern auf einem Waldgrundstück bei Neudichau. Am pädagogischen Konzept ändert das allerdings nichts. Es soll ein Waldhort werden. Der, so hatten die Grünen in ihrem Antrag argumentiert, lasse sich zum einen mit vergleichsweise geringem Aufwand und sehr schnell einrichten. Außerdem kämen die niedrigen Betriebskosten der wohl längerfristig angespannten Haushaltslage der Stadt entgegen.

Auch aus Perspektive des Rathauses mache eine solche Einrichtung Sinn, stellte Marietta Ernst aus der Stadtverwaltung in der Ausschusssitzung klar: "Die Bedarfe steigen wieder, gerade auch im Hinblick auf längere Betreuungszeiten bis weit in den Nachmittag hinein." Genauso würde bei den Eltern die Nachfrage für Waldpädagogik zunehmen. "Da spüren wir ganz klar eine Entwicklung zurück zur Natur." Ergo: Neben den zusätzlichen Hortplätzen spielt auch ein verbreitertes Angebot mit ins Kalkül.

Nach dem grundsätzlichen Ausschussvotum für einen zweiten Hort im März hatte die Stadt zunächst das "Wäldchen" bekannte Areal zwischen Grafing und Nettelkofen als Standort präferiert. Doch die Option zerschlug sich.

Das neue Gelände, um das es nun geht, liegt aus Grafinger Sicht kurz vor Neudichau und dort nördlich der Kreisstraße EBE 9. "Da gibt's einen alten Waldbestand mit einer Lichtung", erläuterte Ernst. "Der Waldbesitzer hat zugestimmt, der Pachtvertrag ist auf dem Weg. Wir gehen davon aus, dass es dieses Waldstück werden wird." Träger soll der Socius e.V. aus Rosenheim werden.

Natürlich: Es gibt geeignetere Grundstücke. Das Neudichauer Areal sei an sich sehr schön, sagten etwa CSU-Stadträtin Susanne Linhart und Veronika Oswald (Freie Wähler). Ungut ist aus ihrer Sicht jedoch, das wegen dem Weg über die "EBE 9" nur eher weniger Kinder mit dem Fahrrad in ihre Nachmittagsbetreuung fahren würden. "Es ist nicht so, dass wir eine freie Standortwahl hätten", antwortete Ernst. "Es ist alles nicht so leicht, wie man auf den ersten Blick meint. Wir können, Stichwort Rettungswege, auch nicht einfach irgendwo auf eine Waldlichtung." Wasserschutzgebiete, derer es um Grafing einige gibt, sind für Waldkitas ebenfalls tabu. Am Rande der Sitzung war zu hören, dass ein näher an der Grundschule gelegenes Grundstück nach Bedenken von Jägern wieder verworfen worden sei.

Der Neudichauer Hort wird also wohl, ähnlich wie bei den Grafinger Kindern, die in den Ebersberger Waldhort gehen, einen Bustransfer bekommen. "In den Hort in der Wasserburger Straße werden auch viele Kinder mit dem Auto abgeholt", relativierte Grünen-Stadträtin Ottilie Eberl. "Das finde ich nicht gut, aber es ist halt leider die Realität."

Gegenstimmen gab es bei der Abstimmung keine. Doch anders als ursprünglich erhofft wird der Hort nicht schon im Herbst öffnen, sondern erst zum Schuljahr 2022/23. "Die Bauwagen haben inzwischen einfach eine echt lange Lieferzeit", erklärte Bürgermeister Christian Bauer (CSU).

© SZ vom 18.06.2021
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