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Karl-Sittler-Grundschule Poing:Party in der Lehr-Küche

Seit einem halben Jahr ist das neue Gebäude der Karl-Sittler-Grundschule in Poing mit Leben gefüllt. Rektorin Verena Heigl zieht eine positive Zwischenbilanz, die Räumlichkeiten sind sogar Corona-konform

Von Johanna Feckl, Poing

Verena Heigl nennt den Raum das Herzstück der Schule. Warum? "Es heißt nicht umsonst, dass die besten Partys in der Küche stattfinden", sagt die Schulleiterin der Karl-Sittler-Grundschule in Poing. Die 38-Jährige spricht aber nicht von einer verrauchten Küche auf einer prä-Corona-WG-Party, in der die fortschreitende Uhrzeit nach und nach alle Gäste aus jeden der übrigen Räume magisch anzusaugen scheint. Heigls Herzstück ist die Lehr-Küche ihrer Grundschule. Freilich gehört die Schule nicht der Rektorin, aber in diesem Fall ist die Zuschreibung "ihre Grundschule" irgendwie trotzdem richtig: Gut zwei Jahre wurde das Gebäude hinter dem Poinger Rathaus an der Karl-Sittler-Straße gebaut und einige Entscheidungen von Schulleiterin Heigl finden sich nun für alle sichtbar in dem Gebäude verewigt - so etwa die hellgrauen Vorhänge in den Klassenzimmern, der blau-grau gesprenkelte Fußboden oder die nachträglich vergrößerte Lehrer-Lounge. Gut ein halbes Jahr nach dem Einzug in das neue Schulhaus ist es Zeit für das erste Zwischenzeugnis: Wie ist das Schulleben dort angelaufen?

In der Lehr-Küche können auch die ganz Kleinen kochen - ausziehbare Stufen sei Dank.

(Foto: Christian Endt)

"Wir sind alle sehr zufrieden und glücklich mit unserer neuen Schule", sagt Verena Heigl. Es ist ein Montagnachmittag, die Plieningerin sitzt an ihrem Schreibtisch in ihrem Büro im ersten Stock. Das wurde auch Zeit: Seit September 2017 waren die Schülerinnen und Schüler der zwölf Grundschul-Klassen sowie die übrige Schulfamilie ausquartiert - das alte Schulgebäude wurde nach 50 Jahren Betrieb abgerissen. Der Unterricht fand bis zum Ende des vergangenen Schuljahres in den Räumen der Bergfeld-Grundschule satt, neun von elf Klassen der Bergfeldschule waren während dieser Zeit in den Räumen von Kinderland Plus und Familienzentrum an der Gebrüder-Grimm-Straße ausgelagert.

Ursprünglich sollte der Neubau der Karl-Sittler-Schule mit dem Schuljahr 2019/2020 eröffnet werden. Wegen Verzögerungen am Bau ging dieser Plan jedoch nicht auf: Erst stellte sich die Entsorgung der Altlasten des Vorgängerbaus als schwieriger heraus als gedacht, anschließend verzögerten Wassereinbrüche in der Baugrube das Vorhaben. So wurde es nun der September 2021, als das Gebäude zum ersten Mal mit 256 Schulkindern, 25 Lehrkräften und einer Schulsozialpädagogin gefüllt war.

Schulleiterin Verena Heigl freut sich darüber, mit einem Jahr Verspätung nun im eigenen Schulhaus zu sein.

(Foto: Christian Endt)

Verena Heigls Führung durch die neue Schule beginnt ziemlich genau über ihrem Büro, im südlichen Flügel im ersten Stock. Dort sind die vierten Klassen untergebracht - das Cluster vier, wie Heigl sagt. Das gesamte Gebäude ist nach einem Cluster-Prinzip aufgebaut: Alle drei Klassen einer jeden Jahrgangsstufe bilden ein eigenes Cluster - im ersten Cluster sind Stühle und Wände orange, im zweiten grün, im dritten gelb und im vierten blau. Jedes dieser Cluster besteht aus drei Klassenzimmern, einem Gruppenraum und einem kleinen Zimmer für die Lehrkräfte zur Unterrichtsvorbereitung. Verbunden sind die Räume eines Clusters durch einen üppigen Flur. "Viel Platz zum Lernen", erklärt Heigl. "Bei dem Cluster-Lehrkonzept geht es darum, dass sich die einzelnen Klassen besser austauschen können", so die Rektorin weiter. Die Schülerinnen und Schüler sollen unabhängig ihrer Klassenzugehörigkeit zusammenarbeiten, zum Beispiel in Form von Projektarbeiten - durch die räumliche Cluster-Anordnung soll ein solches Arbeiten erleichtert werden.

Dieses Durchmischungsprinzip wird in diesen Tagen freilich nicht gelebt - Corona-konform ist es nämlich nicht. Tatsächlich könnte man aber trotzdem beinahe den Eindruck gewinnen, als ob das Schulhaus wie für Corona-Bedingungen gebaut wurde. So sind die einzelnen Cluster voneinander westlich durch Terrassen getrennt, jedes Cluster besitzt sogar einen eigenen Hauseingang, sodass sich die Schülerinnen und Schüler der einzelnen Jahrgangsstufen auf dem Weg in ihre Klassenzimmer oder von dort wieder hinaus kaum begegnen, sofern jedes Cluster den "eigenen" Aufgang benutzt. "Das hilft uns im Moment wirklich sehr", sagt Heigl. Der Haupteingang werde aktuell eigentlich nur für die Notbetreuung genutzt.

Je nach Cluster sind die Klassenzimmer in unterschiedlichen Farben gestaltet, Orange ist das Cluster 1, also alle ersten Klassen.

(Foto: Christian Endt)

Technisch ist die Schule auf modernstem Stand ausgestattet. In jedem Klassenzimmer hängt ein sogenanntes White-Board - sozusagen ein 86 Zoll großes Tablet - mit einer Dokumentenkamera und Web-Zugang. "Wir haben hier ein sehr junges und engagiertes Kollegium, das sich auf unsere technischen Möglichkeiten hervorragend eingelassen hat", sagt Heigl. Aber ja, für manch eine neu hinzukommende Lehrkraft könnte die Ausstattung durchaus zunächst eine Herausforderung darstellen, denn Unterricht mit dem Internet und Dokumentenkameras gehörten noch lange nicht an jeder Schule zum Standard-Repertoire.

In der Lehrer-Lounge verbringen die Lehrkräfte ihre Pausen bei Kaffee und Ratschen. Sie wurde nachträglich um den Nebenraum vergrößert.

(Foto: Christian Endt)

Zurück zu dem Raum, den Heigl als das "Herzstück" der Schule bezeichnet und neben der Cluster-Aufteilung das ist, was das neue Schulgebäude auszeichnet: die Lehr-Küche im Erdgeschoss, gleich südlich der Aula gelegen, die beispielsweise die Schülerinnen und Schüler der vier gebundenen Ganztagsklassen - pro Cluster eine Klasse - nutzen. "Was hier alles entsteht, das finde ich einfach wunderbar", so die Schulleiterin. Vor Weihnachten zum Beispiel hätten Schülerinnen und Schüler die Küche in eine Plätzchen-Bäckerei verwandelt, es werde geratscht, mal über den bevorstehenden Test, mal über das neue Lieblingshobby - ganz ungezwungen, wie Heigl erzählt. Und auch die Idee einer vierten Klasse, eine Schülerzeitung zu gründen, sei in den Räumen der Küche geboren, beim Plaudern.

© SZ vom 08.04.2021
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