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Jugendzentrum Vaterstetten:Zurück zu den Wurzeln

Alte Mittelschule Vaterstetten

Im Herbst 2019 ist die Vaterstettener Mittelschule aus diesem Gebäude ausgezogen, in einigen Monaten könnten dort wieder junge Leute einziehen: Die Gemeinde plant, den Schulbau als provisorisches Jugendzentrum zu nutzen, bis auf dem Grundstück ein Wohngebiet entsteht.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

In Vaterstetten wird es bald wieder ein Jugendzentrum geben, bis auf Weiteres soll es in der ehemaligen Mittelschule eingerichtet werden. Auch für eine langfristige Lösung gibt es schon Pläne - das neue Juz soll das alte werden

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Für junge Leute in der Großgemeinde soll es bald wieder Freizeiträume geben. Einstimmig beschloss der Gemeinderat am Donnerstag die Einrichtung eines selbstverwalteten Jugendzentrums in der ehemaligen Mittelschule an der Johann-Strauß-Straße. Ebenfalls beschlossen wurde, dass die Gemeinde eine langfristige Lösung für ein Jugendzentrum finden soll - das sehr wahrscheinlich ins ehemalige Juz einziehen wird.

Ende 2013 war dieses quasi abgewickelt worden, nachdem in den Jahren zuvor das Interesse am sogenannten offenen Angebot stark nachgelassen hatte. Gleichzeitig mussten neue Räume für den Verein aktiver Bürger gefunden werden, der nach internen Querelen in die Krise geraten war, in dessen Folge man Zuschüsse verlor. Weshalb man das angemietete Mehrgenerationenhaus in der Zugspitzstraße aufgeben musste. Die Awo übernahm im Herbst 2013 das Gebäude des ehemaligen Jugendzentrums unter dem neuen Namen offenes Haus (OHA) - auch, um dort den Verein aktiver Bürger unterzubringen.

In den folgenden Jahren zeigte sich allerdings, dass man in der Gleichung eine Variable vergessen hatte - die jungen Leute. Die nämlich plötzlich ohne einen Treffpunkt dastanden - zumindest einen, der nicht ruhebedürftige Nachbarn auf den Plan rief. Besonders deutlich wurde das Problem im Sommer vor vier Jahren, als nach andauernden Beschwerden der Anwohner über am Wasserpark feiernde Jugendliche, die Gemeinde eine maßgeschneiderte Grünanlagensatzung erließ, um gegen solche Störungen der Bewohnerruhe eine Handhabe zu schaffen.

Im selben Jahr indes organisierten Jugendpflegerin Martha Golombek und die Gruppe "Baldhamer Jugendtreff" einen eben solchen, seit Ende 2017 gibt es den Jugendraum in der Carl-Orff-Straße. Aus dem Kreis der dort Engagierten kam nun im vergangenen Herbst die Initiative "Bava" für ein neues und ausreichend großes Jugendzentrum in Baldham oder Vaterstetten. Im Rathaus stieß dies auf offene Ohren, bereits im Herbst wurden verschiedene Optionen untersucht.

Sowohl bei Verwaltung wie der Bava-Initiative sieht man die alte Mittelschule als den besten Standort an, zumindest für die kommenden Jahre. Unter anderem wurden die zentrale Lage, die Größe sowie die schnelle Verfügbarkeit gelobt. Laut Verwaltung könnte man die Schule für etwa 45 000 Euro so weit herrichten, dass sie als Jugendzentrum genutzt werden kann. Hierbei wollen die jungen Leute auch mithelfen, etwa bei der Einrichtung.

Geplant ist, dass Eingangsbereich und Aula zu einem Aufenthaltsraum mit Bar und mehreren Sitzecken beziehungsweise Nebenräumen umgebaut werden. Dort könnten Veranstaltungen stattfinden, auch ein Beamer soll eingebaut werden. Das ehemalige Lehrerzimmer und das Büro des Direktors sollen wieder Verwaltungsräume werden, in eines würde die Jugendpflege einziehen, das andere wäre das Büro der Juzler, das auch für Kurse und ähnliche Veranstaltungen nutzbar sein soll.

Bei aller Freude über die nun gefundene Lösung, ist diese doch mit einem Verfallsdatum versehen. In einigen Jahren soll die ehemalige Grund- und Mittelschule einem Wohngebiet weichen. Der Zeitpunkt dafür steht zwar noch nicht fest, aber, so Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) auf Nachfrage, im Rathaus gehe man von vier bis fünf Jahren aus. Bis dahin, so sein Plan, könnte aber das ehemalige Jugendzentrum wieder frei sein. Denn Vaterstetten plant den Bau von Gemeindewohnungen an der Dorfstraße. Im sogenannten Baugebiet Nordwest soll neben rund 130 Wohnungen auch ein Gebäude für soziale Nutzung entstehen, etwa eine Kita. In dieses Gebäude könnte aber auch die Awo für ihr offenes Haus einziehen zusammen mit einer Großtagespflege, so Spitzauer, vielleicht ergeben sich auch Synergien bei der Raumnutzung. Bei der Arbeiterwohlfahrt sei man nicht grundsätzlich dagegen, sagt der Bürgermeister, allerdings stehe das Vorhaben auch noch ganz am Anfang.

Weshalb man sich nicht zu sehr festlegen sollte, forderte im Gemeinderat Theresa Fauth (CSU). Sie regte an, das Juz nicht explizit in den Beschluss zu schreiben, sondern "langfristige Lösungen" für einen dauerhaften Standort. Wenn nämlich der Umzug des OHA nicht rechtzeitig möglich wird, "fangen wir wieder ganz von vorne an". Gegenrede kam von der SPD, "es ist wichtig, dass das Juz wieder Juz wird", fasste Annika Deutschmann die Position ihrer Fraktion zusammen. Bei den Grünen gab es einige Sympathie für den Verwaltungsvorschlag, der sich am Ende aber nicht durchsetzen konnte. Für den Bürgermeister ist dies indes ohnehin nur "Kosmetik". Denn, so Spitzauer am Freitag, "Stand heute gibt es nichts anderes als das Juz".

© SZ vom 27.02.2021
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