In Markt Schwaben Clowns auf Reise

Mit "Rigol und Torf" kann man lachen und staunen

Von Manuel Kronenberg, Markt Schwaben

Noch schnell die Wäsche trocknen, bevor es ans Koffer packen geht, und dann hinaus in die weite Welt! Das Bühnenbild in der Markt Schwabener Theaterhalle könnte durchaus Aufbruchstimmung auslösen - genau wie das Programm von Stefan Pillokat aus Markt Schwaben alias Torf und Emmeran Heringer aus Rosenheim alias Rigol. Musikalisch unterstützt werden die beiden Clowns von den Neurosenheimern.

Vor einer schwarzen Wand hängt eine Wäscheleine mit Socken, Strümpfen, Unterhosen. Darunter, auf dem Boden verteilt, liegt das, was sich wie ein Leitmotiv durch den ganzen Abend ziehen wird: eine ganze Menge an Koffern, große und kleine, grüne, silberne und schwarze. Der Koffer als Symbol für eine lustige Reise durch verschiedene Kulturen - die zunächst nach Rosenheim führt: Die Neurosenheimer eröffnen - Grippebedingt zu dritt statt zu viert - das Programm. Als sich das Licht verdunkelt und die rund hundert Besucher verstummen, sind zunächst nur die tiefen Töne der Tuba von Tobias Hegemann zu hören. Dann betritt er die Bühne, zusammen mit Gitarristin Marita Gschwandtner. Schon bald ertönt auch noch der Klang einer Klarinette - wo kommt der denn plötzlich her? Kein weiterer Musiker ist zu sehen. Da wackelt der blaue Vorhang. Doch zum Vorschein kommt niemand, der Klarinette spielt: Zwei Clowns, die ganz schön zaghaft dreinschauen, schieben einen riesigen Koffer auf die Bühne. Als Rigol und Torf den Koffer öffnen, schlüpft die Klarinettistin Katrin Stadler heraus.

Die schüchternen Clowns verkrümeln sich wieder und die Neurosenheimer legen los. Sie singen vom Leben in Bayern. Ihre Geschichten - die mit Vorliebe von fremden und eigenen Neurosen handeln - tragen sie in lustigen Ansagen und Liedern in Volksmusikmanier vor. Die Dichtungen handeln etwa davon, wie man im fortgeschrittenen Alter oder auch in fortgeschrittenen Beziehungen glücklich bleiben kann. Bei der ganzen Show kommt neben Tuba, Klarinette, Gitarre und Gesang auch mal eine Nasenflöte zum Einsatz. Die Zuschauer lachen und klatschen gleich mit.

Von Rosenheim geht die Reise weiter nach Russland. Torf schlüpft in die Rolle des griesgrämigen Igor, mit Mantel, grauer Pelzmütze und einem Brett über der Schulter. "Pjotr!", schreit er immerzu. Er sucht nach seinem Freund, doch der ist nirgends zu finden. Als Pjotr dann endlich "Igor!" rufend auf die Bühne kommt, ist dieser längst verschwunden. Dann haut Pjotr auch wieder ab, gerade als Igor zurückkommt. Igor und Pjotr schimpfen dabei fließend Russisch - Pillokat und Heringer nämlich beherrschen Gromolo, eine Spielsprache der Clowns, die sich stets nach einer Sprache ihrer Wahl anhört. In diesem Fall eben nach Russisch. Und so kommt der ganze Sketch ohne Worte aus - zumindest ohne echte. Darüber hinaus sind Rigol und Torf so albern und überzeugend, dass sie die Zuschauer mit jedem Blödsinn zum Lachen bekommen. Als sich Igor und Pjotr endlich finden, legen sie das Brett auf einen Koffer, bilden so eine Wippe, und führen Kunststücke vor. Der Höhepunkt ist erreicht, als Igor einen kleinen Koffer hoch in die Luft katapultiert und Pjotr diesen mit einem großen Megafon wieder auffängt.

Erneutes Kofferpacken: Dieses Mal geht die Reise nach Mumbai, und wieder kommt das Gromolo zum Einsatz. Torf spielt einen indischen Prediger, Rigol verkörpert einen Guru, den Torf hypnotisiert und für eine heilige Zeremonie missbraucht. Dazu holt er außerdem vier Zuschauer auf die Bühne. Diese müssen einiges über sich ergehen lassen: gemeine Sprüche und eine Segnung mit weißem Pulver. Eine Dame muss ihre Schuhe hergeben, ein Herr seine Armbanduhr.

Zwischenzeitlich erheitern die Clowns die Gemüter sogar mit unerwarteter Akrobatik, etwa auf einer besorgniserregend wackligen Konstruktion: Auf zwei Koffern haben sie einen altmodischen Hometrainer platziert und schaffen es irgendwie, hinauf zu kraxeln. Während Rigol sodann zur Musik der Neurosenheimer strampelt, macht Torf einen Kopfstand auf seinem Schoß. So bringen die Clowns ihre Zuschauer nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Staunen.