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Im Landkreis:Weniger neue Unternehmen

Ebersberger IHK fordert, Hürden für Selbständige abzubauen

Trotz Coronakrise haben viele Menschen im Landkreis Ebersberg den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit gewagt: Insgesamt 1165 Existenzgründer meldeten im vergangenen Jahr ein Gewerbe an. Das entspricht allerdings einem Minus von 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2020 gab es 1087 Firmenneugründungen im Landkreis und damit 6,8 Prozent weniger als 2019. Die Zahl der Betriebsübergaben an einen Nachfolger sank von 112 auf 78 Fälle. Das entspricht einem Rückgang von 30,4 Prozent.

Sonja Ziegltrum-Teubner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Ebersberg, betont: "Gerade in Krisenzeiten behauptet sich echter Unternehmergeist. Die Corona-Pandemie und die dadurch verursachten Lockdowns setzen zwar vielen Wirtschaftsbranchen erheblich zu, dennoch haben auch 2020 viele Jungunternehmer ihre Chance ergriffen und auf innovative Geschäftsmodelle und -ideen gesetzt." Am liebsten wurde 2020 im Landkreis Ebersberg im Dienstleistungssektor gegründet (267 Fälle). Es folgten knapp dahinter der Handel mit 236 Neugründungen und das Baugewerbe mit 95. Die meisten Nachfolgeregelungen entfielen auf das Gastgewerbe (21 Fälle).

Für Ziegltrum-Teuner indes ist klar: "Die Gründungsbilanz für unseren Landkreis zeigt, dass es noch reichlich Luft nach oben gibt. Wenn wir mehr Menschen zum Sprung in die Selbstständigkeit ermutigen wollen, muss die Wirtschaftspolitik die Kultur der Selbstständigkeit stärker fördern und Gründungshürden abbauen." Dazu gehörten weniger Bürokratie und mehr E-Government für die schnellere Erledigung notwendiger Behördengänge. Zudem müssten finanzielle Förderungen wie das KfW-Startgeld passgenauer und einfacher zugänglich gestaltet werden. "Start-Ups brauchen außerdem viel bessere Rahmenbedingungen bei der steuerlichen Behandlung von Beteiligungskapital."

Die IHK-Vorsitzende unterstreicht außerdem die wichtige Rolle von Existenzgründern für die Wirtschaft insgesamt: "Start-Ups und neue Unternehmen stehen für Innovation und Dynamik. Sie legen das Fundament für zukünftige wirtschaftliche Erfolge. Auch alteingesessene Betriebe sind im Bestand gefährdet, wenn sich keine Nachfolger finden, die das unternehmerische Risiko übernehmen wollen." Die IHK für München und Oberbayern unterstützt Gründer mit einem umfangreichen Informations-und Mentoringangebot. Bereits seit einigen Jahren beobachten Experten den Trend, dass sich die Menschen besser auf die Selbstständigkeit vorbereiten. Auch Gründungen im Nebenerwerb würden immer attraktiver: 2019 lag deren Anteil bayernweit bei 70 Prozent. "Gründer können auf diesem Weg den Sprung in die Selbstständigkeit zunächst mit weniger Risiko ausprobieren und sich dadurch langfristiger vorbereiten", so Ziegltrum-Teuner. Die IHK-Gründerbilanz für den Landkreis Ebersbergberuht auf Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik.

© SZ vom 19.04.2021 / sz
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