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Im Jugendzentrum Markt Schwaben:Schulstress abfeiern, toben - und dann in "Level 5"

Mathias Weigl sozialer Ansprechpartner Forstinning

Mathias Weigl organisiert die "Endlich-geschafft-Party".

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Sozialpädagoge Mathias Weigl veranstaltet gemeinsam mit Kolleginnen eine Party für Viertklässler

Als sozialer Ansprechpartner für Forstern und Forstinning kennt sich der Sozialpädagoge Mathias Weigl mit Jugendarbeit aus. Zusammen mit seinen Kolleginnen Alexandra Peter aus Anzing und Waike Müns aus Markt Schwaben hat er die Viertklässler-Party "Level 5" ins Leben gerufen, die am Freitag, 12. Juli, zum zweiten Mal im Jugendzentrum Blues in Markt Schwaben stattfindet.

SZ: Herr Weigl, im Leben der meisten Viertklässler spielen Partys noch keine große Rolle, es sei denn ein Geburtstag steht an. Wie sind Sie und Ihre Kolleginnen auf die Idee gekommen, das mit "Level 5" zu ändern?

Mathias Weigl: Der Titel verrät ja schon was: "Level", weil die Jugendlichen das vom Computerspielen kennen. Und "5", weil sie jetzt alle in die fünfte Jahrgangsstufe kommen. Natürlich gehört es noch nicht zur Lebenswelt von Viertklässlern, auf eine Party zu gehen. Dennoch wollen wir ihnen die Möglichkeit geben, dieses vierte Jahr Schule auch als Abschluss zu sehen. Sie sollen feiern dürfen, sich austoben und dann bewusst ins nächste Level übertreten. Weil Anzing, Forstinning und Markt Schwaben einen Schulsprengel bilden und sicher 80 Prozent der Kinder aus diesen Gemeinden eine weiterführende Schule in Markt Schwaben besuchen, wird die Party bewusst zusammen veranstaltet: Die Viertklässler sollen dort Kinder treffen, die sie später in der fünften Klasse wiedersehen werden.

Eine andere Motivation, die auf den Flyern für Ihre Party stand, war, dass diese eine Pause sein soll vom oftmals stressigen Schulalltag. Haben sie aus Ihrer Erfahrung in der Jugendarbeit das Gefühl, dass Freizeit und Spaß schon bei Viertklässlern zu kurz kommen?

Wenn man sich den Lernplan der Viertklässler anschaut, ist der dermaßen knackig: Die müssen um die 30 Proben schreiben, das geht Knall auf Fall, das ist wirklich anstrengend geworden.

Haben Sie da eine Veränderung gemerkt im Vergleich zu früher?

Klar, einerseits werden die Ansprüche höher und der Stoff mehr. Zum Beispiel ist im Lehrplan Englisch schon verpflichtend ab der dritten Klasse aufgenommen worden, das gab es vor 20 Jahren sicherlich nicht. Anderseits ist da der Druck von den Eltern, die sagen: "Ja, ich möchte, dass mein Kind Leistung bringt und es vielleicht aufs Gymnasium schafft." Die Party soll ein Gegenpol sein, um all das zum Ende des Schuljahres ausklingen zu lassen und froh zu sein: "Wir haben es alle geschafft."

Im Januar hat bereits das erste Event im Markt Schwabener Jugendzentrum Blues stattgefunden. Wie kann man sich so eine Party für Viertklässler vorstellen - teure Eintritte und Alkohol wird es da wohl kaum geben?

Einen Eintritt gibt es schon, der beträgt aber nur drei Euro. Auch Essen und Getränke gibt es für wenig Geld: Die Kinder bekommen von zu Hause fünf oder sechs Euro mit, und wir verlangen für ein Getränk einen Euro oder für eine kleine Süßigkeitentüte 50 Cent. Wichtig ist vor allem die Erfahrung, die viele Kinder bei der letzten Party zum ersten Mal gemacht haben: "Ich bin alleine dort, ohne meine Eltern. Ich darf mir selbständig meinen Spezi kaufen." Wir Jugendpfleger sind dann vor Ort und betreuen und gestalten das.

Wie lief die Party denn ab?

Damals im Januar ging es um das erste Kennenlernen. Es war proppenvoll: 164 Schülerinnen und Schüler aus allen Grundschulklassen in Anzing, Forstinning und Markt Schwaben waren da, und die Stimmung war enorm. Die können das gut: einfach ein bisschen abtanzen und Party machen. Ein Mitarbeiter aus dem Jugendzentrum, Johannes Piller, hat den Abend moderiert, weil man das für diese Jahrgangsstufe schon ein bisschen steuern muss. Es gab Kennenlernspiele, bei denen die Kinder zum Beispiel neue Leute aus anderen Gemeinden mit gleichen Hobbys getroffen haben, und ein DJ hat Lieder gespielt, die sie mitsingen konnten. Und damit das Kennenlernen nicht nur in einem Prozess passiert, veranstalten wir am Freitag, 12. Juli, von 16 bis 20 Uhr eine zweite "Level 5"-Party, bei der wir nicht nur den großen Partyraum, sondern auch das kleine Freigelände des Schwabener Jugendzentrums nutzen wollen.

An diesem Freitag haben die Viertklässler dann auch schon ihre Übertrittszeugnisse in der Tasche, das Ziel "Level 5" also fast geschafft - ist der Termin bewusst so gewählt?

Ja, es soll eine Party sein, bei der man auf das Geschaffte stolz sein kann. Die Viertklässler haben durch die Bank weg alle viel geleistet. Die Party ist noch einmal ein kleiner Abschluss dafür.