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Illustre Gäste:Pliening feiert Geburtstag

Vor 1200 Jahren wurde die Gemeinde erstmals urkundlich erwähnt: Erzbischof Marx, Ministerpräsident Seehofer und die Landkreisprominenz begleiten die Auftaktfeiern zum Jubiläum. Die Festschrift kostet 1200 Cent und es wird sogar ein eigener Marsch komponiert

Pliening- Das Paradies ist von Pliening aus leicht zu erreichen. Das beweisen der Brandner Kaspar und die Theaterbagasch in diesen ersten Wochen des Plieninger Jubiläumsjahres an jedem Wochenende erneut. Und laut Horst Seehofer, seines Zeichens Ministerpräsident des Freistaats, ist man in Pliening, und in Bayern überhaupt, sowieso schon fast mittendrin im Paradies. Bayern nämlich sei eine Vorstufe dazu, hatte er vor einigen Tagen auf einer Veranstaltung festgestellt. Als Festredner beim Plieninger Jubiläumsempfang am Sonntagvormittag aber wurde er in seiner Begriffsbestimmung noch ein bisschen deutlicher. Bayern, so sagte Seehofer, wolle genau dort hin wo Pliening schon sei.

Bürgermeister Georg Rittler, der die Ansprache des Landesvaters von seinem Ehrenplatz ganz vorne an der Bürgersaalbühne aus verfolgte, muss sich in diesen Tagen tatsächlich fühlen, als wäre auch er schon an jenem himmlischen Ort angekommen. Alles hat geklappt. Der Erzbischof war gekommen, um am Sonntagmorgen gemeinsam mit dem Geltinger Pfarrer Norbert Joschko den Festgottesdienst zu zelebrieren. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt konnte die vielen Zuhörer kaum fassen. Anschließend hatten der Bürgermeister, der Pfarrer sowie die beiden stellvertretenden Bürgermeister Roland Frick und Franz Birk den hohen Kirchenmann gemeinsam mit Abordnungen der Plieninger Vereine und angeführt von der Geltinger Blasmusik in einem Festzug zum Bürgerhaus geleitet. Die Böllerschützen begleiteten den Einzug mit einem lautstarken Ehrensalut.

Um Klänge anderer Art ging es dann eine halbe Stunde später. Pfarrer Joschko war die Aufregung anzumerken, als kurz vor zwölf der Sender Bayern 1 auf die Saallautsprecher geschaltet wurde. "Wenn es nicht klappt, dann machen wir die Fenster auf und hören es uns live an", scherzte Joschko und deutete nach Osten, wo der Turm seiner Pfarrkirche durch die Fenster zu sehen ist. Doch dann breitete sich schon der melodiöse Klang der vier Geltinger Kirchenglocken zum traditionellen Zwölfuhrläuten im Raum aus, der aus dem Radiostudio in diesem Moment in die Welt hinaus geschickt wurde. Vorübergehend ließ es die Gespräche verstummen und zauberte Pfarrer Joschko, der als Moderator der beiden Festtage kaum je um einen Scherz verlegen war, einen wahrhaft beseelten Ausdruck aufs Gesicht. "Es hat funktioniert", sagte er. Mehr nicht.

Und weiter, zum nächsten Höhepunkt. Horst Seehofer hatte sich für 13 Uhr angekündigt. Erzbischof Reinhard Kardinal Marx verabschiedete sich kurz zuvor. Er habe den Ministerpräsidenten in dieser Woche bereits dreimal getroffen und damit sei es nun auch wieder gut, erklärte er feixend, nahm nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde noch einen Geschenkkorb mit Festschrift, Jubiläumsbrot und Plieninger Wustspezialitäten entgegen. Dazu einen Jubiläumsbrand aus der Hand des Bürgermeisters und überließ die Bühne seinem Nachredner.

Seehofer kam pünktlich und unter den Klängen des bayerischen Defiliermarschs in den Bürgersaal, und es war an Bürgermeister Rittler, nun doch seinem Stolz Luft zu machen. "Wir haben ihn so lange bearbeitet, bis er zugesagt hat." Aus Seehofers Mund hörte sich die Geschichte so an: Nachdem er die Schirmherrschaft für die Jubiläumsfeierlichkeiten übernommen hatte, habe er sich in Bayern nirgendwo mehr bewegen können, "ohne den Herrn Bürgermeister zu treffen. Er war nicht kleinzukriegen." Also habe er irgendwann beschlossen, zu kapitulieren und Pliening unter mehr als 2000 bayerischen Gemeinden für diesen einen Tag den Vorzug zu geben.

Gut gelaunt zeigte sich Seehofer und sparte nicht mit Lob für seine Gastgeber. Die Fahrt durch die Gemeinde, ein Blick auf die Gemeindefinanzen und der herzliche Empfang hätten ihm eines gezeigt: "Bayern ist gut, aber Pliening ist noch besser." Und wie man sich hier engagiere für einen solch außergewöhnlichen gemeindlichen Festtag, das beweise ihm einmal mehr, dass die Gemeinden das Rückgrat Bayerns seien und die Heimat, den Menschen im Freistaat das wichtigste.

Ganz ähnliches hatte am Vorabend Bezirkstagspräsident Josef Mederer in seiner Festansprache zum Auftakt der Jubiläumsfeiern gesagt - mit einem Zitat des Kabarettisten und Schauspielers Ottfried Fischer. "Dahoam is' da, wo's G'fühl ist". Über das Gefühl der Heimat resümierte auch Bürgermeister Rittler am Samstagabend. Heimat habe nichts mit politischen Machtansprüchen oder realitätsfernen Vorstellungen von heiler Welt zu tun, auch nichts mit Provinzialität, sondern mit dem Wunsch, irgendwo dazu zu gehören. "Die Menschen brauchen einen Fixpunkt, an dem sie sich auskennen und mitreden können." Das dies möglich sei, sei in Pliening spürbar, Pliening sei ein solcher Ort, nicht erst heute. In den 1200 Jahren seit der ersten Erwähnung der Gemeinde hätten hier Menschen Geschichte geschrieben, Spuren hinterlassen, Traditionen geprägt, darunter Regenten ebenso wie Soldaten, Adelige und Tagelöhner, Handwerker ebenso wie Kaufleute, Bauern oder Geistliche. "Sie alle haben in den vergangenen 1200 Jahren ihren kleineren oder größeren Beitrag geleistet und dadurch unserer Gemeinde das heutige Gesicht gegeben."

In die Einzelheiten Plieninger Geschichte stieg anschließend der Bad Aiblinger Historiker Gottfried Mayr ein, berichtete von jenem Priester Cundhart und seinem Neffen Liuthart, die im Jahre 813 Land an einen Bischof Hitto verschenkt haben, Land auf dem heute die Geltinger Pfarrkirche steht. Den Wortlaut jener Urkunde verlasen in lateinischer und deutscher Sprache die Enkel des Ortschronisten Willi Kneißl, Michael und Veronika - als Überraschung für Kneißl selbst, der den Löwenanteil zu großen Festschrift beigesteuert hat. Sie konnte man für genau 1200 Cent am Wochenende kaufen, künftig kostet sie 15 Euro. Und in Pliening wird weiter gefeiert.