Hochwasserschutz in Grafing:Alter neuer Ablauf

Überschwemmte Wiese bei KiGa St. Elisabeth

Immer wieder sammelt sich an der Senke beim Kindergarten St. Elisabeth das Wasser, so wie hier im Mai 2019. Jetzt will die Stadt handeln.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Stadt Grafing will den Goldbergkanal wegen des Hochwasserrisikos reaktivieren

Von Thorsten Rienth, Grafing

So genau weiß niemand, wann die Grafinger einst den Goldbergkanal bauten. Fest steht allerdings sein Zweck: Mit seinen einigen Hundert Metern Länge sollte er Hochwasser aus der Senke westlich der Elisabethstraße ableiten. Genau das ist auch der Grund, warum Grafing den alten Kanal reaktivieren will.

Anlass dafür, das Vorhaben in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses auf die Tagesordnung zu setzen, sind die Folgen eines Starkregens aus dem Jahr 2013: Weil sich viel Regenwasser in der Senke gestaut hatte, musste die Stadt im St.-Elisabeth-Kindergarten, der am Rand der Senke liegt, massive Wasserschäden reparieren. Ein Hydrologe, der die Ursachen untersuchte, befand: Schaffe die Stadt keine probate Abhilfe, drohten solche Schäden regelmäßig. "Tiefenbrunnen scheiden wegen der Bodenbeschaffenheit aus, Vorfluter gibt's auch nicht", fasste Bauamtsleiter Josef Niedermaier das Ergebnis der ersten unkonventionellen Lösungssuche zusammen.

Dann tat sich eine echte Überraschung auf: Bei den Untersuchungen stieß der Hydrologe auf den alten Goldbergkanal. Beginnend in der Marienstraße führt die Entwässerungsleitung teilweise unter Gebäuden bis zur Giselastraße und dann in den Urtelbach-Fehlbach am Volksfestplatz. Die Abwasserleitung war jahrzehntelang in Vergessenheit geraten. Nicht einmal im Rathaus gibt es noch alte Pläne. Zunächst als offener Graben errichtet, verrohrte man den Kanal wohl in den 1950er-Jahren mit der damals beginnenden Bebauung in der Gegend. Zumindest berichten es Zeitzeugen so.

Offenbar, so mutmaßte der Hydrologe, war der Kanal noch viele Jahre durchlässig. Ausreichend jedenfalls, um die Senke weitgehend trocken zu halten. Bis eben ins Jahr 2013. "Vieles spricht dafür, dass der Kanal dann verschlossen wurde", erklärte Niedermaier. Einstürzende Wände. Bodenablagerungen. Vielleicht auch private Bauarbeiten, denn der Trassenverlauf sei nicht immer erkennbar.

In jedem Fall schickte die Stadt ein kleines Videofahrzeug in den Durchlass. Dort, wo das Fahrzeug hinkam, sahen die Experten nur geringe Schäden, die sich mit wenig Aufwand hätten reparieren lassen. Ausgerechnet der Verlauf unter einigen Privatgrundstücken ließ sich aber nicht befahren. Die Hoffnung, dass sich die Verschlussstelle unkompliziert in Abstimmung mit den Eigentümern öffnen ließe, zerschlug sich damit. Die Gärten auf weiter Länge und ohne konkrete Anhaltspunkte von oben aufzureißen, hieß es in der Sitzung, sei jenseits einer vertretbaren Verhältnismäßigkeit. Kurzum: Um einen teilweisen Neubau und Verlegung des Kanals kommt die Stadt also nicht herum.

Niemand weiß freilich, wann das nächste Hochwasser in der Senke steht. Deshalb beschleunigt der Bauausschuss-Beschluss die Sache: Baugenehmigung und wasserrechtliche Genehmigung holt das Rathaus parallel ein. Weil die fachgutachterliche Stellungnahme des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamts schon vorliegt, beantragt die Stadt beim Landratsamt den sogenannten vorzeitigen Beginn der Baumaßnahmen. Wegen des öffentlichen Interesses rund um den Kindergarten rechnet Niedermaier auch damit, dass der Bitte um den vorzeitigen Baubeginn stattgegeben wird. Damit könnte es schon im Frühjahr losgehen.

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