Nominierung für den Wahlkampf Grüne fordern Brilmayer heraus

Der Ebersberger Ortsverband wird erstmals in seiner Geschichte einen eigenen Kandidaten in eine Bürgermeisterwahl schicken. Als Favorit gilt Stadtrat Philipp Goldner.

Von Martin Mühlfenzl

Die Grünen der Kreisstadt werden erstmals in ihrer Geschichte einen eigenen Kandidaten in eine Bürgermeisterwahl schicken. Gestern kündigte die Partei für Sonntag, 9. Oktober, die Nominierung eines Herausforderers zu CSU-Amtsinhaber Walter Brilmayer an. Damit wird es voraussichtlich mindestens drei Kandidaten bei der Wahl am 11. März 2012 geben. Denn auch die SPD will im November einen Bewerber nominieren. Wahrscheinlichste Kandidatin ist Stadträtin Doris Rauscher.

Philipp Goldner, Rosemarie Will und Susanne Schmidberger sind drei der vier möglichen Ebersberger Grünen-Bürgermeisterkandidaten. Nicht auf dem Bild ist Bettina Goldner, die ebenfalls die Herausforderin des CSU-Amtsinhaber Walter Brilmayer werden könnte.

(Foto: EBE)

Für uns war nach intensiven Diskussionen klar, dass wir uns die Chance nicht entgehen lassen dürfen", erklärte Grünen-Stadträtin Susanne Schmidberger am Donnerstag die Entscheidung. "Wir fühlen uns stark und wollen den Menschen zeigen, was wir bisher geleistet haben." Mit wem sie in den Wahlkampf ziehen werden, das wollen die Grünen bis zur Nominierung geheim halten. Allerdings ließ Schmidberger durchblicken, dass innerhalb des Ortsverbandes die Entscheidung aus einem Kreis von vier Kandidaten gefallen sei.

Viel deutet darauf hin, das sich der Jüngste aus der Riege der vier Grünen-Stadträte um das Bürgermeisteramt bewerben wird: Philipp Goldner (27) gilt als treibende Kraft in der Fraktion und hat sich allen voran als Verfechter einer Tunnellösung als Nord-Süd-Tangente unter der Kreisstadt einen Namen gemacht. Goldner gehört dem Stadtrat seit 2008 an und ist Mitglied des Technischen Ausschusses. Doch auch der Favorit auf eine Kandidatur verweist auf die intern abgesprochene Vorgehensweise des Ortsverbandes: "Wir wollen uns erst bei der Nominierung äußern. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

Als mögliche Kandidaten werden auch die Stadträtinnen Susanne Schmidberger und Rosemarie Will gehandelt. Fraktionssprecherin Will verfügt über den weitaus größten Erfahrungsschatz der vier Grünen-Stadträte und ist seit mehr als 30 Jahren in Ebersberg beheimatet. Nur Außenseiterchancen auf eine Kandidatur dürfte hingegen die Ortsvereinsvorsitzende Bettina Goldner besitzen.

Trotz aller Geheimhaltung bezüglich der Kandidatenfrage gehen die Grünen offen mit ihren Erwartungen um. "Es ist sicher, dass Walter Brilmayer die Wahl gewinnen wird. So realitätsnah sind wir schon", betont Schmidberger. Der Ortsverband aber müsse über die Wahl 2012 hinaus denken: "Es wird Brilmayers letzte Amtszeit sein. Deshalb wollen wir uns jetzt - zu einem für uns grandiosen Zeitpunkt - positionieren." Der Augenblick, bestätigt Goldner, sei nie so günstig gewesen: "Natürlich schwimmen wir auf einer grünen Welle. Wir wollen dazu beitragen, dass es so weiter geht."

Wenig überrascht reagierten am Donnerstag die Ebersberger Genossen auf die Ankündigung der Grünen. "Ich habe damit gerechnet, dass die Grünen einen eigenen Bewerber ins Rennen schicken", sagte SPD-Stadträtin Elisabeth Platzer, die bei den vergangenen beiden Bürgermeisterwahlen an Walter Brilmayer gescheitert war. Platzer nimmt die zusätzliche Konkurrenz sportlich: "Das könnte die Sache spannend machen und erhöht am Ende die Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl."

Die SPD-Stadträtin bedauert auch nicht, dass es letztlich nicht zu einem rot-grünen Bündnis wie bei der Bürgermeisterwahl in Aßling im vergangenen Jahr - und einem gemeinsamen Kandidaten gekommen ist: "Wir werden selbst einen aussichtsreichen Kandidaten ins Rennen schicken und unsere eigene Chance suchen." Ebersbergs Genossen planen ihre Nominierungsveranstaltung für November.

Platzer schließt allerdings ebenso wie Susanne Schmidberger Gespräche der beiden Parteien vor der Wahl nicht aus: "Die kann es noch geben. Niemand weiß, was beim ersten Wahlgang passiert." Bei den letzten beiden Bürgermeisterwahlen verweigerten die Grünen Platzer ihre Unterstützung. Als Stolperstein erwies sich damals der bevorstehende Bau der Ebersberger Südumfahrung. Diese aber ist mittlerweile fertig.