Gute Freunde Ein Maibaum für Trogir

Seit zehn Jahren pflegen Vaterstetten und das Städtchen in Kroatien eine Partnerschaft. Heute findet ein reger Austausch statt - vor allem die bayerischen Traditionen kommen am Mittelmeer gut an

Von Manuel Kronenberg, Vaterstetten

Die Besuche in der malerischen Stadt Trogir an der Adria sind für viele Vaterstettener inzwischen selbstverständlich geworden.

(Foto: privat)

Die hundert Vaterstettener sind wahrlich gut vorbereitet, als sie ihr Ziel nach langer Reise endlich erreichen. Doch was sie dort erwartet, damit haben sie nun wirklich nicht gerechnet. Mit zwei Bussen haben sie sich aufgemacht, im April des Jahres 2009, um nach Trogir zu fahren. Voller Spannung und mit großen Erwartungen kommen sie in dem kroatischen Ort an der Adria an. Denn mit der Stadt soll ein Partnerschaftsvertrag unterzeichnet werden. Alles Wichtige, Geschenke und Fähnchen, sind deshalb natürlich mit im Gepäck. Unter den Gästen ist auch der CSU-Politiker Robert Niedergesäß, damals noch nicht Landrat sondern Bürgermeister Vaterstettens.

Auch Michael Baier, der im selben Jahr noch Vorsitzender des Partnerschaftsvereins wird, sitzt an Bord des Busses. Er kennt sich aus mit Städtepartnerschaften; Vaterstetten pflegt bereits Beziehungen zu der französischen Gemeinde Allauch und dem Ort Alem Katema in Äthiopien. Von den Franzosen sind Baier und die anderen schon gewohnt: Kommt man zu ihnen, dann gibt es einen großen Empfang. Als Baier aber in Trogir aus dem Bus steigt, entgleisen ihm erst einmal die Gesichtszüge. Stehen dort doch tatsächlich nur zwei Leute, um die hundert erwartungsvollen Vaterstettener zu empfangen. Eine Enttäuschung, die allerdings nicht allzu lange anhält. Denn während des Besuchs, dank Freizeit- und Festprogramm, lernen sich die Kroaten und Deutschen erst so richtig kennen, freunden sich an und sind schließlich ausgesprochen herzlich zueinander, als die Vaterstettener wieder abreisen.

Bayerischer Volkstanz vor kroatischer Kulisse.

(Foto: privat)

Man wollte unbedingt einen Partner im Osten Europas

"Wenn die Leute nicht miteinander auskommen, kann man das Ganze vergessen", erklärt Baier heute, als er sich an die Anfänge erinnert. Weil die Beziehungen zu den Bewohnern Trogirs so freundschaftlich seien, funktioniere die Partnerschaft zwischen den beiden Orten überhaupt so gut. Die Freundschaft hält nunmehr seit zehn Jahren. Der Beginn des Jubiläumsjahres ist nun Anlass für den Partnerschaftsverein gewesen, einen Stammtisch im Purfinger Haberer zu organisieren, bei dem auf die zehnjährige Geschichte der Partnerschaft zurückgeblickt wurde. Mit dabei waren auch Niedergesäß und der in der Gemeinde lebende Kroate Nikola Marković, der beim Aufbau der Partnerschaft mitwirkte. Niedergesäß findet, dass die Partnerschaft eine besondere sei, weil ein reger Austausch stattfinde. Nicht nur Politiker, sondern auch die Bürger beider Orte besuchen sich regelmäßig gegenseitig.

Besiegelt haben die Freundschaft vor zehn JahrenRobert Niedergesäß und Vedran Rožić, sein Amtskollege in der Partnerstadt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Dabei glaubte Niedergesäß anfangs gar nicht daran, dass Trogir einmal eine Partnerschaft mit Vaterstetten eingehen würde. "Das wird wahrscheinlich nichts", sagte er zu seiner Frau, als sie im Jahr 2007 die Hafenstadt zusammen besuchten. Damals war er noch auf der Suche nach einem Ort, der für eine dritte kommunale Partnerschaft in Frage käme. Der Ort sollte unbedingt im Osten Europas liegen, war doch die Osterweiterung der EU überhaupt Anlass für die Überlegungen.

Der damalige Bürgermeister war sofort begeistert

Einem Rat Markovićs folgend sei er sodann nach Trogir gereist, erzählt Niedergesäß. Er selbst sei sofort begeistert gewesen - allein optisch: ein Schmuckstück. Die prächtig erhaltene mittelalterliche Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Die zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Gebäude aus verschiedenen kunstgeschichtlichen Epochen. Das Meer auf der einen Seite, die Berge auf der anderen. "Das ist kein Vergleich mit Vaterstetten", sagt Niedergesäß. Der Ort im Osten Münchens sei - nun ja - eine etwas "praktischere Gemeinde". "Ich dachte, wenn die Vaterstetten sehen, wird die Begeisterung nicht direkt überschwappen", erzählt der heutige Landrat.

Doch als eine Delegation aus Kroatien zum Gegenbesuch nach Vaterstetten kam und im Rathaus zu einem bayerisch-kroatischen Festabend empfangen wurde, habe der damalige Bürgermeister aus Trogir direkt gefragt, wo er denn unterschreiben solle. Durch eine solche Partnerschaft werde ein Stück Europa von den Bürgern gelebt, meint Niedergesäß. "Als Kommunalpolitiker kann man keine EU-Verordnungen beeinflussen, aber wir können dazu beitragen, dass die Menschen zusammenkommen."

Gemeinsame Projekte hat es in den vergangenen zehn Jahren viele gegeben. Etwa beim alljährlichen Weihnachtsmarkt in Baldham, an dem auch immer wieder Kroaten teilnehmen und Spezialitäten aus Dalmatien verkaufen. Oder 2016 die Tage der Trogirer Küche im Purfinger Haberer, an denen kroatische Köche das Gasthaus übernahmen. Oder die Adventskonzerte in Neufahrn. Überhaupt habe Musik in den Beziehungen einen hohen Stellenwert, erzählt Baier vom Partnerschaftsverein. In diesem Jubiläumsjahr freut er sich aber auf etwas anderes ganz besonders: Auf Wunsch der kroatischen Freunde hin werden die Vaterstettener Anfang April einen Maibaum herrichten, um ihn dann in einen Lkw zu laden und nach Trogir zu fahren. Der Baum werde dann auf der Insel Čiovo aufgestellt, erzählt Baier, direkt gegenüber vom Festland, wo im Park der Freundschaft schon der Baum stehe, der auf die einmalige Partnerschaft zwischen Trogir und Vaterstetten hinweist.

Informationen zur Partnerschaft und zu den Veranstaltungen unter www.pvt2009.org