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Grafinger Brunnen schwächeln:Eine Nummer kleiner

Trinkwasser

Damit es in Grafing und in Ebersberg immer genug Trinkwasser gibt, haben sich die Städte nach zwölf Jahren auf einen Verbund geeinigt.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Trotz Komplikationen kommt der Wasserverbund zwischen Ebersberg und Grafing

Anderen wären vielleicht deutlichere Worte in den Sinn gekommen, Walter Brilmayer (CSU) hingegen ist nicht einer, der gern lospoltert. Eine Anmerkung wolle er sich aber doch nicht verkneifen, sagte der Ebersberger Bürgermeister in der Sitzung des Ferienausschusses des Ebersberger Stadtrats. "Außerordentlich verwundert" sei er schon gewesen, als er von den Komplikationen beim Trinkwasserverbund zwischen Ebersberg und Grafing erfahren habe. Schließlich hatte man bereits zwölf Jahre darüber verhandelt, als den Grafingern einfiel, dass man die Bedingungen in der fix und fertig vorliegenden Zweckvereinbarung doch nicht erfüllen könne. Denn die Grafinger Brunnen sind weniger leistungsfähig als gedacht - neue Berechnungen zeigen, dass die Stadt Grafing statt ganzjährig maximal 150 Tage im Jahr in der Lage wäre, die erforderliche Menge von Trinkwasser an Ebersberg zu liefern.

Dennoch muss jetzt nicht noch einmal zwölf Jahre verhandelt werden, die neue Zweckvereinbarung steht und in Grafing hat der zuständige Fachausschuss ihr auch schon zugestimmt. Der Leitungsbau fällt nun eben eine Nummer kleiner als geplant aus, das liegt auch daran, dass derartige Projekte seit Kurzem auch gefördert werden können - allerdings nur die sparsamste Lösung einer Verbundleitung. Es werden also nicht zwei jeweils dauerhaft durchströmte Ringleitungen geschaffen, wie es ursprünglich geplant war. Stattdessen soll nun eine einzige Leitung gebaut werden, die ständig und in wechselnder Richtung benutzt wird. Dies ist auch deshalb nötig, um die Leitungen immer frei von Keimen zu halten. Es sei geplant, erläuterte der Ebersberger Bauamtsleiter Christian Stöhr, immer etwa ausgeglichene Wassermengen hin- und herzuschicken, sodass nicht kompliziert abgerechnet werden muss.

Was das Finanzielle betrifft, hat die Grafinger Erkenntnis ohnehin für die Ebersberger auch etwas Gutes: Denn es kann dadurch kräftig gespart werden. Durch die Entscheidung für die kleinere Lösung wird das Projekt insgesamt günstiger, statt 2,26 Millionen fallen nur noch 1,1 Millionen an. Der Anteil für die Ebersberger beläuft sich auf gut 540 000 Euro, ursprünglich wären es knapp 1,3 Millionen gewesen. Damit die beiden Städte in den Genuss von Zuschüssen kommen, muss jetzt alles recht schnell gehen: Bedingung ist, dass die Anlage bis zum 31. Dezember 2021 gebaut und abgerechnet ist.

Auf die Frage von Marina Matjanovski (CSU), ob denn im Notfall auch die kleinere Leitung aus Grafing ausreiche, sagte der Bürgermeister, man wisse ja nicht genau, wie so ein Notfall aussehe. Sollte es Probleme geben mit der 50 Jahre alten Leitung, aus der die Kreisstadt ihr Trinkwasser aus dem Forst bezieht, gehe er aber davon aus, dass man keine 150 Tage benötige, um es wieder im Griff zu haben, sagte Brilmayer.

Eine größere Lösung könnte man jedenfalls auch später immer noch realisieren, wenn man es denn wünsche, versicherten Stöhr und Brilmayer. Insgesamt zeigten sich die Stadträte einverstanden mit dem neuen Deal, Gegenstimmen gab es nicht. Die Zweckvereinbarung zwischen den beiden Städten soll am 16. September unterzeichnet werden.