Kirche Weihnachten ohne Priester

Im November verließ der Pfarrvikar Alvaro Elioht Valderrama Erazo die Gemeinde - bisher ohne Nachfolger. Nun gibt es nicht mehr genügend Geistliche, um all die adventlichen Gottesdienste abzuhalten

Von Michael Haas, Grafing

Der Pfarrverband Grafing kommt nicht zur Ruhe: Neben der umstrittenen Innenrenovierung von St. Ägidius beschäftigt nun auch ein Priestermangel die Gläubigen. Weil Pfarrvikar Alvaro Elioht Valderrama Erazo die Gemeinde im November auf eigenen Wunsch verlassen hat, müssen mehrere Gottesdienste ausfallen. Der Priester habe aus gesundheitlichen Gründen darum gebeten, von der Arbeit als Pfarrvikar entbunden zu werden, sagte ein Sprecher des erzbischöflichen Ordinariats in München. Pfarradministrator Josef Riedl schreibt im aktuellen Gottesdienstanzeiger von "vielschichtigen Gründen", die zum Weggang Erazos geführt hätten. Ein Nachfolger soll im Januar nach Grafing wechseln.

Weil Riedl vorläufig der einzige hauptamtliche Priester im Pfarrverband ist, gleichzeitig aber auch die Ebersberger Pfarrei leitet, fallen in der Advents- und Weihnachtszeit einige Gottesdienste aus. So müssen die Gläubigen unter anderem auf die adventlichen Messfeiern bei Kerzenlicht - die Engelämter - verzichten. Zudem wird es am Heiligen Abend nur eine gemeinsame Christmette für Grafing und Straußdorf geben, auch den Jahresabschluss begehen die beiden Gemeinden des Pfarrverbands an Silvester gemeinsam. "Wenn zwei komplette Priesterstellen nicht besetzt sind, kann der Betrieb nicht einfach so weitergehen wie bisher", schreibt Riedl im Gottesdienstanzeiger. Für die Messfeiern an Weihnachten hat er mehrere Priester aus anderen Gemeinden engagiert. Weitere Lücken sollen Wortgottesdienste schließen, da bei ihnen kein Priester anwesend sein muss. Zum 1. Januar wird dann laut Ordinariat der bisherige Leiter des Traunsteiner Studienseminars, Markus Moderegger, nach Grafing wechseln. Der 44-Jährige wurde 2003 zum Priester geweiht und führt seit 2006 das Internat der Erzdiözese München-Freising. Dessen Leitung habe er zum Jahresende ohnehin abgeben sollen, hieß es aus dem Ordinariat. In Grafing wird Moderegger vorerst die Stelle als Pfarrvikar von Erazo übernehmen. Über eine Neubesetzung der Pfarrstelle zum Sommer werde noch beraten, teilte das Ordinariat mit.

Sie ist vakant, seit Pfarrer Hermann Schlicker Grafing im Sommer nach 13 Jahren verlassen hat, um eine neue Stelle in Tacherting im Chiemgau anzutreten. Nachdem es zunächst hieß, auch Diakon Rudolf Auer müsse wechseln, wurde schließlich der beliebte Pfarrvikar Pater Jaimes Varghese Panickaruveettil nach Aschheim und Feldkirchen versetzt. Der dortige Pfarradministrator Erazo wurde im Gegenzug nach Grafing beordert. Bei den Gläubigen sorgte der Vorgang für Unmut, weil das Ordinariat einige Monate zuvor bereits angekündigt hatte, Panickaruveettil werde vorübergehend den Pfarrverband Grafing leiten. Stattdessen übernahm schließlich Dekan Riedl die Pfarradministration.

Bis zur Liturgiereform 1960 wurde das Evangelium immer als "Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel an Maria" gelesen. Dadurch bürgerte sich der Name "Engelamt" (missa angelica) für diese Messen ein. Die Engelämter, nach einem Adventsvers auch "Rorate-Messen" genannt, sind Messfeiern im Kerzenschein. Nach einer alten Tradition werden sie entweder frühmorgens vor Sonnenaufgang oder am Abend nach Sonnenuntergang gefeiert. Besonders von 1500 bis zum Zweiten Weltkrieg waren Engelämter in Bayern sehr weit verbreitet. In den letzten Jahren haben die Engelämter dort jedoch wieder eine Renaissance erlebt. SOBU