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Grafing:Sammeln mit weniger Kontakt

Initiatoren des Grafinger Bürgerbegehrens für den Stadthallenneubau ändern ihre Strategie

Wer sich wundert, warum auf der Grafinger Marktplatzinsel ein orange angemaltes Fahrrad steht: Es gehört den Initiatoren des Bürgerbegehrens für einen Stadthallenneubau - und daran angeschraubt ist der Briefkasten für die Rückgabe ausgefüllter Unterschriftenlisten.

Wenngleich coronabedingt das persönliche Gespräch fehle, könnten die Grafinger dennoch ihre Unterschriften für das Begehren abgeben, schreiben die Initiatoren Ursula Bauer, Yukiko Nave und Martin Tourneau sowie Stellvertreter Heinz Fröhlich in einer aktuellen Mitteilung. Auf der Internetseite www.burgerbegehren-stadthalle.de können die Grafinger demnach Unterschriftenlisten anfordern. Über das Kontaktformular stünden die Initiatoren auch für Gespräche zur Verfügung. Zudem würden die Unterschriftenlisten nun in Grafing verteilt. "Demokratische Prozesse müssen weiter gehen, trotz der aktuell gebotenen Zurückhaltung im öffentlichen Raum", betonen die Initiatoren in der Pressemitteilung.

Um ihr Zwischenziel eines Bürgerentscheids um die Zukunft der Stadthalle zu erreichen, müssen zehn Prozent der Grafinger Wahlberechtigten auf den Listen unterschreiben. Dies entspricht rund 1000 Unterschriften. Finales Ziel ist, einen Beschluss aus dem Stadtrat zu überstimmen. Das Gremium hatte sich vor einigen Wochen für eine Minimalsanierung der Halle und eine deutliche Verbesserung der Barrierefreiheit entschieden und damit auch die drohende Schließung der Stadthalle zum Jahresende abgewendet. Bauer, Nave, Tourneau und Fröhlich halten dies für eine "sehr teure und wenig effektive Übergangslösung". Ein Neubau sei die langfristig günstigere Option.

Dass dem so ist, steht im Stadtrat außer Zweifel. Allerdings ist ein Neubau an den absoluten Kosten gemessen deutlich teurer. Der Tenor der Sitzung war, dass die Stadt wegen der derzeitigen Einnahmeausfälle auf größere Investitionen notgedrungen verzichten müsse. Die Minimalsanierung der mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Halle wird aktuell auf rund 1,3 Millionen Euro geschätzt, die günstigste Neubauvariante auf mindestens 3,5 Millionen Euro.

© SZ vom 27.11.2020 / thri
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