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Grafing:Bauplatz für alle Fälle

Grafing weist potenzielles Areal für Flüchtlingsunterkunft aus

Die Flüchtlingszahlen gehen zurück, der Freistaat legte die Anmietung neuer Unterkünfte - was in Grafing Bedingung für den Bau einer solchen war - längst auf Eis. Trotzdem hat der Grafinger Stadtrat am Dienstagabend die Aufstellung des Bebauungsplans vorangetrieben, der eine Asylbewerberunterkunft am neuen Bauhof bei Schammach ermöglichen soll. Klingt unlogisch, macht nach Ansicht des Stadtrats aber Sinn.

Die Unterkunft wollte die Stadt ursprünglich in einem Abwasch mit dem neuen Bauhof errichten. Im Herbst 2015 hatte sie mit der Planung begonnen, denn die Regierung von Oberbayern signalisierte damals: Bauten Gemeinden Unterkünfte, würde sie der Freistaat zu vergleichsweise attraktiven Konditionen mieten. Liefen die Mietverträge nach zehn bis 15 Jahren aus, hätten die Gemeinden ein abbezahltes Gebäude für die eigene Verwendung.

Das Grafinger Bebauungsplanverfahren war bereits gehörig vorangeschritten, als der Freistaat seine Strategie änderte: Anstatt Asylbewerber dezentral unterzubringen, reaktivierte er leer stehende Gebäude wie ehemalige Kasernen. Oder er baute Traglufthallen. Notgedrungen stoppten die Grafinger ihre Planungen neben dem Bauhof bei Schammach.

Dennoch war sich das Gremium einig, das angestrebte Baurecht weiterzuverfolgen. Das Bündnis für Grafing (BfG) formulierte aus dem Ansinnen einen - wenig später auch positiv beschiedenen - Antrag. Und genau diesen Bebauungsplanentwurf billigte der Stadtrat am Dienstag. "Sondergebiet Übergangswohnheim" heißt das Areal südöstlich des neuen Bauhofs nun. Der Bebauungsplan erlaubt damit die zeitlich befristete Errichtung von Unterkünften und Wohnungen für Flüchtlinge, Asylbewerber, anerkannte Asylbewerber und Wohnungslose.

Nachdem sämtliche Pläne für Flüchtlingsunterkünfte in Grafing in der Vergangenheit von lautstarker Kritik begleitet waren, fühlte sich Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) in der Sitzung zu einigen Klarstellungen gezwungen. "Ich betone: Das ist kein Beschluss zu bauen." Es gebe nichts Konkretes, an dem die Stadt gerade plane. "Es geht darum, dass das Verfahren für den Fall erledigt ist, dass sich an der aktuellen Situation etwas ändert."

Im Übrigen habe die Stadt Grafing aktuell nicht nur Wohnungen für Asylbewerber auf dem Schirm. "Es ist bei uns in der Gegend für alle Wohnungssuchenden, die wenig Geld haben, sehr schwierig", sagte Obermayr. Deshalb treibe die Stadt auch andere Projekte für günstiges Wohnen etwa in der Kappellenstraße oder der Rotter Straße voran.

© SZ vom 19.01.2017 / thri
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