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Glonn:Butterfahrt ins Grüne

Anlässlich des Lernprogramms "Erlebnis Bauernhof" besucht Landwirtschaftsminister Helmut Brunner den Hof der Familie Esterl in Glonn. Dabei wird der Politiker vor eine praktische Prüfung gestellt

Von Sebastian Hartinger, Glonn

"Wollt ihr das öfter machen?", fragte Helmut Brunner (CSU), Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die 26 Schüler der Luise-Kiesselbach-Grundschule aus München. Lautstark zeigten sie ihm, dass sie am besten länger hier bleiben wollen. "Wir sollten das jeden Tag machen", schlug ein Junge vor. Die Kinder hatten am Montagvormittag beim Lernprogramm "Erlebnis Bauernhof" den Betrieb der Familie Esterl aus Glonn besichtigt. Bei Sonnenschein wurde das Projekt vorgestellt, und Helmut Brunner erklärte den gut 30 Anwesenden, darunter auch der Landtagsabgeordnete Thomas Huber und Landrat Robert Niedergesäß (beide CSU), wie wichtig solche Ausflüge seien.

Ziel sei es, so Brunner, dass alle bayerischen Schulkinder lernen, wie hiesige Bauern Lebensmittel produzieren und Tiere halten. Der Minister strebe an, "dass jedes Kind einmal auf einem Bauernhof gewesen ist", sagte Ministerialrätin Monika Deubzer. "Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist der ideale Lernort, um Verständnis für den Wert unserer Lebensmittel und für das Wirtschaften in und mit der Natur zu wecken", sagte Brunner. Die Wertschätzung für unsere Nahrungsgüter sei jedoch verloren gegangen. "65 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr wirft jeder von uns statistisch betrachtet weg", so Brunner. Das Lernprogramm "Erlebnis Bauernhof" soll die Wertschätzung für gesunde Lebensmittel und die Arbeit der Landwirte wiederherstellen. Über 100 000 Schüler haben bis jetzt am Programm des Freistaats teilgenommen. Neu ist, dass auch alle Jahrgangsstufen der Förderklassen kostenfrei einen Bauernhof besichtigen können. Zuvor übernahm das Bayerische Staatsministerium nur die Vergütung für die dritten und vierten Klassen. "Die Buskosten müssen die Schulen aber selber tragen", sagte Deubzer.

Der Hof von Julia und Sebastian Esterl ist einer von mehreren Hundert Erlebnisbauernhöfen in Bayern. Ein Schulausflug wird vom Ministerium empfohlen.

(Foto: Christian Endt)

Die Vertreter aus der Politik mussten beweisen, dass sie nicht nur rhetorisch gewandt sind, sondern dass sie auch noch was von richtiger Landarbeit verstehen. In einem Wettbewerb mussten Niedergesäß, Huber und Brunner zum "Butterschütteln" gegen Kinder antreten. Hierbei wird Sahne solange in einem Gefäß geschüttelt, bis sie zu fester Butter wird. Anschließend durften sie die selbstgeschüttelte Butter auf Brot verschmiert verkosten. Den Erwachsenen wie den Schülern schmeckten die Schnittlauchbrote sehr gut.

Julia und Sebastian Esterls idyllisch gelegener Hof, der von Brunner als "paradiesisches Reich" bezeichnet wurde, gehört zu den 650 Erlebnisbauernhöfen in Bayern. Hierfür musste die Bäuerin, die zuvor 17 Jahre bei BMW gearbeitet hat, eine 16-tägige Ausbildung absolvieren. Ihnen sei unter anderem beigebracht worden, wie wichtig das Element Ruhe ist. "Kinder brauchen nicht immer Action", sagt Julia Esterl. Die insgesamt 28 Prüflinge lernten während ihrer Ausbildung die verschiedensten Hoftypen kennen, darunter auch eine Straußenfarm, erzählte sie. Mit den Schülern der Luise-Kiesselbach-Grundschule, die Kindern mit und ohne Behinderung offen steht, sei das erste Mal eine Schulklasse auf dem Hof zu Besuch.

Die Schüler der Luise-Kiesselbach-Grundschule forderten Helmut Brunner, Robert Niedergesäß und Thomas Huber beim "Butterschütteln" einiges ab.

(Foto: Christian Endt)

Für den zehnjährigen Niklas war der Besuch bei Familie Esterl der erste auf einem Bauernhof. Besonders begeistert zeigten er und seine Freunde sich von dem Melkroboter sowie den Kühen und Kälbern. Einer von ihnen hatte eine Wette verloren und hätte eines der Kälber küssen müssen. Er konnte sich dazu aber nicht überwinden. Fest steht für sie nur, dass sie unbedingt öfters Zeit auf einem Hof verbringen, am besten sogar Ferien auf Bauernhof machen wollen. Der Ausflug auf einen landwirtschaftlichen Betrieb sei zwar nicht verpflichtend im Lehrplan der Grundschulen verankert, erklärte Brunner, er werde aber empfohlen. Ihm sei wichtiger, dass die Motivation bei den Lehrkräften und den Kindern da sei.

© SZ vom 10.05.2016
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