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Gleiches Angebot:Fehde um die Flasche

Zwei Getränkehändler betreiben in Anzing ihre Läden Wand an Wand. Gute Nachbarschaft kann dabei nicht aufkommen

Nicht einmal einen Namen hat der Getränkemarkt von Gerald Partusch. Doch vor kurzem machten Schilder in seinem Schaufenster auf den kleinen Laden an der Münchner Straße in Anzing aufmerksam: "Wir bleiben da!" und "Wir gehören nicht zu Huber!" Damit gemeint ist Josef Huber. Der hat vor wenigen Monaten sein Geschäft "S'Anzinger Eck" eröffnet. Dort werden Schreibwaren und Süßigkeiten verkauft, aber eben auch Getränke. Zwei Händler in einem nicht ganz fairen Konkurrenzkampf. So sehen das zumindest gerade viele Anzinger. Und auch Gerald Partusch sieht sich als David, der Goliath gegenüber steht. Sein Nachbar Huber wiederum sieht sich als Opfer falscher Anschuldigungen.

"Die ganzen Anzinger gehen nicht in meinen Laden", sagt Josef Huber, der in seinem Geschäft zwischen Postkarten und Getränken steht. Er wirft seinem Nachbarn Gerald Partusch Verleumdung vor. Der lehnt gleich nebenan in seinem kleinen Getränkemarkt an einem Stapel von Limonadenkisten, den Kopf auf den Arm gestützt. "Ich will meinen Frieden haben - und mein Geschäft." Letzteres sah er vor einigen Monaten bedroht. Denn Josef Huber hatte Ende 2012 seinen neuen Laden eröffnet, und zwar gerade neben dem von Partusch. Zu dessen Missfallen: "Eine Nummer kleiner hätte es auch getan."

Bald nach Hubers Umzug tauchten Gerüchte auf, die Partuschs Kunden in seinen Laden trugen. Man glaube, er müsse sein Geschäft schließen oder sei Teil von Hubers Unternehmen. "Wir haben mit den Schildern nur darauf reagiert", sagt Partuschs Frau Renate. Für Huber aber waren sie ein Affront. Obwohl es später auch ein Plakat mit ausführlicherer Erklärung gab. Huber zufolge aber gab es ein weiteres Schild: Partusch zahle noch heute Schulden von 9000 Euro bei Huber ab. "Das ging zu weit." Einen Beweis für dieses Schild kann er nicht liefern. Beide Männer sagen jedenfalls: Der andere habe angefangen.

Die Vorgeschichte: Josef Huber war der Erste am Platze. Der kleine Getränkemarkt, den jetzt Partusch besitzt, war früher seiner, er ist selbständiger Getränkehändler mit Lieferdienst. So belieferte er auch die Familie Partusch in Ismaning, bis er 2005 den Anzinger Getränkemarkt aufgrund einer Erkrankung seiner Frau aufgeben musste. Gerald Partusch, der eben seinen Job als Programmierer verloren hatte, kam diese Gelegenheit wie gerufen - und so wurde er sich mit Josef Huber einig und kaufte den Markt inklusive Kundenstamm. Sieben Jahre lang lief alles gut. Huber belieferte nun Partuschs kleines Geschäft. Bis September 2012 trafen die beiden sich täglich. In der Zwischenzeit war auch Hubers Frau Brigitta genesen, mit ihr eröffnete er einen Schreibwarenladen in Anzing, inklusive Poststelle.

Doch dann der Bruch: Die Hubers expandierten. Und mieteten ausgerechnet den alten Penny-Markt in Anzing, zogen also neben Partuschs kleinen Laden, mit Poststelle, Schreibwaren - und Getränken. Bald darauf wechselte Partusch den Lieferanten. Huber verteidigt seinen Umzug. "Der alte Laden war viel zu klein für Post und Schreibwaren zusammen", sagt der Geschäftsmann. Zudem benötige er ausreichend Parkplätze für die Kundschaft. Und die habe es nur bei dem ehemaligen Penny-Markt gegeben. Allerdings waren die neuen Räume etwas zu groß. "Den Markt kann man nicht schrumpfen", sagt Huber. Deshalb habe er beschlossen, den Platz mit Getränkekästen zu füllen. Schließlich müsse er sich um seine Altersvorsorge kümmern und könne nicht mehr lange Kästen in den vierten Stock hoch tragen.

Die unmittelbare Konkurrenz zwischen den beiden Unternehmern stößt bei vielen Menschen in Anzing auf Unverständnis. "Zuerst verkauft Huber dem Partusch das Geschäft und dann macht er hinterdrein ein neues auf", sagt Mathias Furtmair, der Junior des Anzinger Edeka-Lebensmittelmarktes. So wie er dächten alle, die er kenne. Und Partusch ebenso: "Wir sind halt viel kleiner", den Vergleich mit David und Goliath findet er angemessen. Ein alteingesessener Anzinger meint: "Der Kleine wird so unterstützt, das ist der Wahnsinn, das grenzt fast an Mobbing gegenüber Huber." Auch Georg Titze etwa, der in Anzing einkauft, meint: "Die Situation ist nicht gut für den Kleinen. Aber die, die das genehmigt haben, haben sich wohl was dabei gedacht." Er nennt das "Verdrängungswettbewerb". Das Rathaus hingegen, wo Gewerbe angemeldet werden müssen, verweist auf die Neutralität der Behörde: "Wir mischen uns da nicht ein", sagt Bauamtsleiter Helmut Wimmer. Nur aus baurechtlichen Gründen könne die Gemeinde eine Genehmigung verhindern.

Gerald Partuschs Frau Renate erzählt: "Zuerst hatte ich Angst, dass es für keinen von uns mehr reichen wird." Zumindest für Partusch aber gilt das nicht: Er habe keine Kunden verloren, eher hinzugewonnen. Der Getränkemarkt seines Nachbarn dagegen hat keinen leichten Stand: "Wir kämpfen schon, so ist das nicht", sagt Huber. Er verteidigt sich gegen die Meinung derer, die er als Mehrheit empfindet: "Die meinen bloß alle: Der hat einen Lastwagen und eine Schänke - und deshalb ist er groß." Er sei zwar sehr präsent im Ort. Aber nur Heimdienst und Getränkemarkt seien seine Firmen, den Schreibwarenladen und die Post führe seine Frau. Gerald Partusch betreibt noch einen Waschsalon, allerdings in Garching. Auch deshalb, meint Huber, sei die Wahrnehmung im Ort von ihm als dem großen Unternehmer falsch. "Aber ich wusste, dass das Probleme geben würde." Eine Alternative zum Umzug an diese Stelle habe es für ihn jedoch nicht gegeben.

Partusch drückt sogar ein gewisses Verständnis aus für die Lage seines Konkurrenten: "Er ist allein mit seinem Lieferunternehmen", er könne das vielleicht nicht mehr lange ausüben. "Ich will ihn nicht schlechtmachen", betont Partusch und dementiert damit Vorwürfe Hubers. Der wiederum möchte richtig stellen: "Ihn kaputt machen zu wollen, das liegt mir fern. Ich kann's ihm nicht verdenken, dass er mir böse ist." Dennoch, Renate und Gerald Partusch wollen, dass "endlich Gras über die Sache wächst". Ihr Nachbar glaubt nach eigener Aussage jedoch nicht an einen Friedensschluss. Aber andere Unternehmer, so meint Huber, lebten auch so: mit einem direkten Konkurrenten vor Ort.

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