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Gemeinderat:Kirchseeon sucht ein Netzwerk zum Energiesparen

Die Fachleute werden Liegenschaften der Gemeinde - hier das Rathaus - genau unter die Lupe nehmen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Gemeinsam mit anderen Kommunen will man herausfinden, in welchen Bereichen Verbesserungen für den Klimaschutz möglich sind

Die Marktgemeinde will künftig mehr für den Klimaschutz tun - und dabei möglichst auch noch Geld sparen. Daher will sich Kirchseeon einem kommunalen Energieeffizienznetzwerk anschließen, das es nicht nur ermöglicht, von anderen Städten und Gemeinden zu lernen, sondern auch Fachwissen nach Kirchseeon holt. Unter anderem werden die Experten zehn Liegenschaften der Gemeinde auf Einsparpotenziale untersuchen.

Der Marktgemeinderat beurteilte die Idee in seiner Sitzung am Montagabend sehr positiv. Einstimmig befürwortete das Gremium den Vorschlag, sich einem Netzwerk anzuschließen - mit einer kleinen Einschränkung: Sollte die örtliche Energieagentur oder das Eberwerk Ähnliches im Angebot haben wie das Projekt, das das Institut für systemische Energieberatung (ISE) an der Hochschule Landshut federführend betreut, würde man möglicherweise die Zusammenarbeit überdenken.

Einen Rückzieher könnte Kirchseeon notfalls noch bis September machen, dann nämlich muss die Interessensbekundung für das neue Energieeffizienznetzwerk eingereicht werden. Noch vor der Abstimmung hatte sich Bürgermeister Udo Ockel (CSU) mit einem eher rustikal-bayerischen Lob für das Projekt ausgesprochen: "Wenn wir das für einen Schmarrn halten würden, hätten wir Sie gar nicht erst eingeladen", sagte er zu Petra Denk, ISE-Geschäftsführerin und Professorin an der Hochschule Landshut, die das Projekt vorstellte.

Das ISE betreut bereits drei Netzwerke, also Zusammenschlüsse von sechs bis zwölf Kommunen, die das gemeinsame Ziel verfolgen, Energie einzusparen. Sie profitieren laut Denk von den vierteljährlichen Netzwerktreffen mit Fachvorträgen zu bestimmten Themen. Darüber hinaus bringe auch der Austausch der Kommunen untereinander oft wichtige Erkenntnisgewinne. Die Treffen finden wechselweise in den beteiligten Gemeinden statt, dabei können auch lokale Projekte vorgestellt werden. Auch übergreifende Ziele definieren die beteiligten Netzwerkgemeinden. Nach Angaben Denks geht es hingegen weniger darum, gemeinsame Projekte der beteiligten Kommunen voranzutreiben. Daher sei eine räumliche Nähe auch nicht erforderlich.

Der zweite Aspekt bei dem Projekt ist allerdings ganz konkrete Unterstützung, die auf die Marktgemeinde zugeschnitten ist. Bei zehn Liegenschaften, die die Gemeinde auswählt, gehen Fachleute auf die Suche nach Einsparmöglichkeiten bei Wärme und Strom. Laut Denk gelang es in der Vergangenheit, den Verbrauch im Schnitt um etwa zehn Prozent zu vermindern. Insgesamt 30 Beratertage stehen jeder beteiligten Gemeinde zu, diese werden laut Denk meist durch die Analyse der Liegenschaften allein nicht verbraucht - die Gemeinden können das Fachwissen also auch noch auf andere Weise für sich nutzen. Insgesamt ist das Projekt auf drei Jahre ausgelegt, die Kosten für die Gemeinden halten sich in Grenzen. Denn die Energieeffizienznetzwerke erhalten eine 60-prozentige Förderung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Kirchseeon müsste pro Jahr gerade einmal etwa 6000 Euro zuschießen. Mit im Boot ist auch das Bayernwerk, das offiziell als Netzwerkträger fungiert. Inhaltlich nehme der Energieversorger aber keinen Einfluss auf die Arbeit der Netzwerkgemeinden, versicherte Denk.

Sollte Kirchseeon nach Rücksprache mit dem Eberwerk und der Energieagentur sein Interesse aufrecht erhalten, könnte im September der Förderantrag gestellt werden, falls sich dann die notwendigen sechs Kommunen, die nicht zwingend aus dem Landkreis kommen müssen, für eine Kooperation gefunden haben. Man sei aber zuversichtlich, dass das gelingen werde, sagte Denk am Dienstag - allerdings sei man auch weitere Interessen offen. Mit einer Bewilligung des Förderantrags rechnet man beim ISE bis Anfang 2020, dann könnte auch das Initialtreffen stattfinden.