Gegen Coronaviren:Kisten für Klassen

Die Gemeinde Vaterstetten beschafft zusätzliche Raumlüfter - wie viele man braucht, ist allerdings noch unklar

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Auch in Vaterstetten werden zum kommenden Schuljahr neue Einrichtungsgegenstände in den Klassenzimmern stehen: mobile Raumlüfter. Diese sollen die Corona-Ansteckungsgefahr vermindern, die Staatsregierung hat ziemlich deutlich gemacht, dass sie von den Sachaufwandsträgern erwartet, die Geräte zu beschaffen, und unterstützt dies mit einer Förderung von 50 Prozent. Wie hoch diese für Vaterstetten ausfällt, ist noch nicht ganz klar, der Zuschuss hängt davon ab, ob auch die Kitas Luftfilter bekommen und ob die in der Grund- und Mittelschule fest verbaute Lüftungsanlage wirklich die Mobilgeräte ersetzen kann.

Insgesamt gibt es in den vier gemeindlichen Schulen - die Grundschulen in Parsdorf, an der Wendelstein- und der Brunnenstraße sowie die Grund- und Mittelschule am Sportzentrum - 78 Räume, inklusive Mittagsbetreuung. Deren Zimmer sollen zwar ebenfalls mit Lüftern ausgestattet werden, 19 Stück wären dafür nötig - zahlen müsste dafür aber ausschließlich die Gemeinde, denn nur für Fach- und Klassenräume gibt es Fördergeld.

Bereits beschafft hat die Gemeinde im Frühjahr diesen Jahres 15 mobile Luftfilter, so dass, sollten auch die Räume der Mittagsbetreuung berücksichtig werden, rein rechnerisch 63 zusätzliche Geräte angeschafft werden müssten. Allerdings hat die Grund- und Mittelschule eine moderne Lüftungsanlage eingebaut, seitens der Gemeinde geht man davon aus, dass diese die Mobilgeräte ersetzen kann, damit läge der Bedarf nur noch bei 31 Lüftern.

Zumindest, wenn die Kitas nicht auch noch ausgerüstet werden müssen. Wie Jasmin Marussis-Kley von der Abteilung Familie und Bildung auf Nachfrage von Axel Weingärtner (Grüne) erklärte, hätten die Kitas bislang noch keinen Bedarf angemeldet. In den Einrichtungen wurden bereits in allen Gruppenräumen CO₂-Sensoren installiert. Diese sollen zeigen, wann es wieder Zeit ist, zu lüften. Die Verwaltung habe zudem bei allen Trägern von Kindergärten und Krippen im Gemeindegebiet bereits nachgefragt, ob diese mobile Luftfilter in ihren Einrichtungen haben wollten. Zumindest von zwei der größten Träger - von der AWO und dem Kinderland - kam bereits eine Absage. Noch nicht abgemeldet - oder eben Bedarf angemeldet - haben die übrigen Träger, laut Verwaltung würde dies maximal 56 weitere Geräte ausmachen.

Weingärtner wollte noch wissen, wie die Erfahrungen mit den bereits beschafften Lüftern seien. Dies vor dem Hintergrund, dass es immer wieder Beschwerden gibt, die Geräte seien zu laut, so dass sie ausgeschaltet werden müssten, um normalen Unterricht zu ermöglichen. Dies ist in Vaterstetten jedoch offenbar nicht der Fall, wie Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) zu berichten wusste: Bislang habe man sehr positive Rückmeldungen bekommen. Die eingesetzten Geräte seien "leise und platzsparend", so zumindest die Erfahrungen aus den Schulen. Dementsprechend viel seien die Anlagen auch im Einsatz, sie könnten ganztägig im Unterricht genutzt werden.

Derzeit sind in den Grundschulen in der Brunnen- und in der Wendelsteinstraße jeweils sechs Geräte sowie drei weitere Geräte in der Grundschule Parsdorf eingesetzt. Nur für die neue Grund- und Mittelschule gab es keine mobilen Lüfter, eben wegen der modernen Lüftungsanlage. Trotzdem wird nicht nur maschinell, sondern weiterhin auch manuell gelüftet: ganz klassisch über die Fenster. Denn auch die Schulen haben in diesem Jahr CO₂-Messgeräte bekommen.

Man werde bei den neu zu beschaffenden Geräten wieder das gleiche Modell wählen wie bei den 15 Lüftern, die schon seit dem Frühjahr in den drei Schulen im Einsatz sind, so Spitzauer, schließlich hätten sich diese schon bewährt. Für die Ausrüstung der Schulen mit mobilen Lüftungsanlagen hatte der Gemeinderat bereits bei der Verabschiedung des Haushaltes im Frühjahr 10 000 Euro veranschlagt. Gefördert werden vom Freistaat 50 Prozent der Kosten für Kauf, Miete oder Leasing, allerdings nur bis zu einer Obergrenze von 1750 Euro pro Gerät beziehungsweise pro Raum. Nicht enthalten sind Kosten, die durch höheren Personal- und Verwaltungsaufwand sowie durch den Betrieb und die Wartung der Anlagen entstehen. Zumindest die Stromkosten dürften nicht ganz unerheblich sein, laut Verwaltung liegt der durchschnittliche Verbrauch bei 105 Watt pro Lüftungsgerät.

Dass man diese trotzdem braucht, um im Herbst zumindest die Chance auf einen geregelten Schulbetrieb zu haben - eine Garantie dafür verweigert die Staatsregierung hartnäckig - war Konsens im Gemeinderat. Ohne weitere Diskussion und Gegenstimmen wurde die Beschaffung der mobilen Luftfilter für die Vaterstettener Schulen beschlossen.

© SZ vom 27.07.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB