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Geburtstag in Grafing:Der grüne Rote

Olaf Rautenberg

Olaf Rautenberg hat über die Jahre immer wieder bewiesen, dass sich mit Beharrlichkeit und Hirnschmalz so einiges erreichen lässt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bund Naturschutz-Kreisvorsitzender Olaf Rautenberg wird 75

Von Thorsten Rienth, Grafing

Wer sich mit ihm auf einen Schlagabtausch einlässt, der sei gewarnt: Es wird lange dauern. Es wird anstrengend. Und es wird bei Mängeln in der Nachweisführung unangenehm enden. So mancher kann ein Liedchen davon singen, gerade in Grafing, wo der Bund Naturschutz-Kreisvorsitzende Olaf Rautenberg zuhause ist. Diesen Samstag feiert der Vater zweier Töchter seinen 75. Geburtstag.

Zu spüren bekommen hatte das zum Beispiel einst ein namhafter Verkehrsexperte im vollbesetzten "Heckerkeller". Dort war es im Herbst 2008 gerade um das sogenannte Kurzak-Gutachten zur damals noch geplanten Grafinger Ostumfahrung gegangen. Es sollte darlegen, warum die Trasse aus Sicht des Freistaats für die Grafinger Verkehrsentlastung dringend nötig wäre. Der Verkehrsexperte zappte also eine halbe Stunde durch allerlei Folien mit Pfeilen von nach Grafing rein- und wieder rausfahrenden Autos. Dann unterbrach ihn Rautenberg, der solange in den Taschenrechner tippte: "Kann mir mal jemand erklären, was mit den 2000 Fahrzeugen passiert ist, die nach Grafing reinfahren aber nicht mehr rausfahren?" Wie könne man bitteschön dem Gutachten als Ganzes Glauben schenken, wenn schon im Kleinen derart logische Fehler auftauchten? Wumms.

Natürlich, die Umfahrung konnte Rautenberg nicht verhindern. Obendrein stellte sich ihre Entlastungswirkung auf die Grafinger Innenstadt als deutlich höher heraus, als selbst die Optimisten unter den Umfahrungs-Befürwortern damals argumentierten. Wohl aber machte Rautenberg deutlich: Mit Beharrlichkeit und Hirnschmalz lässt sich so einiges zumindest verzögern. Auch, indem man früh genug ein paar Quadratmeter Acker kauft, um dann als Betroffener gegen einen Planfeststellungsbeschluss klagen zu können.

Nach Grafing war der Flensburger über weite Umwege gekommen. In den 1970er Jahren hatte es Rattenberg beruflich für sieben Jahre nach Mexiko verschlagen. Für den Rückweg, der aus damaliger Perspektive mehr ein Hinweg war, wählte Rautenberg eine eher ungewöhnliche Route über die Südsee.

Wenngleich einst Mitglied des Siemens-Betriebsrats ist Rautenbergs Parteizugehörigkeit angesichts seines Naturschutz-Fokus kaum weniger ungewöhnlich. Ehe er zu den Kommunalwahlen 2014 seinen Abschied ankündigte, saß er über Wahlperioden hinweg für die SPD im Grafinger Stadtrat. An der Spitze des landkreisweiten Agenda-21-Arbeitskreises für Energie und Ressourcen machte er dagegen ebenso weiter wie als Vorsitzender des BN-Kreisverbands.

"In der Summe konnte Olaf Rautenberg diese Aufgabenvielfalt nur wahrnehmen, weil er Naturschutz als Vollzeitbeschäftigung versteht und betreibt", schreiben seine BN-Kollegen Jochen Carl und Klaus Schöffel in einer Pressemitteilung zu Rautenbergs Geburtstag. "Jetzt steht er als Naturschützer auf der Seite des Lebens, welches - da ohne Lobby - immer des Schutzes engagierter Menschen bedarf."

© SZ vom 10.04.2021
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