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Für Hirn und Herz:Romane für den Urlaub

Sommerbücher Romane für den Urlaub Lesetipps von Ulrike Wolz aus Vaterstetten

Lauter tolle Bücher für den Koffer empfiehlt die Literaturexpertin Ulrike Wolz aus Vaterstetten.

(Foto: Privat)

Ulrike Wolz aus Vaterstetten gibt wertvolle Lesetipps

Wie jedes Jahr hat man die Qual der Wahl, welches Buch man in den Koffer packt oder als E-Book herunterlädt, um im Urlaub ungetrübte Lesestunden genießen zu können. Die Literaturexpertin Ulrike Wolz aus Vaterstetten empfiehlt hier acht Romane für jeden Geschmack.

Ein Krimi, der sich auf fast altmodische Weise Zeit lasse für seine Figuren und umso sympathischer daherkomme, sei "Das Dorf in den roten Wäldern" von Louise Penny. Der erste Fall für Chief Inspector Gamache führt ihn in ein Dorf bei Quebec, in dem eine pensionierte Lehrerin mit einem Jagdpfeil getötet wurde. Bei der Suche nach dem Mörder, die sich - trotz begrenzten Personals - schwierig gestaltet, verliebt sich der Ermittler in das charmante Dörfchen mit seinen sympathischen Bewohnern. Wer lieber "was für den Geist" lesen möchte, sollte hingegen zu Markus Orths' "Picknick im Dunkeln" greifen. Eine witzige, geistreiche und absurde Geschichte: Zwei Männer begegnen sich in völliger Dunkelheit: Wandernd kommen sie ins Gespräch und erzählen. Es handelt sich um Thomas von Aquin, Philosoph, und Stan Laurel, Stummfilmkomiker. Es trennen sie 700 Jahre und unterschiedlichste Lebenserfahrungen. "Und doch sind sie beide ein Vorbild für Toleranz und Verständnis für Andersdenkende. Eine außergewöhnliche Leseerfahrung", urteilt Ulrike Wolz.

Außerdem empfiehlt sie "Der Klavierstimmer Ihrer Majestät" von Daniel Mason: Das britische Kriegsministerium schickt 1887 einen Klavierstimmer in den Dschungel Burmas, um einen flügel zu reparieren. Dieser Debütroman von Mason ("Der Wintersoldat") von 2002 sei besonders für Fans von Myanmar geeignet, "doch die aufregende Kolonialgeschichte ist - trotz des für mich unbefriedigenden Endes - auch für alle anderen sehr lesenswert". Zur Entspannung dienen sollte laut Wolz Anne Müllers Roman "Zwei Wochen im Juni". Den Plot kenne man zur Genüge: Zwei Schwestern räumen das Elternhaus aus und finden Briefe, durch die sie ihre Mutter besser verstehen können. Trotzdem gibt es eine Empfehlung: "Die Figuren sind absolut authentisch, alle Reaktionen stimmig und nichts ist an den Haaren herbeigezogen. Eine wunderbare kleine Sommergeschichte!"

Als "Thriller mit gesellschaftlicher Relevanz" bezeichnet Wolz Jodi Picoults "Der Funke des Lebens". Die Autorin stehe für die gelungene Aufarbeitung gesellschaftlicher Probleme in spannenden Familiengeschichten. Hier ist es das Thema Abtreibung, das sie verpackt in einen Anschlag auf eine Klinik. "Jede Figur wird mit ihren speziellen Problemen in Sachen Elternschaft stimmig beschrieben und das Ganze höchst spannend chronologisch rückwärts erzählt. Das wirkt zu Anfang verwirrend, führt aber zu einem großen Lesesog." Was für die Handtasche sei "Hitze" von Victor Jestin. Ein Campingplatz an der Atlantikküste: Ein 17-Jähriger findet seinen Freund, der sich gerade selbst getötet hat, und verbuddelt ihn aus einem Impuls heraus im Sand. Wie soll er inmitten feiernder Jugendlicher, beobachtet von seiner Familie und aufgeheizt durch die Zuneigung zu einem Mädchen mit dieser Tat fertig werden? "Der Roman beschreibt zwei Tage im Ausnahmezustand. Und auch dem Leser wird heiß, der Sand juckt überall..."

Was für's Herz: "Das Beste kommt noch" von Richard Roper. "Das gab's noch nie: Einen Nachlassverwalter als Titelfigur! Der sehr zurückgezogen lebende Andrew kümmert sich um die Begräbnisse von einsam Verstorbenen. Sein eigenes, mühsam aufgebautes Lügengebäude um ein glückliches Familienleben droht einzustürzen, als eine neue Kollegin auftaucht. Aber auch die hat ihr Päckchen zu tragen. Wie sich die beiden einander allmählich öffnen, ist mit solchem Humor und Einfühlungsvermögen geschrieben, dass es das Herz jedes Lesers wärmt!" Wer hingegen ein großes Familienepos sucht, dürfte mit Nino Haratischwilis Wälzer "Das achte Leben" glücklich werden. 100 Jahre Historie Georgiens sind hier eng verwoben mit einer Familiengeschichte, in der die Frauen die Hauptpersonen sind. "Vor lauter Intrigen, Hass, Verzweiflung, tragischer Liebe und politischen Verbrechen wird es nie langweilig. Und Geschichtsunterricht fürs Leben gibt's gratis dazu. Endlich lesen - auch für Männer!"

Weitere Vorschläge von Ulrike Wolz findet man unter www.literatur-lesung.de.

© SZ vom 12.08.2020 / sz

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