Flüchtlinge Der nächste Schritt

Den ganzen Tag im Grünen und dabei zum Beispiel Gurken ernten: Den beiden Eritreern gefällt ihre Arbeit in der Gärtnerei gut.

(Foto: Christian Endt)

Den meisten Anzinger Asylbewerbern konnten erfolgreich Arbeitsstellen vermittelt werden. Ein einfacher Weg ist das jedoch nicht

Von Lea Weinberg

Die Flucht ist lang und anstrengend. Wer es bis nach Deutschland schafft, hat meist Unvorstellbares durchmachen müssen. Alles Vertraute wird zurückgelassen, Familien werden geteilt. Die Flucht vor Krieg, Verfolgung und existenzieller Bedrohung führt durch eine Vielzahl an Ländern und, wie bei den zwanzig Flüchtlingen aus Eritrea, die in Anzing untergebracht sind, auch über das gefährliche Mittelmeer. Nach der Erstaufnahme in der Bayernkaserne in München sind zwanzig Eritreer in Anzing angekommen.

Noch sind alle Asylanträge der neuen Bewohner in der Wendelsteinstraße in Bearbeitung. "Bei dem Herkunftsland Eritrea scheint das besonders lange zu dauern", sagt Elisabeth Stanglmeier vom örtlichen Helferkreis, "wir hoffen aber, dass es bald passiert". Dennoch bekommen alle Asylbewerber entsprechend der aktuellen Gesetzgebung nach einem Aufenthalt von drei Monaten in Deutschland eine Arbeitsgenehmigung. Die Chancen auf eine Arbeitsstelle mit diesem Status sind in der Realität aber gering, da es laut dem Gesetz bevorrechtigte Arbeitnehmer gibt, also Deutsche, anerkannte Flüchtlinge oder EU-Ausländer. In Anzing allerdings konnten bisher dank des engagierten Helferkreises zwölf der zwanzig Asylbewerber erfolgreich an eine Arbeitsstelle vermittelt werden - vom 450-Euro-Job bis zur Vollzeitstelle. "Die haben sich alle sehr gefreut", erzählt Elisabeth Stanglmeier vom Anzinger Helferkreis. Für fünf Eritreer unter 25 visiert der Helferkreis eine Ausbildung an, drei sind schon in einem Praktikum, für zwei wird derzeit noch nach Praktikumsstellen gesucht. Ein Antrag eines Asylbewerbers auf eine Vollzeitstelle läuft auch noch, der Bescheid sei noch nicht gekommen, so Stanglmeier. Und zwei der über 25-Jährigen Asylbewerber "hängen momentan noch in der Luft", doch Elisabeth Stanglmeier zeigt sich zuversichtlich: "Da tut sich laufend was", sagt sie.

Auch in Zorneding laufe die Suche nach möglichen Arbeitsstellen, erklärt Angelika Burwick vom örtlichen Helferkreis. Fünfzig junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren aus Afrika sind in Zorneding untergebracht. "Unsere Jungs sprechen noch zu wenig Deutsch, um in ihren Ausbildungsberufen zu arbeiten", sagt Angelika Burwick. Grundsätzlich sei es aber das Ziel, die Flüchtlinge in den von ihnen gelernten Berufen unterzubringen. Momentan suche der Helferkreis bei Zornedinger Firmen nach Hilfsarbeiten, die auch ohne große Deutschkenntnisse ausgeführt werden könnten, so Angelika Burwick. Anfragen von möglichen Arbeitsstellen, die Hilfsarbeiter brauchen, gäbe es schon. "Das soll es für den Anfang und auch als Motivation für das Deutsch lernen sein", erklärt sie.

Auch in Anzing sucht der örtliche Helferkreis immer nach möglichen Arbeitsstellen. "Gerade die Familien kümmern sich darum", erklärt Elisabeth Stanglmeier. "Das lief natürlich nicht in offiziellen Bahnen". Doch auf der Suche nach potenziellen Arbeitgebern wäre noch nie etwas Negatives zurückgekommen. "wenn einer keinen braucht, dann braucht er eben keinen", sagt Elisabeth Stanglmeier. Außerdem würde niemand in ein Arbeitsverhältnis gezwungen werden, das ihm nicht gefällt. Dafür gibt es die Möglichkeit der Praktika, durch die beide Seiten herausfinden können, ob der Beruf passt.

Kritik übt die engagierte Helferin an der Bürokratie der Prozesse. Für jede potenzielle Betätigung, sei es ein Praktikum oder eine Arbeitsstelle, muss ein Antrag über das Ausländeramt an die Arbeitsagentur geschickt werden. So käme es zu Situationen, in denen die Arbeitsstellen vom Arbeitgeber schon sicher zugesagt sind, aber alle Beteiligten noch zwei bis drei Wochen warten müssen, bis die Betätigung im besten Falle genehmigt werde. "Da sind wir auch den Arbeitgebern dankbar für ihre Geduld", so Stanglmeier. Auch investiere die Politik nicht in Sprachkurse, denn die seien zu teuer. Deshalb organisiert der Helferkreis laufend ehrenamtliche Deutschkurse und arbeitet mit Sprachpaten. "Aber welcher Arbeitgeber nimmt jemanden, der bisher nur den ehrenamtlichen Deutschkurs hatte", sagt Elisabeth Stanglmeier, "dabei kritisiere ich nicht die Arbeitgeber, sondern die Politik". Außerdem sei das Erlenen einer neuen Sprache auch eine Altersfrage. "Unsere Jungs sind alle wirklich ehrgeizig, aber natürlich tun sich die Älteren schwerer, das ist eine ganz normale Mischung, wie bei uns", so die Helferin.

Der deutsche Handwerkskammertag "Das Handwerk" würde auch laufend Auszubildende suchen, sagt Elisabeth Stanglmeier. Aber wenn ein Flüchtling noch nicht anerkannt ist, kann er in den ersten beiden Jahren noch abgeschoben werden, ab dem dritten Jahr Aufenthalt nicht mehr. So sei die Einstellung von Auszubildenden für die jeweiligen Unternehmen meist sehr riskant. Auch der Besuch einer Berufsschule während einer Ausbildung sei ohne Deutschkenntnisse prekär. "Eine Vereinfachung wäre gut, auch für die Arbeitgeber", sagt Elisabeth Stanglmeier.

Die Möglichkeit eines kurzen Praktikums für alle Altersstufen "würde allen Seiten helfen", sagt die ehrenamtliche Helferin. Da ein Flüchtling oft keine dokumentierte Berufsausbildung vorlegen könne, würde ein Praktikum Abhilfe schaffen. Altersbedingt würden viele Asylbewerber allerdings schon vor dem Eintritt ins Berufsleben scheitern. Durch ein Praktikum könnten Arbeitgeber und potenzieller Arbeitnehmer herausfinden, ob eine Eignung vorhanden ist.

Einer der Anzinger Asylbewerber macht derzeit ein vierwöchiges Praktikum in der Altenpflege. Er müsse auch erst herausfinden, was "bei uns darunter verstanden wird", erklärt Elisabeth Stanglmeier. "Wenn er das machen möchte, setzen wir aber alle Hebel in Bewegung". Man müsse da immer mit einer positiven Einstellung rangehen. "Ich sag ja auch nicht, ,es fehlen noch fünf Laptops', sondern ,die kriegen wir sicher noch'", sagt die ehrenamtliche Helferin und lacht.