Erster im Landesfinale Ein begabter Redner

Manchmal muss Joshua Steib auch Positionen vertreten, hinter denen er persönlich nicht steht.

(Foto: Privat)

Der Vaterstettener Gymnasiast Joshua Steib darf zu "Jugend debattiert" nach Berlin

Von Valentin Tischer, Vaterstetten

Mit klugen Argumenten und geschickter Gesprächsführung hat Joshua Steib überzeugt. Der 16-jährige Schüler geht in die zehnte Klasse des Humboldt-Gymnasiums Vaterstetten. Beim Landesfinale von "Jugend debattiert" im Münchner Maximilianeum hat er den ersten Platz in seiner Altersklasse erreicht und nimmt nun an der Qualifikation für das Bundesfinale teil, auf das er sich schon sehr freut.

Angefangen habe alles in der neunten Klasse, erzählt Joshua. Eine Schulaufgabe im Fach Deutsch ist am Humboldt-Gymnasium als Debatte gestaltet. Nach der Klausur habe ihn sein Lehrer darauf angesprochen, ob er nicht einmal bei "Jugend debattiert" mitmachen wolle. Was er dann auch getan hat. Über die Schul-, Landkreis- und Bezirksrunde sei er beim Landeswettbewerb gelandet, erzählt er. Schon 2018 hat er am Landesfinale teilgenommen und dabei den vierten Platz belegt. Um in diesem Jahr noch einmal teilnehmen zu können, hat er in seiner Schule einen Debattier-Arbeitskreis gegründet und von neuem am Schulwettbewerb teilgenommen. Wieder hat er sich durch alle Runden argumentiert und diesmal das Landesfinale als erster seiner Altersklasse abgeschlossen.

Einen strengen Vorbereitungsplan hat er nicht, wie er sagt. Vielmehr kommt es auf die Themen an. "Die Themen werden zehn Tage vor dem Wettbewerb bekanntgegeben und da muss man sich erst einmal einlesen", erklärt Joshua. Danach schlage er zentrale Begriffe nach und bilde sich einen Themenrahmen, sagt der 16-Jährige. Die Suche nach Pro- und Contra-Argumenten bildet den vorletzten Schritt. Im letzten Schritt verfeinert er seine Argumente, indem er beispielsweise Metaphern und Argumente sucht.

Von "Jugend debattiert" wird er in seiner Vorbereitung auch unterstützt. "Vor dem Landesfinale besucht man ein viertägiges Rhetorik-Training", erklärt Joshua. Bei den Kursen lernt er auch seine Mitdebattierer kennen. Für die Bundesqualifikation und das Finale geht es für ihn zu einem weiteren Kurs nach Frankfurt, um fünf Tage lang Überzeugen zu lernen und die anderen 32 Teilnehmer kennenzulernen. "Darauf freue ich mich schon total", sagt Joshua.

Konkurrenzdenken unter den verschiedenen Teilnehmern gebe es nicht. "Es verstehen sich alle immer super, weil man ja oft die gleichen Interessen hat", erklärt er. Auch im Wettbewerb gehen die Debattierer fair und respektvoll miteinander um. "Jeder freut sich für den anderen, wenn er weiterkommt. Es wissen ja alle, dass das oft von der Tagesform oder Glück abhängt", sagt der Schüler. Er fügt an, dass der Wettkampf von einer fairen Debattenkultur lebe und Konkurrenzdenken nicht dazu passe.

Die Themenzuweisung ist für die Teilnehmer ein Glücksspiel. "Man muss auch manchmal Standpunkte vertreten, die überhaupt nicht die eigene Meinung sind", erklärt der Gymnasiast. Im Landesfinale 2018 musste er für eine Begrenzung des Wildschweinbestandes argumentieren, was ihm als umweltverbundenen Schüler nicht leicht gefallen sei. Aber darin sieht er etwas Positives. "Man lernt auch mal die andere Seite kennen", sagt er.

Auf die Themen für das Bundesfinale kann sich Joshua nicht vorbereiten. "Es gibt einfach zu viele Themen, die politisch relevant sind", sagt der Landessieger. Aber sei ja generell hilfreich, gesellschaftlich breit informiert zu sein, erklärt er. Neben den vielen Themen möchte er vor allem auf seinen Ausdruck in normalen Gesprächen achten. "Ähms" will er in Zukunft vermeiden. Unterstützung hat er in der Vergangenheit immer von seiner Schulkoordinatorin erhalten, auch beim Landesfinale war sie mit von der Partie. Sie habe ihm auch die Zeit in der Schule freigeräumt, wenn er beispielsweise auf Wettbewerben war, erzählt der Gymnasiast.

Was die Zukunft für Joshua bereithält weiß er noch nicht. Dass er mit seinem Rhetorik- und Diskussionstalent unbedingt in die Politik gehen müsste, wie manche meinen, sieht er nicht. "Auf Kommunikation kommt es ja auch in vielen anderen Bereichen an", erklärt er.

Wie weit Joshua Steib noch bei "Jugend debattiert" kommen wird, entscheidet sich vom 20. bis 22. Juni. Dann stehen in Berlin die Qualifikation und das Bundesfinale des Wettbewerbs an, wo die 32 Landessieger und Zweitplatzierten ihre Argumente austauschen und am Schluss ein Sieger gekürt wird.