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Erreger nachgewiesen:Erste Coronavirus-Infektion im Landkreis Ebersberg

Coronavirus - Labortests

Ein Labortest hat bei einem 52-Jährigen aus dem südlichen Landkreis das Virus nachgewiesen.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Ein 52-Jähriger ließ sich prophylaktisch untersuchen, weil er berufliche Kontakte nach Italien hat. Der Mann, dessen Familie und Kollegen stehen nun unter häuslicher Quarantäne

Das Coronavirus ist im Landkreis Ebersberg angekommen: Ein 52-jähriger Mann aus dem südlichen Landkreis mit beruflichen Kontakten nach Italien hat sich angesteckt. Er leidet bisher unter keinerlei Symptomen und hatte sich nur prophylaktisch untersuchen lassen, das hat das Landratsamt Ebersberg am Sonntag mitgeteilt. Der Mann und seine Mitarbeiter, die überwiegend in München wohnen, stehen unter häuslicher Quarantäne. Ebenso seine Frau und die Tochter, die vor den Ferien eine Münchner Schule besuchte.

Bereits am Freitag war bei einem Test das Coronavirus nachgewiesen worden, am Sonntag war das Ebersberger Gesundheitsamt noch dabei, sich mit möglichen Kontaktpersonen in Verbindung zu setzen und bei ihnen ebenfalls einen Test zu veranlassen. Die Untersuchungsergebnisse standen zunächst noch aus.

In der Kreisklinik ist man seit langem darauf vorbereitet, dass das Coronavirus auch hier auftritt, wie Geschäftsführer Stefan Huber am Sonntag betonte: "Es war ja vorhersehbar, dass der Landkreis Ebersberg - wie wahrscheinlich der Rest der Welt - auf die Dauer nicht verschont bleiben würde."

Sollten Patienten mit dem Verdacht auf eine durch das Coronavirus ausgelöste Erkrankung in die Kreisklinik kommen, werden diese bereits in der zentralen Notaufnahme isoliert, getestet und mit einem Mundschutz ausgestattet. Behandelt würden die Patienten isoliert von den übrigen Kranken in der Kreisklinik. Sollte die Zahl der Erkrankungen stark ansteigen und der Bedarf bestehen, könnte man laut Huber auch eine eigene Isolierstation mit einer Zugangsschleuse einrichten. In einer solchen Station könnten 22 Patienten gleichzeitig behandelt werden.

Allerdings wird sicher nicht jeder, bei dem das Virus nachgewiesen wird, in der Kreisklinik bleiben müssen, wie Huber erläutert. Infizierte, die überhaupt keine oder nur sehr schwache Symptome zeigen, könnten auch in häuslicher Isolation abwarten, bis die Gefahr vorüber ist, dass sie andere anstecken könnten. In der Regel müssten vor allem Patienten mit Vorerkrankungen oder mit einem geschwächten Immunsystem im Krankenhaus behandelt werden. Ausgeschlossen ist laut Huber, dass die Kreisklinik zu einem Quarantäne-Krankenhaus für die Region wird.

Im Zuge der Vorbereitungen auf eine mögliche Pandemie hatte das Gesundheitsministerium zwar in der Kreisklinik angefragt, ob dies möglich sei, sagt Huber. "Aber das geht bei einem Haus der Grund- und Regelversorgung wie wir es sind ja gar nicht."

Bereits in der Vergangenheit hatte es im Landkreis zwei Coronavirus-Verdachtsfälle gegeben. China-Reisende mit grippeähnlichen Symptomen hatten sich im Gesundheitsamt Ebersberg gemeldet - es handelte sich allerdings um falschen Alarm, wie sich bald herausstellte. Außerdem hatte es in Ebersberg vier Kontaktpersonen zu Mitarbeitern des Autozulieferers Webasto im Landkreis Starnberg gegeben, in dessen Belegschaft die ersten Infektionen in Bayern bekannt geworden waren. Auch bei ihnen wurden mehrfach Abstriche vorgenommen, die jedoch immer negativ ausfielen.

Hermann Büchner, der Chef des Ebersberger Gesundheitsamts, weist darauf hin, dass Menschen, die eine Infektion mit dem Coronavirus befürchten, nicht direkt zum Arzt gehen sollen. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, sollen sie zunächst telefonisch Kontakt mit ihrem Arzt aufnehmen. Dadurch wird den Medizinern die Gelegenheit gegeben, mögliche Betroffene von den anderen Patienten zu isolieren.

© SZ vom 02.03.2020

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