Entscheidung in Grafing:Der Plan für das Kinderzentrum steht

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Entscheidung in Grafing: Seit gut einem Jahrzehnt wollen die Grafinger auf dieser Wiese eine Kita bauen, nun könnte es klappen.

Seit gut einem Jahrzehnt wollen die Grafinger auf dieser Wiese eine Kita bauen, nun könnte es klappen.

(Foto: Christian Endt)

Nach mehr als zehn Jahren Hin- und Her ist die neue Betreuungseinrichtung endgültig beschlossene Sache

Von Thorsten Rienth, Grafing

Den Lacher des Tagesordnungspunkts landete CSU-Stadtrat und Landtagsabgeordneter Thomas Huber: "Die Kinder, für die wir das Kinderzentrum eigentlich bauen wollten, gehen mittlerweile in die dritte Klasse." Hubers Gag passte. Denn die Planung des Kinderzentrums geht als Grafinger Witz durch, allerdings nur im ironischen Sinne: Über zehn Jahre hatten drei Grafinger Bürgermeister und drei Stadtratsgremien an dem Bau herumgedoktert. Nun, in der jüngsten Sitzung, hat der Stadtrat das Projekt endgültig abgesegnet.

Entsprechend erleichtert zeigte sich Bürgermeister Christian Bauer (CSU). "Ich bin echt froh, dass das Thema jetzt durch ist - und auch mit dem Ergebnis, das wir jetzt haben." Bei eben diesem handelt es sich um eine abgespeckte Version der Planung, die der Stadtrat in einem mehrjährigen Hin- und Her ausgerechnet bis kurz vor Pandemiebeginn ausgearbeitet hatte. Weil dann das Geld knapp wurde votierte der Stadtrat für eine neuerliche Tektur - die Kosten von über zehn Millionen Euro sollten auf 8,5 Millionen Euro gedrückt werden. Yvonne Magdon aus dem Technischen Bauamt reduzierte also die Bruttogeschossfläche von gut 2000 auf etwa 1600 Quadratmeter. Statt Fensterflächen wurden geschlossene Fassadenteile eingeplant, die Außenwände, wo möglich, in Holzständerbauweise. Auch bei der technischen Gebäudeausstattung - Heizung, Lüftung und Sanitär inklusive allerlei Regelungstechnik - wurde kräftig abgespeckt. Trotzdem ist Platz für sechs Kindergarten- und Krippengruppen sowie den zweiten Grafinger Hort.

Dass im finalen Beschluss nun dennoch 8,82 Millionen Euro stehen, das liegt einerseits an den in den vergangenen Monaten gestiegenen Rohstoffpreisen. Anderseits an der wegen neuer Fördermöglichkeiten wieder in die Planung aufgenommenen Lüftungsanlage sowie der Photovoltaikanlage auf dem Dach. "Im Sommer, wenn sie am meisten Strom produziert, könnten wir damit Pumpen im Freibad laufen lassen", erklärte Bürgermeister Bauer.

Just war es diese Anlage, die in der Sitzung den einzigen Streitpunkt markierte. "Ich will einfach nicht verstehen, dass die Anlage bei gleicher Leistung ungefähr dreimal so teuer ist, wie eine normale Anlage auf einem Hausdach", kritisierte FDP-Stadtrat Claus Eimer. Unmöglich, dass sich die Anlage mit ihren gut 130 000 Euro Bau- sowie einigen zehntausend Euro Planungskosten rechne. "Das braucht Jahrzehnte. Und das ist länger als die zu erwartende Lebensdauer." Die SPD sah es genauso und votierte in der Teilabstimmung um die PV-Anlage mit der Bayernpartei sowie eben Eimer dagegen.

Das wiederum beanstandete Grünen-Stadtrat Sepp Biesenberger. "Wie wollt ihr denn bitteschön sonst von den aktuell 15 Prozent regenerativen Energien auf die geplanten 100 Prozent im Jahr 2030 kommen?", fragte er. "Es kann und darf doch nicht sein, dass wir hier einen Neubau planen - und keine PV-Anlage draufsetzen." So sah es auch der große Rest des Gremiums, sodass das Kinderzentrum nun inklusive PV-Anlage ausgeschrieben wird. Alle andere Teilbeschlüsse fielen entweder gänzlich oder nahezu einstimmig.

Bürgermeister Bauer zufolge wird die Stadtverwaltung die Ausschreibung nun unverzüglich die Ausschreibungen vorbereiten. Mit der Auftragsvergabe sei dann in etwa Anfang nächsten Jahres zu rechnen, mit dem Baubeginn im März oder April 2022. In Betrieb gehen soll das Kinderzentrum nach derzeitigem Stand um den Jahreswechsel 2023/24.

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