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Energieversorger will expandieren:Heimlich erfolgreich

Beim Eberwerk würde man gerne mehr Solarstrom ins Sortiment nehmen und sucht Flächen für Photovoltaikanlagen, wie jene auf der Schafweide.

(Foto: Christian Endt)

Seit Anfang des Jahres kann man im Landkreis über das Eberwerk regionalen Ökostrom beziehen. Wie viele Kunden das bereits tun, ist zwar Betriebsgeheimnis. Das Geschäft läuft aber so gut, dass man neue Anlagen sucht

Die Kundenkartei ist ja so etwas wie der Kronschatz eines jeden Unternehmens - insofern ist das heuer an den Start gegangene Kommunalunternehmen Eberwerk eine ganz normale Firma. Denn dazu, wie viele Ebersberger in den ersten acht Monaten des Jahres ihren Stromvertrag beim Eberwerk abgeschlossen haben, ist von dort ausdrücklich keine Auskunft zu bekommen. Zwischen den Zeilen gibt es aber durchaus Anzeichen, dass das Geschäft mit regionalem Ökostrom einigermaßen gut zu laufen scheint.

Denn das Unternehmen, das der Landkreis und bis auf Baiern und Hohenlinden alle seine Kommunen Ende 2017 ins Leben gerufen haben, ist auf Expansionskurs. Das lässt sich dem jüngsten Newsletter der Firma entnehmen. "Aufgrund der Nachfrage sind wir immer auf der Suche nach Flächen und Dächern, um Ökostrom lokal zu erzeugen", heißt es dort. Denn das ist das Geschäftsmodell des Eberwerks, es ist gewissermaßen ein Verteiler von regional gewonnener Elektrizität. Kunde kann nur werden, wer einen Stromanschluss im Landkreis besitzt. Umgekehrt kommen auch sämtliche Produzenten von hier. Und von denen könnte es nach Auffassung des Eberwerks offenbar durchaus noch einige mehr geben - wozu die Firma auch aktiv beitragen möchte. Denn ebenfalls im aktuellen Newsletter bietet das Eberwerk an: "Wir projektieren und bauen Photovoltaik-Anlagen in allen Größen und bieten unsere Leistungen seit wenigen Wochen auch für interessierte Hausbesitzer und Gewerbetreibende an."

Laut Manuel Herzog, Pressesprecher des Eberwerks geht es hier vor allem darum, den Solaranteil bei der Stromerzeugung zu erhöhen. Derzeit stammt der Großteil nämlich aus verschiedenen Biogasanlagen und - offizielle Sprachregelung - "einem Windrad". Da es im Landkreis nur eine einzige solche Anlage gibt - die in Hamberg bei Bruck - ist aber klar, welche gemeint ist. Solarenergie habe aber ein großes Potenzial, davon ist man beim Eberwerk überzeugt.

Allerdings eines, das nicht so leicht zu nutzen ist, wie Herzog erklärt. Zwar gebe es zahlreiche geeignete Dachflächen, deren Ausbeute rentiere sich aber eher für den Eigenverbrauch der Bewohner. "Bei kleineren Anlagen lohnt sich ein Stromspeicher mehr - die bieten wir auch an." Gelegentlich, etwa bei Gewerbeimmobilien gebe es auch Überschüsse, die man ins Netz einspeisen und über das Eberwerk vermarkten könne. Da aber auch hier für die Besitzer der Betrieb nur bei einigermaßen hohem Eigenverbrauch rentabel ist, ist der Überschuss erstens nicht übermäßig und fällt zweitens nicht unbedingt dann an, wenn man den Strom braucht. Der Aufbau einer eigenen Speicher-Infrastruktur sei, zumindest derzeit, nicht finanzierbar, sagt Herzog, eine entsprechende Anlage koste mehrere Millionen Euro.

Am besten wären daher einige Freiflächen-Solaranlagen, ähnlich jener, die es bereits auf der ehemaligen Kreismülldeponie an der Schafweide gibt. Grundstückseigentümer, aber auch die örtliche Politik für solche Projekte zu gewinnen, das sei die Idee hinter dem Aufruf im Newsletter gewesen. Herzog verweist auch darauf, dass eine solche Anlage gleich mehrfach ein Beitrag zur Ökologie sei. Schließlich werde nicht nur umwelt- und klimafreundlich Strom erzeugt - Stichwort Klimaschutzregion Ebersberg -, auch würden die Flächen rund um die Solarpaneele nicht mehr bewirtschaftet. Dazwischen sei daher Platz für etwas Wildnis, was Insekten und anderen Kleintieren sowie vielen Pflanzen nützt.

Was ein Nebeneffekt, aber natürlich nicht die Hauptmotivation für die Suche nach Flächen für Solaranlagen ist. Der liege darin, dass man mittel- bis langfristig die Leistung des virtuellen Kraftwerks erhöhen möchte - und wohl auch muss, will man den Nachfragen nachkommen. Derzeit sei noch "Luft nach oben", sagt Herzog - etwa 7000 Haushalte könnten mit den aktuell aus Wind und Biogas gewonnenen 20 Gigawattstunden pro Jahr versorgt werden. Allerdings sind es nicht nur Privatleute, die einen Vertrag beim Eberwerk abschließen, auch mehrere Kommunen interessieren sich für regionalen Ökostrom. Seit Januar sind bereits Pliening, Poing und Glonn dabei, im kommenden Jahr werden nach aktuellem Stand die Kommunen der VG Aßling, also Aßling selbst sowie die Gemeinden Emmering und Frauenneuharting dazukommen. Auch die Gemeinden Markt Schwaben, Zorneding und Egmating sowie die Kreisstadt Ebersberg wollen Kunden beim Eberwerk werden. Dank der Neuzugänge, zu denen sich wohl auch einige Privathaushalte gesellen dürften, rechnet man beim Eberwerk damit, dass man etwa im übernächsten Jahr mehr Strom produzieren muss, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. Idealerweise mit Hilfe von oben - wenn sich dafür unten genügend Platz finden lässt.