Einkaufen ohne Ende Parsdorf wird zum Shopping-Center

Vaterstettens Gemeinderat stimmt Planung für Kaufhaus sowie Bau- und Gartenmarkt an der A 94 zu, Grüne befürchten Ladensterben.

Von Lars Brunckhorst

Kaum zehn Kilometer von den Riem-Arcaden entfernt und nur neun Minuten mit dem Auto entsteht ein weiteres Einkaufszentrum: Zusätzlich zu dem unlängst neben dem Möbelhaus Segmüller fertiggestellten Outlet-Center "Parsdorf City" planen die Gemeinde Vaterstetten und die Immobilienfirma Activ-Group ein Kaufhaus mit breitem Branchenmix. Außerdem vorgesehen: ein großer Bau- und Gartenmarkt mit Baustoffhandel. Am Donnerstagabend stimmte der Gemeinderat der Einleitung eines Raumordnungsverfahrens zu, das wegen der Größe des Vorhabens vorgeschrieben ist.

Fast 15 000 Quadratmeter Verkaufsfläche soll allein der Bau- und Gartenfachmarkt haben, der nach den Plänen der Investoren aus Baden-Württemberg direkt an der Autobahnausfahrt vorgesehen ist. Das ebenfalls geplante Kleinkaufhaus, das an der Gruber Straße gegenüber von Segmüller entstehen soll, ist mit 12 500 Quadratmetern dimensioniert. Das ist zwar deutlich kleiner als das Einkaufszentrum in Riem, das auf 46 500 Quadratmetern etwa 120 Läden beherbergt; doch auf der anderen Seite von Segmüller ist erst zum Jahreswechsel der umgebaute und erweiterte Lagerverkauf mit 20 Geschäften auf 6600 Quadratmetern fertig geworden. Alles in allem wird Parsdorf damit eine breite Einkaufspalette bieten. So sind in dem neuen Einkaufszentrum neben einem Supermarkt und einem Discounter mit Bäckerei, Metzgerei und Getränkemarkt ein Elektronikmarkt, eine Drogerie sowie Textil- und Schuhgeschäfte vorgesehen, aber auch Apotheke, Buchhandel, Juwelier, Optiker, Spiel- und Schreibwaren sowie Sportartikel.

Im Gemeinderat wurden denn auch Bedenken laut, das Parsdorfer Einkaufszentrum könnte den Geschäften in Vaterstetten und Baldham massiv Konkurrenz machen. "In Zukunft braucht man nur noch nach Parsdorf zu fahren - da hat man alles", warnte Stefan Ruoff (Grüne) vor einem Ladensterben in der Gemeinde. Aus diesem Grund und weil sie eine massive Verkehrszunahme befürchten, lehnten die Grünen zusammen mit Manfred Schmidt (FBU) und Will-Rafael Bienheim (Freie Wähler) das Vorhaben ab - letzterer vor allem, weil er die Planung "stinklangweilig" findet.

Bürgermeister Robert Niedergesäß und seine CSU verwiesen dagegen darauf, dass die Verkaufsflächen gegenüber den ersten Überlegungen vor einem Jahr teilweise reduziert worden seien. Zudem hatte es damals einen einstimmigen Beschluss des Gemeinderats gegeben, wonach bis zu 40 Prozent des neuen Gewerbegebiets für den Einzelhandel bestimmt sein sollen. De facto sind von den 265 000 Quadratmetern östlich der Gruber Straße jetzt nur 74 000 Quadratmeter für Fachmärkte vorgesehen. Ein Einzelhandelsgutachten der BBE Handelsberatung aus München, das dem Gemeinderat vor zwei Wochen vorgestellt worden war, sieht zudem selbst in größeren Verkaufsflächen keine Gefahr für die bestehenden Geschäfte in der Gemeinde. Dem Gutachten zufolge ist genug Kaufkraft in der Gemeinde vorhanden, damit auch die Ortszentren überleben könnten. So fließt aktuell mangels ausreichendem Angebot rund die Hälfte der Kaufkraft der Vaterstettener in andere Orte ab. "Wenn sich ein Investor wirtschaftlichen Erfolg verspricht und sich seine Planungen mit den Empfehlungen des Einzelhandelsverbands decken, können wir guten Gewissens zustimmen", meinte denn auch CSU-Fraktionschef Michael Niebler.

Inwiefern die Pläne allerdings so verwirklicht werden dürfen, wird erst der Ausgang des Raumordnungsverfahrens zeigen. In diesem prüft die Regierung, ob die Planung mit übergeordneten Planungszielen vereinbar ist. Dabei haben auch andere Behörden und vor allem Nachbargemeinden ein Mitspracherecht, die von dem Parsdorfer Vorhaben betroffen sind. Und erst später wird entschieden, ob die geplanten Geschäfte in einem Kaufhaus unter einem Dach entstehen oder doch - wie in Gewerbegebieten gewohnt - als einzelne Fachmärkte.