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Ehrung im Landratsamt:Ausgezeichnete Klimaschützer

Robert Niedergesäß (Mitte) mit den Preisträgern (von links): Monika Koch, Leni Schneider, Rupert Ostermair, Ludwig Kirmair, Augustinus Mäusel, Martin Wagner, Josef Daxenbichler, Hans Fent, Barbara Burgmayr-Weigt, Alexandra Schneider.

(Foto: Endt)

Eine Brucker Firma gewinnt den Energiepreis des Landkreises für ein Blockheizkraftwerk im Alten Hof in Vaterstetten

Wer am Dienstagabend zur Verleihung des Ebersberger Energiepreises ins Landratsamt kam, dem fiel als Erstes eine auffällige Wandprojektion ins Auge. Zu sehen darauf war ein Kirchturm, dahinter der Ebersberger Forst, in der Ferne Alpenpanorama und ja, da war auch das berühmt-berüchtigte Brucker Windrad. Doch was war das? Hatte sich da etwa ein zweites Rotorenungetüm ins Bild geschlichen? Oder wurde es gar klammheimlich ohne Wissen der Bürger in den Forst gesetzt? "Das ist natürlich ein Fake-Bild", sagte schmunzelnd Landrat Robert Niedergesäß zu Beginn der Veranstaltung. "Doch es verdeutlicht, wie groß die Ambitionen hier in Bezug auf den Energiewandel sind."

Um ein zweites Windrad sollte es an diesem Abend nicht gehen, stattdessen wurden die mindestens genauso zukunftsorientierten Preisträger des zehnten Ebersberger Energiepreises gekürt. "In diesem Jahr sind 17 Bewerbungen bei uns eingegangen, damit gab es in den zehn Jahren insgesamt 150 Bewerber", sagte Niedergesäß in seiner Begrüßungsrede. Diese Zahl bestätige, dass man bei der Energiewende auf dem richtigen Weg sei.

Der Zufall wollte es, dass just an diesem Tag eine neue Studie veröffentlicht wurde, die für 2018 einen neuen Rekordwert an CO2-Emissionen bestätigte. "Das ist schon erschreckend. Natürlich können wir in Ebersberg nicht die Welt verändern, aber das Motto lautet: global denken, lokal handeln", sagte Niedergesäß. Jeder könne zum Klimaschutz beitragen, man müsse nur verantwortlich handeln.

Die Bewerber für den Energiepreis gingen dabei mit gutem Beispiel voran: Einreichen konnte man erfolgreich umgesetzte Projekte von Privatpersonen, Firmen oder auch Kommunen, die "über gesetzliche Anforderungen hinausgehen" und der Energiewende durch ihren Vorbildcharakter dienen. "Eigentlich hätten alle Bewerbungen einen Preis verdient", sagte Niedergesäß. An diesem Abend durften sich immerhin vier von ihnen über Prämien freuen: Für den ersten Preis und damit 1500 Euro hatte die fünfköpfige Jury ein Projekt der WBT Vetriebsgesellschaft in Bruck ausgewählt. Ludwig Kirmair und sein Partner Thomas Zeller bauten im Alten Hof in Vaterstetten ein Blockheizkraftwerk ein, das zusätzlich zur Gaststätte drei weitere Gebäude mit Strom und Wärme versorgt. Beinahe 40 Prozent an Energiekosten wurden durch die neue Anlage bisher eingespart. Die Firma hatte sich schon einmal für den Preis beworben, trotzdem war Kirmair überrascht von dem Ergebnis: "Es hat ja noch so viele andere tolle Bewerbungen gegeben", sagte er strahlend.

Der zweite Preisträger stand nicht nur auf dem Treppchen hoch oben, sondern tut das auch in seinem Beruf: Josef Daxenbichler aus Aßling reinigt Fotovoltaikanlagen und bekam für seinen Einsatz ein Preisgeld von 1 000 Euro überreicht. "Ich arbeite da, wo sonst keiner hinkommt und hinwill", sagte er lachend. Der Industriekletterer war nach eigener Aussage der Erste im Landkreis, der die Reinigung von PV-Anlagen anbot. Um bis zu 25 Prozent werde die Leistung nach der Reinigung gesteigert, so die Energiepreis-Jury. Daxenbichler mache vielen Fotovoltaikbesitzern erst deutlich, wie der Ertrag ihrer Anlagen maximiert werden könne.

Den dritten Platz und ein Preisgeld von 500 Euro erhielt die Marktgemeinde Kirchseeon für die Schulhauserweiterung der Grund- und Mittelschule, die in Holzbauweise erfolgte. "Für die Inneneinrichtung wurde hauptsächlich Fichte verwendet, dadurch ist eine wohlige Atmosphäre entstanden", sagt die Kirchseeoner Klimaschutzmanagerin Melanie Fuchs. Holz sorge nicht nur für ein gutes Raumklima, sondern speichere auch große Mengen an CO2, begründete die Jury ihre Entscheidung für den dritten Platz.

Einen Sonderpreis, dotiert mit 250 Euro, bekam die Grundschule Forstinning für ihr Projekt "Schulhecke". Lehrer, Eltern und fast 30 Schüler pflanzten neben einer Hecke noch einige Bäume auf ein Grundstück, das als "Klassenzimmer im Freien" dienen soll.

Auch sämtliche nicht ausgezeichnete Bewerbungen fanden Erwähnung: darunter das "Dienstags-Klima-Kino" und die "Grüne Hausnummer" in Oberpframmern, Carsharing mit E-Auto in Glonn, oder das Grafinger "Mitfahrbankerl".

© SZ vom 29.11.2018
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