Ebersberger Radler im Risiko Gefährliches Pflaster

Eine aktuelle Umfrage untersucht die Probleme für Fahrradfahrer in Ebersberg. Beklagt werden besonders die unzureichenden Radwege in der Stadt und zu viel Vorrang für den Autoverkehr

Von Wieland Bögel, Ebersberg

"Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren", lobte einst John F. Kennedy die Fortbewegung auf zwei Rädern. Ein halbes Jahrhundert und eine halbe Erdumrundung entfernt würden wohl nicht alle den Worten des ehemaligen US-Präsidenten zustimmen. Besonders in Ebersberg gibt es viel Kritik an der Situation für Radler, bemängelt werden viele gefährliche Stellen im Straßennetz der Stadt. Um diesen auf die Spur zu kommen und Verbesserungsmöglichkeiten zu finden, hatte die SPD vor einigen Wochen eine Radlerumfrage gestartet, 166 Personen haben teilgenommen, das Ergebnis liegt nun vor.

Als sehr unangenehm und gefährlich für Radler bewerten die Teilnehmer wenig überraschend die Amtsgerichtskreuzung. Besonders, dass es an der Wasserburger Straße Richtung Osten keinen Radweg gibt. Ebenfalls für sehr gefährlich gilt der Bereich rund ums Rathaus, speziell der Radweg an der Valtortagasse. Denn dieser ist sehr schmal und endet abrupt an einem Baum. Was für Radler, zumal wenn man sich nicht auskennt, gefährlich werden könne, sagt Jürgen Rahner. Er und seine Frau Hannelore Beer haben einige der Stellen abgeradelt und quasi auf ihre Gefährlichkeit getestet. Die Stelle zwischen Fußgängerampel an der Eberhardstraße und Valtortagasse nimmt dabei einen Spitzenplatz ein.

Das bestätigt Bernhard Schweida, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht. Dieser Abschnitt sei zum Radfahren eigentlich ungeeignet - und daran dürfte sich auch nichts ändern lassen. Den Vorschlag der Umfrageteilnehmer, den Radweg mindestens bis zur Feuerwehr zu verlängern, hält Schweida für schwer umsetzbar: "Dafür müsste man Häuser abreißen." Er empfiehlt Radlern daher, die Stelle zu umfahren oder das Fahrrad dort zu schieben.

Ähnliches gilt im Bereich der Verkehrsinsel an der Amtsgerichtskreuzung. Auch hier seien Radler gut beraten "kurz zum Fußgänger zu werden", also ein Stück zu schieben, sagt Schweida. Was die Wasserburger Straße angeht, teilt er die Einschätzung der Umfrageteilnehmer: Hier wäre ein Radweg auf jeden Fall sinnvoll. Eine andere Forderung aus der Umfrage, Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet, dürfte aus Sicht der Kreisverkehrswacht aber wohl wenig bringen. Denn mehr als 30 könne man ohnehin kaum fahren: "Die Geschwindigkeit ist nicht das Problem", sondern der allgemein dichte Verkehr.

Wie man die Radler davor besser schützen kann, war auch Thema der Umfrage. Etwa auf der Münchner Straße, wo es einen sogenannten Schutzstreifen gibt. Viele Teilnehmer der Umfrage fühlen sich aber auf dem aufmarkierten Streifen unsicher, besonders bei vorbeifahrenden Lastwagen. Dass so ein Streifen eher eine "nett gemeinte Geste" an die Radler ist, sagt auch Schweida, "ein richtiger Radweg wäre schon besser". Allerdings hat er beobachtet, dass der Radlstreifen viele Autofahrer zu disziplinieren scheint: "Die trauen sich nicht, da draufzufahren, das ist ein Beitrag zur Verkehrsberuhigung."

Mehr Verkehrsberuhigung würden sich Ebersbergs Radler an einer anderen Stelle der Münchner Straße wünschen, der Abzweigung "Zur Gass". Diese haben Beer und Rahner ebenfalls getestet und als eine der gefährlichsten Punkte in der Stadt ausgemacht. Zum einen, weil sich die Situation für Radler rund um die Kreuzung ständig ändert: So gebe es stadtauswärts den Schutzstreifen, einen gemeinsamen Fuß- und Radweg, zur Überquerung der Straße "Zur Gass" einen reinen Fußweg mit Schild "Radfahrer absteigen" und dann wieder einen Rad- und Fußweg. Beer fände es sinnvoll, würde die Abzweigung umgebaut, etwa zu einem Kreisverkehr, oder wenigstens mit einer Ampel versehen. Letzteres sei nur schwer möglich, sagt Schweida, da es knapp 100 Meter davor schon eine Ampel gibt. Ob ein Kreisverkehr an der Stelle sinnvoll und machbar ist, war zwar schon mehrmals Thema im zuständigen Ausschuss des Stadtrates, allerdings bislang ohne Ergebnis.

Bei einer weiteren Gefahrenstelle sind sich Kreisverkehrswacht und Umfrageteilnehmer weitgehend einig: Die Eberhardstraße, insbesondere rund um die Abfahrt zum Klostersee: "Die ist echt gefährlich", sagt Schweida. Das kritisiert übrigens auch der ADFC seit längerem und hat Vorschläge für eine Entschärfung gemacht. Etwa die Ampel, die mitten auf dem Radweg steht, zu versetzen und den Weg insgesamt übersichtlicher zu gestalten. Bei der Stadt Ebersberg verweist man dann immer auf das Staatliche Bauamt Rosenheim, das für die Straße zuständig - und wenig offen für Umbauten daran - ist. Bis sich die Akteure über eine Lösung einig sind, empfiehlt Schweida auch hier, eine möglichst weiträumige Umfahrung.

"Mit Hirn radeln" empfiehlt Bernhard Schweida.

(Foto: privat)

Die allerdings auch nur für Ortskundige in Frage kommt, gibt wiederum Rahner zu bedenken. Wer sich in Ebersberg nicht auskennt, befahre natürlich die Hauptstraßen - und die seien nur für den motorisierten Verkehr ausgelegt. Streng genommen nicht einmal für diesen, sagt Schweida, "Ebersberg ist eigentlich weder für Radler noch für Autos geplant, sondern für Pferdefuhrwerke". Was sich für die meisten Kommunen im Landkreis sagen lasse, "für Radler ist es besonders in Ballungszentren immer schwierig".

Für Beer wäre es daher die beste Lösung, "wenn alle Verkehrsteilnehmer respektvoll miteinander umgehen". Was aber auch bedeutet, dass Autofahrer mehr Rücksicht auf die Radler nehmen sollten - oder vielleicht selber öfter mal das Vehikel wechseln. Das würde schließlich auch das Hauptproblem der Radler etwas verringern: den Autoverkehr. Der Lastwagenverkehr dürfte der Kreisstadt indes erhalten bleiben, solange keine Lösung für eine Umgehung gefunden ist, schätzt Schweida. Was nach aktuellem Stand länger dauern könnte: Wenn überhaupt, käme die Kreisstadt frühestens Mitte der 2020er Jahre in den neuen Staatsstraßenausbauplan. Wann die Umfahrung tatsächlich gebaut würde, ist offen. Schweida empfiehlt daher, die Ebersberger sollten "mit Hirn radeln, manche Knotenpunkte besser meiden" und natürlich, wie grundsätzlich im Straßenverkehr, "immer vorsichtig sein".