Ebersberger Forst Kräftiger Gegenwind

In Schwaberwegen ist meistens sehr viel Verkehr, einige Anwohner wünschen sich daher eine Umgehung - andere sind strikt dagegen.

(Foto: Christian Endt)

Umfahrungsbefürworter in Forstinning werfen Grünen und Bund Naturschutz Einseitigkeit vor

Von Wieland Bögel, Forstinning/Ebersberg

Die jüngst aufgeflammte Kontroverse um den Schutz des Ebersberger Forstes ist nun gewissermaßen wieder an ihren Wurzeln angelangt: Dem Für und Wider einer Umgehungsstraße in Schwaberwegen. Deren Befürworter haben dem Bund Naturschutz (BN) und den Grünen nun Einseitigkeit vorgeworfen. Man könne nicht für die Windkraft im Forst argumentieren, so die Kritik der Bürgergruppe Schwaberwegen/Moos, aber sich bei der Umfahrung auf den Umweltschutz berufen.

Dass sich Grüne und BN überhaupt genötigt sahen, ein Statement pro Windkraft abzugeben, hat mit der anderen Interessensgruppe rund um die geplante Ortsumgehung zu tun. Die "Bürgerinitiative 2080" setzt sich dafür ein, dass eben kein Bypass für die Staatsstraße 2080 gebaut wird. Begründet wird die Ablehnung vor allem damit, dass die Trasse auf einigen 100 Metern durch den Forst südlich von Schwaberwegen verlaufen soll. Seit vergangenem Herbst suchen die Umfahrungsgegner Unterstützung im Internet, sie haben eine Online-Petition mit dem Titel "Hände weg vom Landschaftsschutzgebiet Ebersberger Forst" gestartet.

Allerdings richtete sich die Petition ursprünglich konkret gegen den Bau der Umfahrung - seit Anfang Juni dann auch ausdrücklich gegen den Bau der fünf im Forst geplanten Windräder. Was den Initiatoren einige Kritik eingebracht hat, unter anderem von den Grünen und dem BN. Diese hatten bisher die Schwaberwegener Umfahrungsgegner unterstützt und halten auch weiterhin die neue Trasse für schädlich - den Bau der Windräder unterstütze man aber ausdrücklich, so Kreisvorstand und Kreistagsfraktion vergangene Woche in einer Pressemitteilung. Auch der BN hat erneut seine Unterstützung für den Windpark erklärt - aber eben nicht für die neue Trasse in Schwaberwegen.

Für die Umfahrungsbefürworter eine einseitige Sicht. Wie die Bürgergruppe nun schreibt, könne man die Argumente der Grünen und des BN auch für die Umgehung gelten lassen. Etwa, dass der Forst seit Jahrhunderten als Wirtschaftswald genutzt und durch die Windräder nur "punktuell" belastet würde, wie der BN kürzlich verlautbarte. Oder die Auffassung der Grünen, Rodungen seien zwar "unerwünscht" aber ein "zu akzeptierender Preis" für den Klimaschutz.

Ein wichtiges Ziel sei aber auch die Entlastung der Einwohner Schwaberwegens vom Straßenverkehr, so die Bürgergruppe: "Wir sind der Ansicht, dass die Umgehungsstraße dem Menschenschutz dient und hier müssen die Grünen und der BN davon überzeugt werden, dass dies der vorrangige Schutz sein muss". An Grüne und BN gerichtet, fordert die Bürgergruppe, wenn diese dem Bau der neuen Straße schon "nicht explizit zustimmen können und wollen", sollten sie "wenigstens diesen nicht bekämpfen". Ein Seitenhieb gegen die andere Straßeninitiative im Ort darf nicht fehlen. Deren Ziel sei mitnichten der Schutz des Forstes, schreiben die Umfahrungsbefürworter, "sondern ausschließlich die Vertretung ihrer eigenen privaten Interessen; die Mitglieder der BI wohnen meist alle am Westrand, also nahe dem Wald." Ursprünglich hätten diese Anwohner sogar eine Trasse noch weiter im Wald befürwortet, "erst als diese nicht ausgewählt wurde, hatte man den Naturschutz als Ziel ausgerufen", so die Umfahrungsbefürworter: "Es sollte ein Szenario aufgebaut werden, das aussagt, dass der gesamte Ebersberger Forst mit dem Bau der Straße zerstört wird." In dem Kontext sei auch die jüngste Windkraftkritik zu sehen, vermutet man bei der Gruppe. Diese sei zur Petition der BI hinzugefügt worden "in der Meinung, nun wären wohl endgültig alle Naturschützer auf ihrer Seite - was wohl ein Irrtum ist".

Zumindest hier scheinen sich die Umfahrungsbefürworter selbst zu irren. Auf der Petitionsseite wird dokumentiert, wann wie viele Unterstützer hinzugekommen sind. Richtig ist, dass die geänderte Petition zunächst wenig Effekt hatte, über Wochen blieb die Zahl der Unterstützer stabil. Was sich allerdings mit der Kontroverse um den geänderten Petitionstext schlagartig änderte: Seit der ersten Augustwoche, als das Thema akut wurde, haben sich weitere 1600 Unterstützer eingetragen, insgesamt waren es am Mittwoch rund 4200.