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Ebersberg:Zuspruch am Krankenbett

Kreisklinik - kath. Seelsorgerin

Beruf oder Berufung? Die Krankenhausseelsorge sei für sie beides, sagt Gertrud Jochum.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Gertrud Jochum ist neue Seelsorgerin in der Kreisklinik

Von Esther Lärmer, Ebersberg

An eine Begegnung in ihrem Leben erinnert sich Gertrud Jochum noch besonders gut. Als Seelsorgerin traf sie eine junge Mutter, die ihre schwere Erkrankung unbedingt überwinden wollte, um wieder für ihre Kinder da sein zu können. "Ich habe diese Frau sehr bewundert", sagt Jochum. Staunen über das Durchhaltevermögen schwingt in ihren Worten mit. Später begegnete sie dieser Frau noch einmal, denn der Kampf der jungen Patientin hat sich gelohnt. Nach langem Krankenhausaufenthalt, auch auf der Intensivstation, durfte sie nach Hause. "Das war sehr bewegend", erzählt Jochum. Auch in Zukunft wird sie für Menschen da sein, denen es schlecht geht und die im Krankenhaus auf Erholung hoffen dürfen - oder sich in ihren letzten Tagen Begleitung wünschen. Seit Anfang Mai ist die 60-Jährige für die katholische Seelsorge in der Kreisklinik verantwortlich. Ihr Vorgänger Christoph Diehl hat eine neue Aufgabe in Rosenheim übernommen.

Dass die Krankenhausseelsorge etwas für sie sein könnte, bemerkte Gertrud Jochum während ihrer Zeit als Gemeindereferentin in Peiting, als sie Krankenbesuche bei Gemeindemitglieder in der Kreisklinik Schongau machte. Im Oktober 2008 hatte sie damals in der Klinikseelsorge des LMU-Klinikums am Campus in der Innenstadt angefangen. Davor hat sie nach ihrem Fachabitur 20 Jahre als Steuerfachangestellte gearbeitet, bevor sie mit 36 ein Fachhochschulstudium in Religionspädagogik und Gemeindepastoral in München begann. Im Jahr 2000 legte sie dann ihr Diplom ab und war acht Jahre als Gemeindereferentin in der Pfarrei Sankt Michael in Peiting tätig. Da habe sie dann festgestellt, dass es ihr liegt, auf Menschen im direkten Gespräch zu zugehen, erzählt sie. "Gerade in dieser besonderen Situation der Krankheit", betont sie. In dieser langen Zeit habe sie viele berührende Begleitungen erlebt, sagt sie. Sie ist für Menschen in Krisensituationen und für deren Angehörige da, und sie begleitet Menschen auch in der letzten Phase ihres Lebens. Diese Erfahrung haben sie geprägt. "Auf jeden Fall hat es die Sicht auf das Leben verändert", sagt sie, und ihr vor Augen geführt, dass jeder Tag kostbar sei und jedes Leben einzigartig. Ihre Erfahrung sei, dass viele Menschen unterschiedlich damit umgingen - mit dem Leben ebenso wie mit dem Tod. Zwei Dinge, die für Gertrud Jochum untrennbar miteinander verbunden sind, wie sie sagt.

Doch immer wieder gibt es in ihrem Beruf schwierige Situationen. Auch Momente, in denen es nicht einmal passende Worte gibt, um den Betroffenen Trost zu spenden. Da sei es wichtig, als stabiler Faktor einfach da zu sein, macht sie deutlich. Durch ihre Erfahrungen habe sie auch einen anderen Blick auf private Krisen bekommen, erzählt sie. "Das Schicksal trifft einen trotzdem, aber man hat andere Strategien gelernt, um damit umzugehen."

Ob ihre Tätigkeit Beruf oder Berufung sei? Die neue Klinikseelsorgerin sagt, beides treffe zu. Zum einen glaube sie an einen liebevollen Gott, der von sich selbst sage: "Ich bin der ,Ich bin da'." Auf der anderen Seite verdiene sie mit der Krankenhausseelsorge ihren Lebensunterhalt, wie mit jedem anderen Beruf, und die Erzdiözese ist ihr Arbeitgeber. Trotzdem sei es kein Job wie jeder andere.

© SZ vom 11.06.2021
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