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Ebersberg:Wenn sich die Preise für Ackerland verzehnfachen

2007 bekam man in Ebersberg für den derzeitigen Preis für einen Quadratmeter Ackerland noch zehn Quadratmeter.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Innerhalb von zehn Jahren ist der Preis für Wiesen und Farmland in der Region doppelt so teuer geworden wie im bayerischen Durschnitt. Eine Gemeinde ist unangefochtener Spitzenreiter.

Investoren kaufen hektarweise Ackerflächen, verpachten sie dann teuer an die Landwirte oder pflanzen riesige Monokulturen, um die hergestellten Lebensmittel billiger zu vermarkten als die lokalen Bauern - "Land Grabbing" heißt das Phänomen, das in vielen Ländern Asiens, Afrikas oder Südamerikas dazu führt, dass immer mehr Landwirte verarmen und ihre Höfe aufgeben müssen.

Man kennt den Begriff vom Hörensagen, aus dem Fernsehen oder aus der Zeitung, dabei ist Land Grabbing längst in Bayern angekommen. "In den letzten Jahren wurde hier immer mehr Fläche von Investoren gekauft. Die haben mit Landwirtschaft teilweise gar nichts am Hut und sind nur am Profit orientiert." So schildert Franz Lenz, Vorsitzender des Bayerischen Bauernverbandes, die Lage in der Region.

"Im Landkreis Ebersberg ist das für die Bauern ein großes Problem, weil die Preise für landwirtschaftliche Flächen explodieren", sagt Lenz. Es gibt konkrete Zahlen, die das belegen: Das Landratsamt sammelt alle Verkäufe von Landwirtschaftsflächen in den Landkreisgemeinden in Tabellen, daraus lassen sich Mittelwerte errechnen. Beispiel Hohenlinden: 8,80 Euro kostete dort der Quadratmeter Acker- oder Grünlandfläche im Jahr 2014 im Schnitt - 2004 lag der Durchschnittspreis bei Verkäufen in der Gemeinde bei knapp drei Euro. Der Preis hat sich innerhalb eines Jahrzehnts fast verdreifacht.

Nirgendwo im Landkreis ist es so teuer wie in Zorneding

Hohenlinden ist kein Einzelfall: Auch in Zorneding und Vaterstetten haben sich die Quadratmeterpreise im selben Zeitraum um das rund Dreifache gesteigert. Mit knapp 18 Euro Quadratmeterpreis ist es in Zorneding landkreisweit am teuersten, landwirtschaftliche Flächen zu erwerben, Vaterstetten folgt mit 16,50 Euro. In Pliening stieg der Quadratmeterpreis von drei auf mehr als elf Euro, in Frauenneuharting von genau zwei auf rund fünf Euro.

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SZ-Grafik; Quelle: Landratsamt Ebersberg

Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2014, aktuellere Daten liegen im Ebersberger Landratsamt nicht vor. Die Investoren nutzten Ackerflächen und Wiesen teils auch als Geldanlage, "jetzt, wo die Zinsen so niedrig sind", so erklärt Landratsamts-Sprecher Norbert Neugebauer den Run auf die landwirtschaftlichen Flächen.

Die meisten Bauern bekommen nach wie vor weniger als 40 Cent pro Liter Milch. Auch die Preise anderer Lebensmitteln stagnieren auf einem Rekordtief. Weil die Discounter die Preise drücken, müssen viele Bauern, wollen sie ihren Umsatz halten, mehr produzieren - und benötigen dafür größere Flächen. Nicht wenige Landwirte müssen deshalb Flächen zukaufen, bei den Quadratmeterpreisen stehen sie im Landkreis damit aber oft vor einem Problem, bestätigt Franz Lenz.

Im Zeitraum zwischen 2004 und 2014 wechselten im Landkreis insgesamt mehr als 911 Mal Äcker und Wiesen den Besitzer, das sind im Schnitt rund 83 Verkäufe pro Jahr, Tendenz steigend. Bei den Verkäufen ging es um insgesamt etwa eintausend Hektar, was umgerechnet mehr als 1400 Fußballfeldern entspräche. Das sind immerhin knapp drei Prozent aller Äcker und Wiesen im Landkreis Ebersberg.

Neues Verkaufgesetz

Mit dem neuen Bayerischen Agrarstrukturgesetz müssen Landwirte, die Acker- oder Wiesengrundstücke verkaufen, nun bereits ab einem, statt wie bislang ab zwei Hektar, eine Genehmigung für den Verkauf einholen. Auch der Bayerische Bauernverband hatte sich für die Neuregelung eingesetzt um Landwirte vor Investoren zu schützen. In dem Gesetz ist ein Mechanismus eingebaut, der es branchenfremden Investoren erschweren soll, landwirtschaftliche Flächen aufzukaufen: Die BBV Landsiedlung GmbH, ein Tochterunternehmen des Bauernverbandes, hat als gemeinnütziges Siedlungsunternehmen das Vorkaufsrecht für landwirtschaftliche Flächen. Sie muss zwar den selben Preis zahlen wie ein Investor, kann diesem bei einem Kauf aber zuvorkommen und die Flächen dann an Bauer vermitteln. coco

Fast überall in Bayern sind die Preise günstiger

Die Zahlen aus dem Landratsamt zeigen auch: Es gibt, was die Bodenpreise betrifft, ein starkes Nord-Süd-Gefälle: In den südlichen Gemeinden steigen die Preise eher moderat an, in Emmering und Glonn beispielsweise steht eine Drei vor dem Komma, und auch in der Gemeinde Baiern ist ein Acker mit 4,73 Euro pro Quadratmeter noch erschwinglicher als in den meisten nördlichen Ortschaften des Landkreises. Das liege daran, dass in den ländlicheren Gemeinden weniger gebaut werde, wie Lenz erklärt - je knapper die Flächen werden, desto höher der Quadratmeterpreis.

Für fünf Gemeinden im Landkreis liegen für das Jahr 2014 keine belastbaren Daten vor, weil in den genannten Zeiträumen kaum oder gar keine landwirtschaftlichen Flächen den Besitzer wechselten. Rechnet man aber die Quadratmeterpreise aus den übrigen 16 Gemeinden zusammen, kommt man für das Jahr 2014 auf einen Durchschnittswert von 8,25 Euro.

Damit ist der Boden, auf dem im Landkreis Vieh grast und wo Traktoren und Mähdrescher rollen, fast doppelt so teuer wie im bayerischen Durchschnitt, der bei 4,14 Euro liegt. Bundesweit lagen die Preise im Jahr 2014 bei rund 1,80 Euro - was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die niedrigen Preise in Ostdeutschland den Schnitt drücken.

Der bayerische Landtag hat inzwischen auf die Preisexplosion reagiert, seit Anfang dieses Jahres gilt das neue Agrarstrukturgesetz. Für Katharina Binsteiner, Landwirtschaftsdirektorin am Ebersberger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, ist das neue Gesetz "hilfreich". Ob es wirksam ist, werden die kommenden Jahre zeigen.