Ebersberg:Überleben in der Manege

Der Wanderzirkus "Feraro" ist wieder zu Gast in Ebersberg und Vaterstetten, doch das Geschäft läuft schleppend

Von Max Nahrhaft

Auf dem Volksfestplatz in Ebersberg ist in den vergangenen Tagen eine kleine Zeltstadt in die Höhe gewachsen. 40 Fahrzeuge, darunter Kleinbusse, Traktoren, Tiertransporter und überlange Wohnwägen stehen um ein rundes Zelt herum. Dazwischen große Koppeln für Pferde, Lamas und Ziegen - Künstler bereiten sich auf ihren großen Auftritt vor. Der Zirkus ist wieder in der Stadt.

Doch der Schein einer heilen Künstleroase trügt. Die Zirkusfamilien müssen um ihre Existenz kämpfen. "Ich weiß nicht, wie wir uns als Schausteller über Wasser halten sollen", sagt Hermann Schmidt, der Direktor des Zirkus. Seine Aufgabe ist es nicht nur, die Zuschauer abends in der Manage mit rotem Frack und schwarzen Zylinder durch die Vorstellung zu geleiten. Auch für Werbung, Logistik, Organisation, Zeltaufbau und Pflege der Tiere ist er zusammen mit seinen Kollegen zuständig. "Zeitlich gesehen sind wir nur noch nebenberufliche Artisten", sagt Schmidt.

Der "Circus Feraro" wird nun in siebter Generation als Familienbetrieb geführt und besteht aus fünf Familien mit insgesamt 26 Mitgliedern. Zwischen den befestigungsseilen des Zirkuszelts laufen die Kinder umher, dahinter stehen die Tiere in der warmen Mittagssonne und fressen gemächlich ihr Heu. Von Anspannung vor der Show am Abend ist noch wenig zu spüren.

Die Kinder haben sich für den Zirkus entschieden - freiwillig

Schmidt hat sein Kostüm ablegt und sitzt in T-Shirt und hochgekrempelter Hose auf einem Plastikstuhl vor seinem Wohnwagen. Er erzählt: "Ich wurde praktisch im Zirkuswagen geboren und habe von klein auf mein ganzes Leben als Schausteller verbracht." Seinen eigenen Kindern hat er zwar freigestellt, ob sie die Tradition fortführen wollen, doch auch diese haben sich für den Zirkus entschieden. Schon heute stehen sie als Clowns, Artisten und Schlangendompteure in der Manege und helfen auch hinter den Kulissen mit.

Ob sie diese Begabung selbst wieder weitergeben können, ist noch völlig ungewiss. "Das Geschäft mit dem Zirkus war schon immer schwer, aber in der letzten Zeit werden uns immer mehr Steine in den Weg gelegt", klagt Schmidt. Die Gründe dafür seien zwar vielfältig, doch besonders "radikale Tierschützer", so wie er sie nennt, trügen zu der Misere bei. Obwohl sein Zirkus keine großen Wildtiere wie Tiger und Elefanten, sondern nur Pferde, Ziegen, Lamas, Schweine, Hasen, Tauben - und zwei Riesenschlangen - halte, seien sie regelmäßig das Ziel von Tierschutzprotesten.

Immer mehr Gemeinden verweigern die Lizenz

"In den letzten Jahren wurden mehrmals unsere Werbeplakate überklebt, und einmal haben nachts Unbekannte die Tiere aus den Gehegen freigelassen - direkt neben einer Bundesstraße. Das hat nichts mehr mit Tierschutz zu tun", sagt Schmidt. Er selbst sei Mitglied im Tierschutzbund, seine Tiere sieht er als das Kapital des Zirkus.

Ein weiteres Hindernis seien viele Gemeinden, weil diese oft kategorisch ohne zu differenzieren jedem Zirkus die Lizenz verweigern. Obwohl sie alle gesetzlichen Auflagen bezüglich des Tierschutzes erfüllten, könnten sie häufig trotzdem nicht auftreten. "Wir bekommen auf unsere Anfragen mehr Absagen als positive Antworten, aber leider bleibt keine Möglichkeit, uns dagegen zu wehren. Als Zirkusleute sind wir kulturell nicht anerkannt", sagt Schmidt.

Trotz vieler Rückschläge bleibt er aber optimistisch: "Wenn dann nach der Vorstellung ein Kind zu mir herkommt und sich mit glücklichem Gesicht für die tolle Show bedankt, spornt das wieder an. Für solche Momente mache ich das." Neben den tierischen Einlagen werden während der zweistündige Unterhaltungsshow vor allem Clownvorführungen und artistische Kunststücke geboten. In dieser Saison wird der Wanderzirkus bis in den Spätherbst hinein an 40 verschiedenen Standorten in ganz Bayern und im Landkreis Ebersberg seine Vorstellungen präsentieren.

Schmidt wird weiterhin für seinen Berufsstand kämpfen - so lange, bis es nicht mehr geht: "Wir müssen auch in Zukunft gegen existierende Vorurteile anspielen."

Die SZ Ebersberg verlost fünf mal zwei Tickets für die kommenden Vorstellungen im Landkreis. Diese sind am Montag, 30. Mai, um 15 Uhr in Ebersberg und Ende der Woche in Vaterstetten: am Freitag, 3. Juni, um 18 Uhr, am Samstag, 4. Juni, am Sonntag, 5. Juni, und am Montag, 6. Juni, jeweils um 15 Uhr. Die Verlosung findet telefonisch am Montag, 30. Mai, von 10 bis 10.15 Uhr statt. Die Telefonnummer: (08092) 826 60.

© SZ vom 28.05.2016/moo
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